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Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
20. November
Staatsschulden: Zement oder brüchiger Kitt?
Wird sich im Sprachgebrauch neben dem "Schwarzen Freitag" (1929) auch der "Schwarze Juni" als Redensart einbürgern?
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Peter Voß fragt Udo Di Fabio
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Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio...
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© dpa Video
Joachim Gauck in Wiesbaden [Sendung ansehen ->]
Peter Voß fragt Joachim Gauck
Auf einer Welle der Sympathie wurde Joachim Gauck, der "Kandidat der Herzen", zur Abstimmung für das Amt des Bundespräsidenten getragen. Doch der evangelische Pastor und ehemalige Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde konnte sich nicht gegen Christian Wulff durchsetzen, der alle Wahlmänner der Koalition von CDU und FDP hinter sich brachte.
Gauck als Inkarnation des Bürgertums
Die Linke wollte ihn nicht: Sie konnte ihre - aus dem DDR-Totalitarismus stammenden - Wurzeln nicht vergessen. Zu tief sitzt bei der ehemaligen PDS das Freund-Feind-Bild. Joachim Gauck heißt der Feind - heute wie vor 40 Jahren. Früher hetzte man ihm die Stasi auf den Hals, heute akzeptiert man eher einen CDU-Kandidaten, als einen ehemaligen DDR-Oppositionellen (selbst wenn die Linke ihn gewählt hätte, wäre er nicht Bundespräsident geworden). Dabei könnte auch ein Unterlegenheitsgefühl vieler PDSler eine Rolle gespielt haben. Es ist Joachim Gauck, dem die Geschichte recht gegeben hat und nicht der SED. Gauck hat gewonnen: Er ist ein gefragter und eloquenter Redner, eine Inkarnation des Bürgertums. Er besitzt Status und Einfluss. Die meisten ehemaligen PDSler gehören mit ihrer "Es-war-doch-nicht-alles-Schlecht"-Mentalität zu den Verlierern der Deutschen Einheit. Die ehemaligen PDS-Funktionäre hocken trübsinnig in ihren Edelplattenbauten auf der Fischerinsel in Berlin und schimpfen auf alles.

Verschwinden des Vaters prägte sein Leben
© dpa Lupe
Gaucks antikommunistischer Lebensweg begann im Juni 1951, als sein Vater von den Russen wegen des Vorwurfs der Spionage verhaftet und nach Sibirien verschleppt wurde. Nachforschungen der Familie über das Verbleiben des Vaters verliefen im Sande. Das Schicksal des Vaters prägte den zwölfjährigen Joachim. Die Familie machte sich nicht mit dem politischen System der DDR gemein und aus Loyalität dem verschwundenen Vater unterblieb jeder Kontakt zum Staats- oder Parteiapparat.

Im Sommer 1955 kehrte der Vater aus Sibirien zurück und 1958 fing Gauck an, Theologie in Rostock zu studieren. Viele Regimegegner, die Abitur machen durften, gingen diesen Weg, denn die theologischen Fakultäten in der DDR waren weitgehend frei vom Einfluss der SED und boten auch im kritischen Umgang mit dem System einen Freiraum. Nach seiner Ordination 1965 arbeitete Gauck für die Evangelische Landeskirche Mecklenburgs und knüpfte Kontakte zu weiteren Regimegegnern.


Gegen das Vergessen und für die Aufarbeitung
Gleich eine ganze Reihe von Spitzeln setzte das MfS auf Gauck an, doch zu einer Verhaftung kam es nie. Während der Wende avancierte Gauck zum Sprecher des "Neuen Forums" in Rostock und wurde 1990 Abgeordneter der Volkskammer. Der Hass, der Gauck von den ostdeutschen Linken entgegenschlägt, ist auch in den Bemühungen Gaucks, die Unterlagen der Staatssicherheit vor der Vernichtung zu bewahren, begründet. Vom DDR-Sonderbeauftragten wurde er nahtlos zum Beauftragten des Bundestages für die Stasi-Unterlagen berufen und dann zum Chef der zeitweise nach ihm benannten Behörde. Gauck steht gegen das Vergessen und für die Aufarbeitung des SED-Unrechts.

Dass die Linke es nicht vermocht hat, Gaucks zu unterstützen, heißt, sie hat noch nicht mir ihrer Vergangenheit gebrochen. In diesem Kontext ist es (ironischerweise) als positiv zu bewerten, dass die Linke sich so eine bundespolitische Zusammenarbeit mit der SPD auf längere Zeit verstellt haben dürfte. Nach dem Streit um die Präsidentenwahl ist ihr Verhältnis noch schlechter geworden und Rot-Rot-Grün wohl keine denkbare Option mehr.


Sendedaten
Montag, 21. Februar 2011, 22.25 Uhr
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