Das Mantra des "Wirtschaftswachstums als Grundlage für Arbeitsplätze, Wohlstand und politische Handlungsfähigkeit" greift Biedenkopf scharf an: Weiteres Wachstum sei nur schwer möglich und ökologisch bedenklich. Das Wachstum müsse durch immer höhere Staatsverschuldung erkauft werden, so Biedenkopf. Diese sind neue Töne aus der CDU, denen aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel Beachtung schenkt: "Wir müssen lernen, den Wachstumsbegriff neu zu definieren", so Merkel unlängst. Biedenkopf formuliert drastischer: Wirtschaftliches Wachstum sei zur Bedingung für eine Wirtschafts- und Finanzpolitik geworden und nicht ihr Ziel.
Doch ob die Forderung nach Beschränkung durchsetzbar ist, bleibt abzuwarten. Wachstum bedeutet gemeinhin, dass der Kuchen, den es zu verteilen gilt, immer größer wird, wie auch die Stücke, die jeder bekommt. Wird das Tortenstück des Einzelnen jedes Jahr größer, macht das zufrieden. Bleibt der Kuchen gleichgroß, ist Neid und Verteilungskampf die Folge. Wachstum ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft wichtig. Mehr zu haben ist eine Triebfeder der Marktwirtschaft. Mäßigung meint immer nur die Anderen.