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Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
20. November
Staatsschulden: Zement oder brüchiger Kitt?
Wird sich im Sprachgebrauch neben dem "Schwarzen Freitag" (1929) auch der "Schwarze Juni" als Redensart einbürgern?
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Peter Voß fragt Udo Di Fabio
19. Juni
Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio...
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© dpa Video
Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion --> Sehen Sie die ganze Sendung
Peter Voß fragt Karl Lauterbach
"Wie krank ist unser Gesundheitssystem?"
Er ist scharfzüngig, geistesgegenwertig und streitbar: Karl Lauterbach. Sein Markenzeichen ist die Fliege, unser Gesundheitssystem sein Steckenpferd. Und das ist in einem verheerenden Zustand, denn lange Jahre wurde es gemolken wie eine Kuh. Jetzt, wo das Geld knapper ist, tobt zwischen den verschiedenen Interessengruppen der Verteilungskampf.
Pharmaunternehmen, gesetzliche und private Krankenkassen, Apotheker, Ärzte und natürlich auch die Patienten - alle wollen "ihren" Anteil. Doch wie viel muss ein Gesundheitssystem leisten, damit es "gerecht" ist? Wie viel Vollversorgung ist nötig? Wie viel Eigenverantwortung überhaupt möglich? Ist das duale System in Deutschland noch auf der Höhe der Aufgaben?

Lauterbach kritisiert, dass sich eine ausgeprägte Zweiklassenmedizin entwickelt hat, die zwischen Privat- und Kassenpatienten unterscheidet und in der die Prävention von Krankheiten eine erschreckend geringe Rolle spielt. Sein 2009 veröffentlichtes Buch "Gesund im kranken System - Ein Wegweiser", beschäftigt sich intensiv mit dieser Problematik und zeigt auf, wie sich Patienten selbst helfen können. Einen Ansatz zur Verbesserung des Gesundheitssystems sieht Lauterbach unter anderem in einer "Bürgerversicherung", in der alle gemäß ihrem Einkommen einzahlen. Geringverdiener hätten so die Möglichkeit sich zu fairen Preisen zu versichern. Durch gleiche Rahmenbedingungen für alle Krankenkassen würden auch falsche Anreize beseitigt, und diese könnten sich so darum kümmern, die bestmögliche Versorgung für den jeweiligen Patienten zu gewährleisten.


Lauterbach kritisiert Zwei-Klassen-Staat
© dpa Lupe
Karl Lauterbach spricht am 23.09.2011 im Bundestag in Berlin zum Tagesordnungspunkt GKV-Versorgungsstrukturgesetz.
Doch nicht nur im Gesundheitssystem hakt es gewaltig - Lauterbach fordert insgesamt eine radikale Umkehr im Deutschen Staat: Privilegien, die von Politikern und Lobbys verteidigt werden, seien konsequent zu beschneiden. Gesundheits-, Renten- und Pflegesysteme müssten gerecht sein, und mehr Bildungschancen für die Ärmsten seien eine Notwendigkeit. Lauterbachs Buch "Der Zweiklassenstaat - Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren" wurde 2007 zum Bestseller. Der Rowohlt-Verlag beschreibt das Buch als eine "leidenschaftliche Streitschrift für soziale Gerechtigkeit". In ihm kritisiert Lauterbach, dass das Sozialsystem die Privilegierten fördere und Arme und Benachteiligte nicht effizient unterstütze. Soziale Ungerechtigkeit und Massenarbeitslosigkeit würden dadurch verstärkt, und Deutschland verkomme zu einem Zwei-Klassen-Staat.

Vita:
Karl Lauterbach wurde am 21. Februar 1963 in Düren geboren. Er studierte Medizin in Aachen, Texas (USA) und Düsseldorf, wo er seine Promotion zum Dr. med. abschloss. Danach folgte ein Studium der Epidemiologie und Gesundheitsökonomie (Health Policy and Management) an der Harvard Universität in Boston, USA, an der ebenfalls promovierte. Seit 1996 ist er Gastdozent an der Harvard School of Public Health in Boston.

1998 bis 2005 war Karl Lauterbach Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) der Universität zu Köln. 1999 bis 2005 saß er im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und seit 2003 ist er Mitglied der Kommission für die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme, auch „Rürup-Kommission“ genannt. Seit 2005 sitzt er für die SPD im Bundestag und ist seit 2009 Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Neben seinem Mandat ist er wissenschaftlicher Berater Universitätsklinikum Köln und Mitglied im Aufsichtsrat der Rhön-Kliniken AG.


Sendedaten
Montag, 16. April 2012, 22.25 Uhr
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