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© dpa Lupe

Peter Voß fragt Hans Magnus Enzensberger
Eine Extraausgabe
Gegen die Bezeichnungen "Chefinterlektueller der Nation" oder "Chefideologe" hat er sich immer gewehrt. Bescheidenheit ist sein Credo. Die vielen Interviewanfragen zu seinem 80. Geburtstag kommentiert er wie folgt: "Ich halte nichts von Geburtstagen".
Obwohl er sich bescheiden gibt, stürzen sich die Medien zu seinem 80. Geburtstag auf Enzensberger. Dieser wehrt sich, indem er behauptet, "der Kalender sei etwas für Journalisten ohne Ideen". Wie prompt die Medien auf solche Daten starren, sei verwunderlich, so der Lyriker weiter. Die Kritik an den Medien und ihren Mechanismen ist eine der Kernkompetenzen des Analytikers. Aber er ist auch ein Teil dieses Medienzirkus - bedient sich der Medien, um vielseitige Themen oder Meinungen geschickt zu lancieren.

Unsterblichkeit ist ihm gewiss
Seine Bescheidenheit ehrt Enzensberger, dennoch ist ihm Ruhm und Unsterblichkeit - nicht nur durch sein literarisches Werk - gewiss: "Enzensberger" ist seit 2006 auch ein Polynom 6ten Grades mit der Formel 400(x2y2 + y2z2 + x2z2) − (1 − x2 − y2 − z2)3 = 0. Welcher Dichter und Schriftsteller kann schon behaupten, dass sein Name auf ewig Verwendung finden würde. Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung hat Enzensbergers Engagement um die Mathematik mit der Benennung des Polynom gewürdigt. Diese Auszeichnung ist bei weitem nicht die einzige, doch vielleicht die dauerhafteste. Eigentlich sind Namensgebungen ehrenhalber in dieser Disziplin nicht üblich.

Enzensberges Vielseitigkeit ist sein Kennzeichen. Es scheint, als wolle er Humboldt, dem "letzten Universalgelehrten", nacheifern. Doch der bescheidene Autor weist das weit von sich. Er habe nur immer das gemacht, woran er Spaß hätte, versichert er. Geboren ist er in einer Zeit, in der fast niemand machen durfte, was er wollte, stellt Hans Magnus Enzensberger kurz vor seinem 80. Geburtstag fest. Die Jugend verbrachte der 1929 zur Welt gekommene Sohn eines Oberpostdirektors teilweise im 3. Reich und - was er als persönliche Befreiung empfand - in der amerikanischen Besatzungszone.


Kritiker der "linken Gemütlichkeit"
Enzensberger zählt zu den größten lebenden Lyrikern und Essayisten. Sein Werk hat die deutsche Literatur seit den 60er Jahren mitgeprägt. Er war Mitglied der legendären Gruppe 47 und wurde in den 60er Jahren zu einem der Wortführer der Studentenbewegung und der linken Intelligenz. Später wurde er zu den schärfsten Kritikern der "linken Gemütlichkeit", wie die FAZ schrieb. Neben Günter Grass und Jürgen Habermas gehört er zu den deutschen Intellektuellen, deren Meinung auch außerhalb Deutschlands von Bedeutung ist. Enzensberger wurde am 11. November 1929 in Kaufbeuren im Allgäu geboren und verbrachte seine Kindheit in Nürnberg. Er studierte Germanistik und Philosophie, war zeitweise Rundfunkredakteur und Lektor. Nach einem Aufenthalt in Norwegen, einer Gastdozentur in den USA (Connecticut), einem anschließender Kubaaufenthalt und einer längeren Zeit in Berlin, ist seit 1980 München seine Heimat.

Am 9. November, zwei Tagen vor Enzensbergers Geburtstag, senden wir eine Extraausgabe von "Peter Voß fragt ...". In dem 180-minütigen Gespräch lässt Peter Voß das Leben von Hans Magnus Enzensberger mit seinen intellektuellen Wechselbädern Revue passieren. Zudem befragt er den bedeutenden deutschen Schriftsteller zu brennenden Themen der Gegenwart. Zahlreiche Ausschnitte aus Dokumentationen über Enzensberger, aus früheren Interviews sowie Fotomaterial illustrieren das Gespräch.


Literatur:
Hans Magnus Enzensberger (2009): "Scharmützel und Scholien - Über Literatur. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 911 S., 25 Euro, ISBN 978-3-518-42120-8

Hans Magnus Enzensberger, Uwe Johnson (2009): fuer Zwecke der brutalen Verstaendigung". Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 342 S., 26,80 Euro, ISBN 978-3-518-42100-0

Hans Magnus Enzensberger (2009): Fortuna und Kalkül - Zwei mathematische Belustigungen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 71 Seiten, 10,00 Euro, ISBN: 978-3-518-26022-7


Sendedaten
Montag, 9. November 2009, 22.25 Uhr

Eine Hörfunkversion sendet swr.conta am 22.12.09, 22.25 Uhr

Archiv:
Peter Voß im Gespräch
mit Hans Magnus Enzensberger: "Warum ist Angst keine Weltanschauung, Herr Enzensberger?" (Februar 2007)
Links
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