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Peter Voß fragt ...
10. April
Mohammed - Ende eines Tabus?
Hamed Abdel-Samad polarisiert die Öffentlichkeit mit seinen islamkritischen Thesen. In seinem jüngsten Buch rechnet er schonungslos mit dem Propheten Mohammed ab und fordert auf, ihn als Mensch in seinem historischen Kontext zu betrachten.
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Jörg Baberowski
14. Dezember
Gewalt - und kein Ende?
Warum tun Menschen einander Gewalt an? Laut Jörg Baberowski ist diese Frage ganz einfach zu beantworten: Weil sie es können. Der Mensch sei zur Empathie genauso fähig, wie zur Gewalt.
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© Robert Schlesinger dpa/lbn Video
Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, in einem Sitzungsaal. Im Hintergrund hängt ein Bild des Berliner Lokalpolitikers Hermann Boddin. Sehen Sie die ganze Sendung -->
Peter Voß fragt Heinz Buschkowsky
Integration - eine Illusion?
Seine Sätze kommen daher wie die eines politischen Scharfmachers: "Multikulti ist gescheitert", sagt er und spricht von Integrationsverweigerern und Kopftuchgeschwadern. Heinz Buschkowsky ist der Bürgermeister von Neukölln, einem Stadtteil Berlins mit einem Ausländeranteil von fast 40 Prozent. Doch der SPD-Mann ist alles andere als ein politischer Hardliner.
An der Grenze der politischen Korrektheit
Neukölln hat 307.000 Einwohner, fast ein Drittel davon lebt von Transferleistungen wie Harz IV, 39 Prozent sind Migranten, in Neukölln-Nord beträgt ihr Anteil 55 Prozent. Dort soll es in den Grundschulen ganze Klassen geben, in denen keine deutschstämmigen Schüler sitzten. Hier in Neukölln ist Heinz Buschkowsky der Bezirksbürgermeister, einer der inzwischen bundesweit bekannt ist. Manche denken von ihm, er sei ein harter Hund. Soviel sei vorweggenommen, er ist es nicht, sondern eher ein liebenswerter Mann mit Humor und dem Herz am rechten Fleck.

Entgegen den vielen Integrationsexperten ist Buschkowsky ein Mann an der Basis - ein Mann, der die Probleme aus erster Hand kennt, der anpackt und nicht Statistiken und bedrucktes Papier wälzt. Es macht eben einen Unterschied, wer etwas sagt: Wenn Buschkowsky Missstände provokant anprangert und von einer Parallelgesellschaft redet, nicken fast alle mit dem Kopf. Käme ein Satz mit dem Wort "Kopftuchgeschwader" aus dem Mund eines Thilo Sarrazins oder eines Jörg Schönbohm, dann würde man laut aufheulen. Woran liegt das?


Seine Kopftuchgeschwader helfen in Neukölln
© Robert Schlesinger/dpa Lupe
Heinz Buschkowsky überreicht 2010 der türkischstämmigen Manar Abdul Ghani die Qualifizierungsurkunde zur Stadtteilmutter.
Es ist die direkte, bestimmte, aber immer wohlwollend-freundliche Art von Buschkowsky. "Sein Kopftuchgeschwader", das sind 200 türkische und arabische "Stadtteilmütter", die Einwandererfamilien beim Schulsystem, den Behördengängen, gesunder Ernährung und gewaltfreier Erziehung helfen sollen. Eine Idee Buschkowskys, wie man einen Kontakt zu schwierigen Familien aufbauen und halten kann. Er ist stolz auf die Frauen, mehrheitlich mit einem Kopftuch, und pflegt liebevoll den Kontakt zu ihnen – auf Augenhöhe und nicht von oben herab.

Seine Analyse der Verhältnisse mit den verschiedenen kulturellen Milieus in Neukölln ist sachlich: Er sieht durchaus, dass Migranten in ihrer eigenen Welt leben, doch er qualifiziert nie und quantifiziert das Problem nur selten und dann auch vorsichtig: "Ich nenne das (Phänomen) Parallelgesellschaft, weil diese Menschen eigene Normen haben, nach denen sie leben und die jeder zu respektieren hat. Das sind aber die Normen ihrer Heimat, ihres Dorfes oder ihrer Sippe und nicht die des mitteleuropäischen Staatsgebildes Bundesrepublik Deutschland." Und jeder Analyse folgt die Tat.


Die SPD ist unverkennbar seine politische Heimat
Bei allen Ausländerdebatten betont er, dass es vor allem eine Frage der sozialen Schichtung eines Stadtteils ist und weniger eine Frage der Herkunft. Die SPD ins eben unverkennbar seine politische Heimat. Der Ausweg ist für Migranten und Deutsche gleichermaßen die Bildung, so Buschkowsky. Lieber investiert er in Ganztagsschulen und vorschulische Erziehung, als in Gefängnisplätze für Jugendliche oder mehr Polizei. Dort wo Konsequenz gefragt ist, das zeigt er sie auch in der Forderung nach Busgeldern für die Eltern von Schulschwänzern oder einem Wachdienst für die Rütli-Schule.

Heinz Buschkowsky liebt sein Neukölln. Er wurde hier vor 61 Jahren geboren und er liebt es auch, so wie es heute ist – das spürt man. Auch wenn er einst Multikulti für gescheitert erklärte, so hat man den Verdacht er versuche unermüdlich und mit extremen Einsatz Multikulti wieder zum Laufen zu bringen – was ihm in Neukölln auch teilweise gelingt. Diese Einstellung unterscheidet ihn von vielen anderen selbst ernannten Integrationsexperten, die so gerne Klartext reden. Für manche scheint "Multikulti" nur ein Schreckensszenario zu sein. Sarrazins Äußerung zur genetischen Prädisposition von Migranten hält Buschkowsky für "suboptimal". Er bewegt sich oft verbal an der Grenze der political correctness, ist aber in der Sache immer auf Seiten der Schwächeren.

Buschkowsky hat viel bewegt und in Berlin geht ein Gerücht um: Nach dem Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg wird Neukölln der neue Inn-Stadtteil.


Vita:
Heinz Buschkowsky, 63, erhielt in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing unlängst den "Hildegard-Hamm-Brücher-Förderpreis für Demokratie lernen und erfahren". Buschkowsky kommt aus "kleinen" Verhältnissen. Er ist der Sonh eines Schlossers und einer aus Schlesien stammenden Sekretärin. Er machte eine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt und arbeitete ab 1973 in mehreren Senatsbehörden. Für die SPD war er zunächst ehrenamtlich in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) tätig. 1979 wurde er zum BVV-Mitglied gewählt, 1985 zum Fraktionsvorsitzenden der SPD in der BVV Neukölln. Seit dem 1. Dezember 2001 ist er Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln und Leiter der Abteilung Finanzen, Wirtschaft und Sport.

Sendedaten
Montag, 18. Juli 2011, 22.25 Uhr
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