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Peter Voß fragt Dan Diner
19. Juni
Zerbricht Europa?
Der Historiker Dan Diner warnt vor den Folgen einer Desintegration der Europäischen Gemeinschaft. Er analysiert die Umbrüche der Gegenwart...
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20. März
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© MediClin-Herzzentrum Video
Prof. Dr. Jürgen Ennker --> sehen Sie die ganze Sendung (45 Min.)
Peter Voß fragt Jürgen Ennker
"Ein Herz für Patienten?"
Prof. Dr. Jürgen Ennker ist Herzchirurg und ärztlicher Direktor des Herzzentrums Lahr. Mit ihm wird Peter Voß über neue Entwicklungen in der Herzchirurgie reden, aber auch über heikle Themen wie wachsende Gesundheitskosten durch die stetig steigende Zahl an Herzoperationen in Deutschland.
"Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer. Man ist sich seines Todes nicht mehr sicher", stellte der Schriftsteller Hanns-Hermann Kersten schon vor mehr als 40 Jahren fest. Seit dem ist viel passiert. Viele medizinische Verfahren, die damals kaum vorstellbar gewesen sind, gehören heute zum Alltag: 1971 wurde die erste CT-Aufnahme eines Menschen gemacht; heute ist sie diagnostischer Standard. Doch vor allem in der Herzchirurgie sind die Fortschritte bahnbrechend: Im Jahr 1960 wurde die erste Bypassoperation am Herzen durchgeführt. 2004 retteten alleine in Deutschland jährlich ca. 50.000 Bypässe das Leben von Infarktpatienten.

30.500 Herzklappenersatzoperationen pro Jahr
© dpa Lupe
Eine künstliche Herzklappe (aus Metall und Kunststoff) aus dem Jahr 1994
Die erste künstliche Herzklappe - eine sogenannte Kugelprothese - wurde 1961 implantiert. 2010 wurden in Deutschland fast 30.500 Herzklappenersatzoperationen durchgeführt. Ein Arzt, der damals eine Operation leitete, würde sich in einem heutigen Operationssaal nicht mehr auskennen: Nicht nur, dass Computer- und Medizintechnik immer weiter zusammenwachsen, und sich die Einstellung der Geräte nur noch per Touchscreen absolvieren lassen - auf dem übrigens auch alle präoperativen Diagnosen wie Röntgenbilder und Computertomografiebefunde während der OP angesehen werden können. Sondern auch die Verfahren selbst haben sich entscheidend geändert.

Herzklappen vom Hausschwein?
© dpa Lupe
Eine biologische Herzklappe zur kathetergestützten Implantation
Um beim Beispiel Herzklappen zu bleiben: Diese sorgen wie Ventile dafür, dass das Blut mit jedem Herzschlag weitergepumpt wird und nicht wieder zurückfließt. Bei manchen Patienten sind die Herzklappen irreparabel geschädigt. Bis vor 20 Jahren wurden ausschließlich Klappen aus Metall und Kunststoff implantiert. Seit zwei Jahrzehnten übertragen Ärzte sog. Bioprothesen vom Hausschwein auf den Menschen. Die "Schweine-Klappe" wird entnommen, von Gewebe gereinigt, und auf dem Klappengerüst werden vor der Transplantation menschliche Zellen gezüchtet. Vor allem bei älteren Patienten hätten diese Bio-Tech-Produkte enorme Vorteile, führt Prof. Dr. Jürgen Ennker, Herzchirurg und ärztlicher Direktor des Herzzentrums Lahr, aus.

Bei den Herzklappen aus Metall entstehen meist ungünstige Verwirbelungen des Blutes, die zu Blutgerinnseln führen können, so dass die Patienten ein Leben lang Medikamente gegen Blutgerinnung nehmen müssen. Biologisch hergestellte Herzklappen dagegen sind zwar nicht so langlebig wie die künstlichen, verhalten sich aber ähnlich wie die ursprünglichen "angeborenen" Klappen und machen eine medikamentöse Behandlung überflüssig. Vor allem die neue Generation der sogenannten gerüstlosen Bioprothesen (ohne einen sogenannten Stand) brächten erhebliche Vorteile, so Ennker. Wie er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausführte, habe er in seiner Klinik in Lahr 200 Patienten in den vergangenen drei Jahren mit den neuartigen Herzklappen versorgt und überwiegend positive Erfahrungen gemacht.


Vergütungsmodelle entscheiden über Art der OP?
Neben diesem Verfahren sind vor allem die minimal-invasiven Operationen eine der herausragendsten Neuerungen der vergangenen 20 Jahre: Bei der "Schlüsselloch-Chirurgie" wird durch einen kleinen Schnitt in der Armbeuge oder Leistengegend ein Katheter über die Venen bis zum erkrankten Herzen vorgeschoben. Dort können dann verstopfte Gefäße erweitert (mit einem sog. Stand) oder es können sogar gefaltete Herzklappen implantiert werden. Das Ganze gelingt, ohne den Brustkorb zu öffnen. Das ist in den meisten Fällen für die Patienten wesentlich weniger belastend. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass Eingriffe durch den Katheter durchschnittlich 35.000 Euro kosten, während eine herkömmliche OP am offenen Herzen nur mit durchschnittlich 11.000 Euro von den Krankenkassen vergütet würden. Auch manche Ärzte geben zu, dass die relativ hohe Zahl von Katheter-OPs gegenüber dem benachbarten Ausland auf das Vergütungsmodell zurückgehen könnte. Über diese und ähnliche Verfahren und deren Kosten wird Peter Voß seinen Gast Prof. Dr. Jürgen Ennker befragen.

Ennker ist seit 16 Jahren ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie des MediClin-Herzzentrum in Lahr. Er ist dafür bekannt, offen mit Statistiken und Fehlern umzugehen.


Sendedaten
Montag, 17. September 2012, 22.25 Uhr
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