Übersicht
Kalender
Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
20. November
Staatsschulden: Zement oder brüchiger Kitt?
Wird sich im Sprachgebrauch neben dem "Schwarzen Freitag" (1929) auch der "Schwarze Juni" als Redensart einbürgern?
Navigationselement
Peter Voß fragt Udo Di Fabio
19. Juni
Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio...
Navigationselement
© dpa/ Stephanie Pilick Video
Roland Jahn
Peter Voß fragt Roland Jahn
"Stasi und kein Ende?"
Während die Gauck-Behörde und die Birthler-Behörde in aller Munde war, hat die Jahn-Behörde noch keinen Eingang in den Wortschatz gefunden. Roland Jahn leitet sei dem 14. März 2011 die Stasi-Unterlagen-Behörde, die inoffiziell nach ihrem jeweiligen Chef benannt wird.
Stasi-Behörde beschäftigt ehemalige Spitzel
Roland Jahn ist genau wie seine Vorgänger im Amt des "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR" ehemaliger Bürgerrechtler und wurde von der Stasi aus der DDR ausgewiesenen. Seine Arbeit für die Bundesbehörde hatte er gleich mit einem Paukenschlag begonnen: Er wollte alle ehemaligen Stasimitarbeiter, die in der Behörde arbeiten entlassen. Die Tätigkeit dieser 47 Personen, die zumeist als Wachleute oder Boten arbeitet, war schon länger bekannt. Jahns Vorgänger Marianne Birthler und Joachim Gauck hatten sich damit arrangiert und genau da liegt das Problem. Ein Gutachten hält die Mitarbeiter nach deutschem Recht nicht für kündbar, da sich die Behörde mit der Spitzeltätigkeit arrangiert hatte. Dennoch empfindet der Chef die Beschäftigung dieser Personen als "unerträglich" und als "Schlag ins Gesicht" der Stasi-Opfer. Ist Jahn ein Eiferer, der sich über deutsches Arbeitsrecht stellen möchte, wie ihm einige Medien vorwerfen?


Ein leeres weißes Plakat sagt mehr als 1000 Worte
© Jens Kalaene dpa Lupe
Roland Jahn steht in Berlin auf dem Mauerstreifen
Roland Jahn ist von je her ein streitbarer Geist, sein Engagement gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann kostete ihn sein Studium. Nach seiner Exmatrikulation ging er mit einem leeren weißen Plakat zur 1.-Mai-Demonstration, um gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit zu protestieren. Wieder am 1. Mai 1982 stellte er sich, eine Gesichtshälfte als Hitler und die andere als Stalin geschminkt, neben die Tribüne der Staats- und Parteifunktionäre in Jena, die die Parade abnahmen. Am 1. September 1982 wurde Jahn verhaftet. Der "Grund" war eine Flagge mit dem Schriftzug der polnischen Gewerkschaft "Solidarnosc" an seinem Fahrrad. 1983 wurde er zu 22 Monaten Freiheitsstrafe u. a. wegen "Herabwürdigung des Staates" verurteilt. 1983 verschleppt die Stasi ihn in die Bundesrepublik. Das Thema "DDR" und "Stasi" lies ihn aber auch bei seinen Tätigkeiten als Journalist und Zeithistoriker nicht los.

Der Roland Jahn ist kein schäumender Eiferer: Er ist sich nur treu geblieben. Die Zeit kann nicht alle Wunden heilen - das soll sie auch nicht. Jahn ist ein Bürgerrechtler und er bleibt es; auch in seiner neuen Funktion und weiterhin ohne dabei pragmatisch zu werden. Die Diskussionen um die vorbelasteten Mitarbeiter ist für Jahn keine Kleinigkeit, sondern eine Frage der Haltung. Bei so viel Rückgrat ist es nicht verwunderlich, dass seine Ernennung zum Beauftragten für die Stasi von allen Parteien begrüßt wurde.

Vielleicht gibt es sogar einen arbeitsrechtlichen Kniff für Jahn. Wenn die Behörde ihre Tätigkeit nicht mehr wahrnehmen könnte, dann könnte sie den belasteten Mitarbeitern kündigen. Die Behörde hat ja bekanntlich den Auftrag, den früheren Opfern den Zugang zu ihren Akten zu ermöglichen. Sollte sich aber "eine relevante Zahl ehemals politisch Verfolgter und Benachteiligter" weigern von ehemaligen Stasi-Leuten helfen zu lassen, dann hat Jahn einen Handlungsspielraum - so steht es in dem Gutachten. Er könnte dann die Mitarbeiter versetzen oder durch den öffentlichen Druck entlassen, um "die Glaubwürdigkeit der Behörde wiederherzustellen und auf Dauer zu erhalten". Mal sehen, ob die Opfer der Stasi-Willkür diesem Plan Folge leisten - Bürgerrechtler sind unberechenbar und lassen sich nicht gerne von einer Behörde instrumentalisieren.


50 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 diskutiert Peter Voß in der kommenden Ausgabe von "Peter Voß fragt..." am Montag, 15. August, 22.35 Uhr, mit Roland Jahn über seine neue Aufgabe und das Leben in der ehemaligen DDR.

Sendedaten
Montag, 15. August 2011, 22.35 Uhr
Info
Eine Hörfunkfassung wird am 16.08.2011 um 22.15 Uhr auf SWRcont.ra ausgestrahlt.
Links
mehr zum Thema