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© dpa Video
Michael Degen ->>
Peter Voß fragt Michael Degen
"Thomas Mann und die Seinen - kann man die mögen?"
Schauspieler und Charakterdarsteller Michael Degen ist in vielen Rollen zuhause. 1999 überraschte er die Öffentlichkeit mit seinem biographischen Buch: "Nicht alle waren Mörder". Seine neueste Veröffentlichung heißt "Familienbande" und dreht sich um das Schicksal von Michael Mann, dem hochbegabten Kind von Thomas Mann, das im Schatten eines übermächtigen Vaters aufwächst.
Michael Mann wollte nicht alt werden
Die Familienbande sind die stärksten Bande. Doch was passieren kann wen die Bande nur einengen und nicht unterstützen, das zeichnet Michael Degen in seinem neuen Buch nach. In dessen Zentrum steht die tragische Geschichte von Michael Mann, dem jüngsten Sohn von Thomas Mann. Es ist eine Vater-Sohn-Geschichte mit tragischem Ausgang: Michael verübte 1977 in Kalifornien Selbstmord. Als seine Mutter dieses hört, soll sie gesagt haben: "Er wollte eh nicht alt werden". Dieses distanzierte Verhältnis der Mutter zu ihrem Sohn trifft in einem noch stärkeren Maß auf den Vater zu.

"Ein scheußlich aussehendes Stück Mensch"
In seinen Tagebüchern beschreibt Thomas Manns detailliert, wie wenig ihn sein sechstes Kind emotional berührt. Zuerst wollte er seine Frau dazu überreden das Kind abzutreiben, dann, als es auf der Welt ist, lässt er keine Nähe zu, beschreibt ihn als "ein scheußlich aussehendes Stück Mensch". Vaterliebe sieht wahrlich anders aus. Michael Mann ist sein ganzes Leben bestrebt, seinem Vater zu gefallen, und kann sich doch keine Anerkennung verschaffen. Degen schafft es, die Mannschen Grausamkeiten und den Kosmos dieser Familie lebhaft nachzuerzählen.

© dpa Lupe
Michael Degen als Robert Schuster im September 2010 in Wien während einer Probe des Stückes "Heldenplatz"
Degen verwendet konsequent die Spitznamen, mit denen sich die Mitglieder der Großfamilie anreden, und beschreibt Situationen, die zwar nicht historisch verbürgt sind, sich aber genauso abspielt haben können: Schon kurz nach der Geburt ist Michael, genannt "Bibi", ein Störenfried in dem sehr reglementierten Hause Mann. Sein Schreien lässt den Vater sogar zu einem Bekannten ziehen. Als die Mutter herausfindet, dass eine Figur des gekreuzigten Heilands das Kind verängstigt und es entehrt, gerät Thomas Mann in Rage: Lieber akzeptiert er das Schreien, als ein Baby, das ohne Kruzifix aufwächst.

Die tragische Rolle zu seinem Vater vererbte Michael Mann an seinen Sohn Frido weiter. Dieser wuchs zeitweise bei seinen Großeltern auf und bekam von ihm die Liebe, die Michael Mann selbst nie erfuhr. Sogar in die Beziehung Michaels zu seinem Sohn ragt der übermächtige Thomas Mann hinein.


Michael Degen ist ein großer Fan von Thomas Mann, und er hat im - im übertragenen Sinne - viel zu verdanken: 1978 kam für Degen mit der Verfilmung der Buddenbrooks der endgültige Durchbruch als Schauspieler. Doch schon viel früher lernte Degen die literarischen Qualitäten des bekanntesten deutschen Schriftstellers nach Goethe kennen: Als er sich während der letzten zwei Kriegsjahre mit seiner Mutter vor den Nazis im Untergrund verstecken musste, hatte er einen befreundeten Lehrer, der ihn mit Literatur versorgte. So lernte er mit 15 Jahren die Welt des "Zauberbergs" und andere Bücher kennen.


Vita:
Michael Degen wurde am 31. Januar 1932 als Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater starb 1940, nachdem er von den Nationalsozialisten schwer misshandelt wurde, Degen und seine Mutter überlebten. Nach dem Krieg begann seine Karriere als Schauspieler.

Sendedaten
Montag, 18. April 2011, 22.25 Uhr

Eine Hörfunkfassung läuft am Samstag, 23. April, 11.05 - 11.50 Uhr auf SWR.contra

Sendung Januar 2007
Peter Voß im Gespräch mit Michael Degen
"Wie viel Erinnerung verträgt der Mensch, Herr Degen?“
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