

Der Autor Madeja gibt im Nachwort seine Antwort: Es sei wichtig zu verstehen, dass auch die Neurowissenschaft nur mit Wasser koche und manche Hirnfunktion, entkleidet vom Korsett der Fachbegriffe, eher banal sei. Dieses klingt etwas vermessen, genau wie der Versuch, über das Gehirn - das komplizierteste System, dass wir kennen - ein "kleines" Buch zu schreiben. Madeja hat es dennoch versucht und es ist ihm gelungen, ein überaus verständliches Werk über etwas extrem Komplexes zu verfassen.
Madeja und sein "kleines Buch vom Gehirn" erklärt auch, wie eine Nervenzelle arbeitet: Sie "gleicht (der Arbeit eines) Bankkundenberaters, der von vielen Personen Information über Anlagemöglichkeiten bekommt und dann das Resultat seiner Überlegungen als Anlageempfehlung an seine Kunden weitergibt." Viele solche verblüffende Vergleiche finden sich in dem 200 Seiten starken Büchlein. So wird der Natrium- und Kaliumaustausch der Nervenzelle mit durstigen Biertrinkern auf dem Oktoberfest verglichen. Noch erstaunlicher ist, die Leser stolpern nicht über ein einziges Fremdwort aus der Neurowissenschaft. Diese stehen alle in einem nachgestellten Anmerkungsteil und sind an den Stellen, an denen sie eigentlich vorkommen müssten, mit Fußnoten vermerkt. Das hat den Vorteil, dass man im Lesefluss nicht gestört wird und nur wenn einen der Fachbegriff interessiert, kann man ihn nachschlagen.
Sicherlich tut man beiden genannten Autoren unrecht, wenn man ihre Werke in einen Topf werfen wollte, denn Roths Fachbuch ist eher für angehende Neurobiologen geschrieben, während Madeya sich an Leser wendet, die sich bisher wenig mit dem Thema beschäftigt haben.
Noch einmal zur Frage, warum Madejas populärwissenschaftliches Buch lesenswert ist: Es beschert uns Kompetenz auf einem schwierigen Gebiet, auf dem sich in naher Zukunft entscheidende etische Fragen stellen werden. Medeja ist überzeugt, dass die Wissenschaft schon die meisten Zusammenhänge erkannt habe. Wen dem so ist, könnte es vielleicht bald einen Apparat geben, mit dem sich Gedanken lesen lassen. Spätestens dann muss sich jeder eine Meinung gebildet haben, wann diese Technik angewendet werden sollte (Strafverfahren), ob er die Technik befürwortet oder ablehnt. Die Neurowissenschaft postuliert, dass die gesellschaftliche Natur des Menschen sich aus seiner neurobiologischen Natur ergibt und nicht umgekehrt. Diese Meinung hat sich in den letzen Jahren weitgehend durchgesetzt und wird in der Zukunft unser Zusammenleben bestimmen. Machen wir uns also schlau.