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Peter Voß fragt ...
19. Juni
Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio. Der Grund: Der Westen verliert seine Identität.
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Denis Scheck
15. Februar
Peter Voß fragt Denis Scheck
Für Bücher, die ihm nicht gefallen, findet er deutliche Worte. Entzückt spricht er von Lektüre, die er gut findet: Scheck ist einer der wichtigsten Köpfe des Literaturbetriebes.
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© dpa Lupe
Liedermacher Wolf Biermann auf der Ausstellung "Friedliche Revolution 1989/90" in Berlin
Peter Voß fragt...
eine Extraausgabe mit Wolf Biermann
Wolf Biermann ist der bedeutendste deutschsprachige Liedermacher der Gegenwart. Sein Leben ist ein deutsch-deutsches Leben, er wurde in Ost- wie in Westdeutschland zu einer wichtigen Symbolfigur. Zum 20. Jahrestag seines legendären Leipziger Konzerts am 1. Dezember - dem ersten in der damaligen DDR seit seiner Ausbürgerung 1976 - führt Peter Voß ein Gespräch mit dem unangepassten Musiker und Schriftsteller.
Wie wenige Künstler seiner Zeit hat Biermann die deutsche Geschichte geprägt und wurde zugleich selbst von ihr beeinflusst. Seine persönliche Geschichte ist so eng mit der deutsch-deutschen Geschichte verbunden wie bei kaum einem anderen. Biermann macht immer wieder durch seine scharfzüngigen Essays von sich reden, mit denen er sich provokant in die Tagespolitik einmischt. Sein Scharfsinn, seine Wortgewalt und seine Poesie heben den "Troubadour der deutschen Zerrissenheit" (SZ, 2.10.1987) von vielen anderen deutschen Liedermachern ab. Trotz aller Veränderungen ist er sich treu geblieben, weil er immer unabhängig geblieben ist.

Radikaler Kritiker der Parteidiktatur
Die Eltern des 1936 in Hamburg geborenen Dichters und Liedermachers waren Arbeiter und im kommunistischen Widerstand organisiert. Biermanns Vater war jüdischer Herkunft und wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Mit seiner Mutter entkam er im Juli des selben Jahres dem alliierten Bombardement. Zehn Jahre später siedelte der damals 17jährige Biermann in die Deutsche Demokratische Republik über und nahm die DDR-Staatsbürgerschaft an.

Anfangs voll und ganz vom Kommunismus überzeugt, wurde er später zum radikalen Kritiker der Parteidiktatur. Da er weder in seinen Schriften, noch bei seinen Auftritten ein Blatt vor den Mund nahm, erhielt er von den DDR-Behörden 1965 schließlich ein gänzliches Auftritts-, Publikations- und Ausreiseverbot. Erst elf Jahre später durfte er wieder auftreten. Doch Biermann gelang es mehrmals, über Besucher Tonbänder in den Westen schmuggeln zu lassen, die dort als Schallplatten veröffentlicht wurden. Über die Veröffentlichungen Biermanns während dieser Zeit schrieb der Tagesspiegel am 14.11.2001: "Alles war gegen den satten Wohlstandskapitalismus der Bundesrepublik gerichtet, aber gleichzeitig auch gegen die spießigen Stalinisten im Osten, und diese Mischung war genau das, wonach man sich im Westen sehnte."


Nach Konzert folgt Zwangsausbürgerung
Lupe
Biermann bei der Vorstellung seines Gedichtbands "Berlin, du deutsche deutsche Frau" in der Sendung "Literatur im Foyer", April 2009
Der Westen wurde für Biermann 1976 gezwungener Maßen zu seiner neuen Heimat, nachdem die SED ein Konzert in Köln als Vorwand nahm, ihn wegen "grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten" auszubürgern. Dies Maßnahme, die sogar gegen alle Rechtsnormen der DDR verstieß, löste einen Proteststurm in Ost und West aus. Zahlreiche namhafte DDR-Schriftsteller und -Künstler solidarisierten sich mit ihm und formulierten einen offenen Brief an die DDR-Führung. Die folgenden Repressalien ließen viele von ihnen in der Folgezeit das Land verlassen, darunter auch Schauspieler wie Eva-Maria Hagen und Manfred Krug.

Wolf Biermann setzte seine Künstlerkarriere im Westen fort. Er rechnete immer wieder mit der DDR ab und hielt doch an seiner sozialistischen Einstellung fest. Erst am 1. Dezember 1989 durfte der Liedermacher zu einem Konzert in den Leipziger Messehallen wieder in die DDR einreisen. Die lag damals freilich schon in den letzten Zügen. In den 1990er Jahren machte Biermann als kritischer "Beschreiber deutscher Zustände" von sich reden, veröffentlichte Kurzprosa und ging auf Tournee. Neben zahlreicher Preise für sein musikalisches und schriftstellerisches Werk erhielt Wolf Biermann 2006 das Große Bundesverdienstkreuz und 2007 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Berlin.


Dreistündige Extraausgabe von "Peter Voß fragt..."
Das Gespräch mit Peter Voß gibt Einblick in ein spannendes, wechselvolles Leben und zieht zwei Jahrzehnte nach Öffnung der Mauer zugleich eine vorläufige Bilanz. Offen, nachdenklich, aber meinungsstark wie immer, erzählt er von seinem wechselreichen Leben, von seinen Irrtümern, aber auch davon, "was gut war und klar war." Zahlreiche Ausschnitte aus Dokumentationen über Wolf Biermann und Konzertmitschnitte mit dem Künstler ergänzen die 180 Minuten lange Extraausgabe von "Peter Voß fragt...", die Sie am Montag, 12. Oktober 2009 von 22.25 Uhr an sehen können.

Direkt im Anschluss, um 1.25 Uhr, zeigen wir mit "Im Konzert - Wolf Biermann in Leipzig" das Konzert aus der Messehalle Leipzig vom 1. Dezember 1989.


Sendedaten
Montag, 12. Oktober 2009, 22.25 Uhr
Sendung zum Thema
Im Anschluss, um 1.25 Uhr, zeigen wir "Im Konzert - Wolf Biermann in Leipzig" von 1989.
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