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Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
20. November
Staatsschulden: Zement oder brüchiger Kitt?
Wird sich im Sprachgebrauch neben dem "Schwarzen Freitag" (1929) auch der "Schwarze Juni" als Redensart einbürgern?
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Peter Voß fragt Udo Di Fabio
19. Juni
Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio...
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© SWR/Krause-Burberg Video
Zu Frank Elstner soll einst der aus Wien stammende Fernsehmanager Helmut Thoma gesagt haben: "Färb dir die Hoarn". Sehen Sie die ganze Sendung (45 Min.)
Peter Voß fragt Frank Elstner
"Quote, Quote über alles?"
Wie misst man Erfolg von Unterhaltung im Fernsehen? Ist es die Quote, sind es die Kritiken? Ist es, dass die Menschen am nächsten Morgen darüber reden? Nach allen drei Kategorien ist die von Frank Elstner erfundene Sendung "Wetten dass ..." eine der erfolgreichsten. Lagerfeuerfernsehen für die ganze Familie.
Der Mann, der skandalfrei Quote machte
© dpa Lupe
TV-Moderator Dieter Thomas Heck (l.) und Frank Elstner 1976 in Saarbrücken.
Wie misst man Erfolg? Bei Menschen vielleicht an deren Zufriedenheit? Ihrem Einkommen? Ihrem sozialen Status? Der in sich ruhende Frank Elstner, Chef seiner eigen Firma, Träger des Verdienstkreuz am Bande, mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet und langjähriger Porschefahrer, kann man rundweg als sehr erfolgreich ansehen. Leichter als der Erfolg einer Person, lässt sich der einer Fernsehsendung messen, will man meinen: Pünktlich um 8.00 Uhr morgens flattern die TV-Quoten des vergangenen Tages auf die Schreibtische der Fernsehmacher wie Frank Elstner.

Bei den privaten Rundfunkbetreibern ist das so etwas wie das "Morgengebet": Die Quote entscheidet über Millionenumsätze, über Karrieren und Absetzungen. Wie viele Zuschauer eine Sendung gesehen haben, bestimmt den Werbeerlös: Bis zu 85.000 Euro werden für die einmalige Ausstrahlung einer 30sekündigen Werbung gezahlt, wenn die Quote gut ist. Deswegen fliegt fast jede Sendung aus dem Programm, die ihr "Quotenziel" nicht erreicht.


Eine Idee in einer schlaflosen Nacht
© dpa Lupe
Frank Elstner 1981 in Düsseldorf
Auch bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern gilt das manchmal: Man denke an den Abgang von Thomas Gottschalk in der als "Todeszone" titulierten Zeit vor der 20 Uhr Tagesschau. Wie man Quote macht, das weis Frank Elstner wie kaum ein anderer. Er erfand die erfolgreichste europäische Fernsehshow aller Zeiten, "Wetten dass …", und moderierte die ersten 39 Sendungen. Die Idee dazu sei ihm in einer schlaflosen Nacht gekommen, erzählt der heute 70-Jährige. Er sei nach dem Geistesblitz aus dem Bett gesprungen, habe eine Flasche Rotwein aufgemacht und angefangen, ein Konzept zu entwerfen. "Wetten dass …" versammelt nun sagenhafte 31 Jahre die Familie vor dem Fernseher, wie vor einem Lagerfeuer - 31 Jahre: eine Fernsehewigkeit. Doch nicht nur mit dieser Sendung hatte der Moderator und Produzent Erfolg.

"Elstners Sendungen braucht man nicht aufzuzählen. Er ist Garant für das Gelingen ohne Tamtam," schrieb die "Welt". Und deren Sonntagsausgabe versprach er kürzlich: "Ich schwöre Ihnen, "Wetten, dass..?" wird noch 20 Jahre funktionieren, wenn man es richtig macht. Kein Redakteur muss sich eine Wette einfallen lassen, die kommen alle von außen. Das Publikum in seiner Gesamtheit ist unerschöpflich in seiner Fantasie."


Quote gleich Erfolg? Unterhaltung mit Haltung?
© SWR/Krause-Burberg Lupe
Vor und hinter der Kamera zuhause
Der Altmeister weiß, dass gute Fernsehunterhaltung schwierig ist: "Ich hatte in meinem Leben viel mehr Niederlagen als Siege." Von den Shows und Sendungen, die er mit seiner eigenen Produktionsfirma konzipierte, ist nur noch "Wetten dass …" und "Menschen der Woche" (SWR) auf dem Sender. An Quizsendung wie "Tele-As" (ZDF), "Nase vorn" (ZDF) oder "Koffer Hoffer" (mit Karl Dall) und "First Love" (beide Tele 5) erinnert sich heute wahrscheinlich niemand mehr.

Doch stimmt die Formel des Unterhaltungsfernsehen 'Quote gleich Erfolg'? Elstner würde vehement verneinen, denn Unterhaltung habe etwas mit Haltung zu tun, mit Niveau: "Ich (…) bringe die Menschen mit etwas Amüsantem, Intelligentem zum Lachen." In der Branche wird Frank Elstner auch "der liebe Frank" genannt, weil er extrem einfühlsam und gutartig ist. Sein Blick gilt nicht der großen Prominenz, sondern den kleinen Leuten und deren Geschichten. Dabei ist er meist so zurückhaltend, dass man seinen Anwesenheit in einem Redaktionsbüro kaum bemerkt. Viele Seiner Kollegen wie zum Beispiel Thomas Gottschalk oder Dieter Thomas Heck sind oder waren wesentlich extrovertierter.


Ohne Abitur zum Rundfunk
© SWR/Krause-Burberg Lupe
Tim Maria Franz (Frank) Elstner
Sicherlich hat diese angenehme Art auch mit seinem nicht gradlinigen Lebensweg zu tun: Eine seiner ersten Niederlagen erlitt er auf einem erzbischöflichen Gymnasialkonvikt in Rastatt, dass er ohne Abitur und ohne theologischen Studienplatz verließ (was der weitere Werdegang der dortigen Abiturienten war). Seine beiden Eltern waren Schauspieler und so lag es nicht fern, auf der Bühne in Karlsruhe zu stehen und in der Hörspielabteilung des Südwestfunks mitzuarbeiten.

Als 21-Jähriger ging Elstner dann als Moderator zu RTL nach Luxemburg, wo Tim Maria Franz Elstner sich "Frank Elstner" nennen sollte. Es gab schon einen Sprecher namens Tom, was zu Verwechslungen mit "Tim" hätte führen können – so ist das Medienbusiness. Danach war sein Aufstieg kometenhaft, bis zum Direktor des deutschen RTL-Programms (1972). Die Stelle verließ er aber wieder, um mit einer eigenen und anderen Produktionsfirmen Fernsehen zu machen: anspruchsvolle Unterhaltung – Erkenntnisgewinn beim Zusehen nie ausgeschlossen. Das machen zu dürfen, was man liebt, das ist wahrer Erfolg.

Mehr verrät Elstner in seinem Buch, dass im Spätsommer erscheinen soll: "Wetten Spaß - Mein Leben, meine Gäste, meine Shows". Herder Verlag, 220 Seiten, ISBN 978-3-451-30647-1.


Sendedaten
Montag, 18. Juni 2012, 22.25 Uhr
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