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Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
20. November
Staatsschulden: Zement oder brüchiger Kitt?
Wird sich im Sprachgebrauch neben dem "Schwarzen Freitag" (1929) auch der "Schwarze Juni" als Redensart einbürgern?
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Peter Voß fragt Udo Di Fabio
19. Juni
Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio...
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© dpa Video
Thea Dorn. Sehen Sie die ganze Sendung in der Mediathek (45 Min.)
Peter Voß im Gespräch mit Thea Dorn
Ewig jung - Sehnsucht oder Alptraum?
Thea Dorn ist eine starke Frau. "Thea" ist die weibliche Version von "Theós", also "Gott", und der Nachname klingt nicht einlullend harmonisch: "Dorn", wie Stachel, spitz, gefährlich. Der Name "Thea Dorn" passt einfach zu ihr, "Christiane Scherer" eher nicht: Sie ist ungeduldig, stets pointiert, messerscharf intelligent, meinungsfreudig, manchmal aggressiv und niemals dumpf. Thea Dorn ist Moderatorin, Autorin, Dramaturgin am Theater und man könnte meinen, auch manchmal Dramaturgin ihrer Selbst.
Als Christiane Scherer wuchs sie in Offenbach am Main auf. Unter dem Pseudonym schreibt sie Krimis, Theaterstücke und Sachbücher, sie untersucht die deutsche Seele und moderierte Literatursendungen im Fernsehen des SWR und auf Arte. Mit großem Erfolg. Thea Dorn wurde unter anderen mit dem Raymond-Chandler-Preis ausgezeichnet. Ihr Theaterstück "Marleni" wurde Hamburg uraufgeführt, für das Drehbuch zum Film "Männertreu" gab es 2015 einen Grimme Preis.

In der Schublade "Feministin" sitzt schon Alice Schwarzer
Flüchtlingsdebatte und Feminismus, Deutsche Befindlichkeiten und deutsche Kultur. Thea Dorn mischt sich in die öffentliche Diskussion ein, will in der ersten Reihe mitspielen, auch wenn man hier - wie sie selber sagt - öfters mal eine abbekommt. Sie hat etwas gegen Harmonie, Sicherheit und Nettsein. Dazu würden doch viel zu viele Frauen erzogen, meint sie, was bei ihr allerdings nicht der Fall gewesen sei. Ihr Vater schmiss den Haushalt und ihr jüngerer Bruder musste vermutlich auch etwas aushalten.

Dabei sieht sie sich selbst nicht als Feministin. In einem Interview mit der taz witzelte Dorn: "Bei dem Begriff Feminismus geht eine Schublade auf und im Zweifelsfall sitzt Alice Schwarzer drin." Doch das wichtige Thema beschäftigt sie. In ihrem 2006 erschinenen Buch "Die neue F-Klasse - Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird" lässt sie erfolgreicher Frauen, wie Maybrit Illner, die Anwältin Seyran Ates oder Silvana Koch-Mehrin zu Wort kommen und sie über Feminismus reflektieren.


Keine häkelde "Latzhosen-Femministin"
In der Außensicht landet Dorn vermutlich in einer Schublade mit Alice Schwarzer. Dabei ist Dorn keine Vertreterin des linken häkelden "Latzhosen-Femminismus", sie ist eher so etwas wie eine Bürgerlich-Liberale Feministin. Manche Einstellungen muten fast neoliberal an: "Zum Beglückendsten für den Menschen gehört es, seine individuellen Potenziale zu realisieren." Zitate, die auch aus dem Munde eines Motivationstrainers für Erwerbslose stammen können.

Dabei verweist Christiane Scherers Künstlername "Tea Dorn" eigentlich nach Links. Theodor W. Adorno stand Pate, als in einer Berliner Kneipe ein Pseudonym für ihr erstes Buch gefunden werden sollte. Mit Adorno hatte sie sich während ihres Philosophiestudiums eingehend beschäftigt. Doch sie glaubt an die Kraft es Einzelnen, sich aus seiner Unmündigkeit zu befreien, sei es nun ein Mann oder eine Frau. Dazu müssen nicht immer erst die Strukturen verändert werden, diese änderten sich schon von alleine, wenn nur genug Frauen das Sagen haben. Gern zitiert sie Aristoteles: "Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave."


Renradprofi mit Killer-Gen
Um die Rolle von Herr und Sklave, Opfer und Täter geht es auch in Thea Dorns Roman "Mädchenmörder" (2008). Ein ehemaliger Renradprofi, ausgestattet mit einem Killer-Gen, entführt ein Mädchen, vergewaltigt sie und reist mit ihr durch halb Europa - wobei noch weitere junge Frauen umkommen. Die Geschichte wird aus drei Perspektiven geschildert, und je mehr die Leser erfahren, desto weniger erscheint das Opfer nur als Opfer. Auf der Reise wird es langsam zur Mittäterin. Es geht in dem Buch nicht nur um das sogenannte Stockholm-Syndrom, bei dem sich Opfer zum Täter hingezogen fühlen, es ist auch ein Spiel mit dem, was wir "Wirklichkeit" nennen.

Zum anderen, so Dorn, sagt die "Analyse eines krankhaften Täters sehr viel über die Funktionsweise unserer Gesellschaft". Dorn mag deftige, blutige Kost: In ihrem Erstlingswerk, das während ihres Studiums schrieb, zerstückelte die Protagonistin einen Professor. Dafür gewann die Autorin im Jahr 2000 den Deutschen Krimipreis und das Werk brachte ihr den Ruf als "brutalste deutsche Schreiberin" ein. Nicht nur für die ARD- Krimiserie "Tatort" schrieb sie inzwischen viele Drehbücher.

Was hätte wohl Adorno von ihren Kriminalromanen und Drehbüchern gehalten, wurde Dorn mal gefragt. Die hätten ihm sicherlich gefallen. Die Autorin beherrscht die Sprünge zwischen Unterhaltungsindustrie und akademischer Philosophie blendend. Und doch, mit ihrem Namensgeber kann sie nicht mehr so viel anfangen. Thea Dorn hat sich von der Bedeutung ihres Namens schon lange losgelöst.

Alter, Vergänglichkeit und Tod - muss das sein? Warum können wir nicht ewig leben? Thea Dorn setzt in ihrem jüngsten Roman eine Molekularbiologin an ein zentrales Thema, an dem die besten Köpfe in der Spitzenforschung bislang gescheitert sind: Warum ist das menschliche Leben spätestens mit 120 zu Ende? Thea Dorns neuste Veröffentlichung, "Die Unglückseligen", erzählt den alten, deutschen Faustmythos auf neue Weise. Im Gespräch mit Peter Voß beantwortet sie nicht nur Fragen zu dem Thema des neuen Romans.



Sendedaten
Sonntag, 8. Mai 2016, 13.30 Uhr

Archiv: Peter Voß fragt ...
Peter Voß fragt Thea Dorn
Ein Ball hat eine Seele (Gummiblase im Inneren), ein Tau hat sie ebenfalls (Kern eines Seils), ein Gewehr hat eine Seele (Innere des Laufs) und die "Schwäbische Seele" ist in Württemberg der Name für ein längliches Brötchen. Doch die "deutsche Seele", was ist das? (Januar 2012)
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