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© dpa Video
Michael Wolffsohn -> ganze Sendung sehen
Peter Voß fragt Michael Wolffsohn
"Zwischen allen Stühlen?"
Kann man als Jude stolz auf Deutschland sein? "Ja, natürlich," sagt der Historiker Michael Wolffsohn. Denn wenn Auschwitz die jüdische Identität bestimmen würde, dann würde diese durch die schlimmsten Verbrechen bestimmt, die dem jüdischen Volk angetan wurden. "Das kann es ja wohl nicht sein" - begründet der Professor der Münchner Bundeswehruniversität.
Ein Querdenker aus Leidenschaft
Wolffsohns Position des deutsch-jüdischen Patriots ist in den jüdischen Gemeinden nicht unumstritten. Viele denken, er gehe zu weit, und der Verstorbene Ignaz Bubis soll Wolffsohn sogar vorgeworfen haben, er sei der "Vorzeige-Jude der Rechtsradikalen". Wolffsohn lassen solche Schmähungen kalt, da er weiß, dass sie jeder Grundlage entbehren. Er ist konservativ in seinen Werten, doch das ist nicht der Grund für sein schwieriges Verhältnis zu den jüdischen Verbänden in Deutschland, sondern: Michael Wolffsohn ist ein Querdenker aus Leidenschaft. In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk hat er auf die Frage, ob ihm der Begriff "jüdischer Querdenker" gefalle, geantwortet: "Ich hatte immer Sympathien für Querdenker, egal ob sie jüdisch, christlich, buddhistisch oder was auch immer sind." Und trotz seines Querdenkertums ist er fest im Judentum verwurzelt, was viele die Anfeindungen an ihm abprallen lässt. Der 1947 in Tel Aviv geborenen Autor und Wissenschaftler diente von 1967 bis 1970 in der israelischen Armee. Israel sei die Lebensversicherung vieler Juden, betont Wolffsohn. Die Geschichte, wie Wolffsohn nach Deutschland kam, sagt viel über ihn aus.

Die Wolffsohns wurden um ihr Eigentum betrogen
Michael Wolffsohns Großvater väterlicherseits hatte in den 1920er Jahren einen der bedeutendsten deutschen Filmverlage gegründet und diesen 1935 verkaufen müssen, da die Nazis die Filmwirtschaft arisierten. Mit dem Kapital erwarb er Immobilien, welche kurze Zeit später enteignet wurde. 1949, kurz nach dem Krieg war der Großvater bereits wieder in Berlin, um das von den Nazis arisierte Eigentum zurückzubekommen. Er stellte fest, dass er von einer Koalition aus alten Nazis, Juden und französischen Besatzungsoffizieren, um sein Eigentum betrogen worden war. Als Unterstützung bat er seine Söhne nach Deutschland zu kommen und Michael Wolffsohns Vater half seinem Vater bei der Zurückerlangung, welche allerdings erst in den späten 1950er Jahren gelang.

Mörderisches Deutschland - liberales Deutschland
Von seinen Eltern bekam Michael Wolffsohn immer vermittelt, dass es zwei Deutschlands gäbe. Das eine schreckliche, mörderische, nationalsozialistische und ein anderes, aufgeschlossenes, liberales, menschliches, hilfsbereites. Deswegen ist er auch der Ansicht, dass trotz des Massenmords an den europäischen Juden es keine Gründe gäbe, die auf Dauer die Integration des Judentums in die deutsche Nachkriegsgesellschaft belasten müssten. Das soll nicht heißen, dass man die Shoa vergessen solle, sie würde immer wie ein Graben zwischen den Völkern liegen, doch seine und die Aufgabe der Deutschen und Juden sei es, Brücken zu bauen.

Selbst Erika Steinbach und dem Bund der Vertriebenen will er anscheinend eine Brücke bauen. Mit Hinweis auf den israelisch-palästinensischen Konflikt sagte er vor einigen Jahren: "Wenn alle Vertriebenen dieser Welt so dächten und handelten, wie die deutschen nach 1945, sähe die Welt besser und friedlicher aus." Mit solchen Äußerungen macht man sich wenig Freunde. "Ich bin ein komischer Jude", sagt Wolffsohn von sich selbst. "Ich habe Übung darin, zwischen allen Stühlen zu sitzen." Am Montag, 19. September 2011, 22.25 Uhr können sie eine Ausgabe der Sendung "Peter Voß fragt" mit Michael Wolffsohn sehen.


Literatur:
Michael Wolffsohn: Juden und Christen - ungleiche Geschwister.
Die Geschichte zweier Rivalen, Patmos 2008, 200 Seiten, 19,90 Euro.

Michael Wolffsohn: Wem gehört das Heilige Land?: Die Wurzeln des Streits zwischen Juden und Arabern. 304 Seiten, Piper Taschenbuch. ISBN-10: 349223495X, 10.95 Euro.


Sendedaten
Montag, 19. September 2011, 22.25 Uhr
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