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Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 15. März, 6.00 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 15. März, 6.00 Uhr)
Der Deutsche verzehrte laut Milchindustrieverband 2016 im Durchschnitt etwa 97 Kilogramm Frischmilcherzeugnisse im Jahr.
Milch - wie gesund ist sie wirklich?
Kalziumlieferant oder Krebserreger?
Die einen sagen, sie sei nur was für Babies, die anderen schwören auf ihr tägliches Glas. Das Thema Milch spaltet die Meinungen: Kalziumlieferant oder Krebserreger? Zu einer Studie gibt es garantiert eine Gegenstudie. Was stimmt nun?
Glaubt man der Milchindustrie, dann sollte man sich von all der "nicht-tierischen" Milch fernhalten. Mandel und Soja könnten schließlich nicht all die Nährstoffe ersetzen, die Kuhmilch zu bieten hat. Am bekanntesten ist Milch als Kalzium-Lieferant.

Von dem Mineralstoff liefert Milch mehr als jedes andere Lebensmittel. Kalzium ist zum Beispiel für den Aufbau von Knochen und Zähnen wichtig.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, jeden Tag etwa ein Gramm Kalzium zu sich zu nehmen, zum Beispiel in Form von einem Viertelliter Milch oder zwei Scheiben Emmentaler Käse.


Ist Milch also unersetzbar?

Nicht unbedingt. Kalzium ist beispielsweise auch in bestimmten Mineralwassern, in Brokkoli und in Hülsenfrüchten wie zum Beispiel Bohnen, Erbsen und Linsen enthalten.

Studien besagen im Übrigen, dass Kalzium nicht das Knochen-Wundermittel ist, für das es ursprünglich gehalten wurde. Ob ein Mensch Osteoporose, also die Krankheit der brüchigen Knochen, entwickelt, hängt nicht nur davon ab, wie viel Kalzium er zu sich nimmt, sondern beispielsweise auch davon, wie viel er sich bewegt.

Eine Studie der Harvard Medical School zeigte sogar, dass Vitamin D - und nicht Kalzium - das Risiko für Osteoporose-bedingte Knochenbrüche senkt. Vitamin D hilft im Dünndarm, das Kalzium überhaupt erst in den Körper aufzunehmen.


Melkkarussell in industrieller Viehaltung der Peeneland Agrar GmbH. © swr Melkkarussell in industrieller Viehaltung der Peeneland Agrar GmbH.
Fressende Milchkühe, Gut Rheinau GmbH, ein Biohof.  © swr Fressende Milchkühe, Gut Rheinau GmbH, ein Biohof.

Ist Milch ein Risiko?

Milch ist kein pures Naturprodukt mehr. Die normale Milch aus dem Supermarkt ist wärmebehandelt und homogenisiert, damit sie länger haltbar ist. Dadurch kann das Milchfett vom Körper komplett verdaut werden und macht so dick.

Ein weiteres Problem: Kühe müssen heute so viel Milch geben, dass sie oft unter gesundheitlichen Problemen leiden und dagegen Antibiotika bekommen. Medikamentenrückstände können sich dann in der Milch niederschlagen und letztendlich für gefährliche Resistenzen bei Menschen sorgen.

Milchgegner machen das Getränk auch für eine Vielzahl von Krankheiten verantwortlich, von Krebs bis Mandelentzündung. Einige Studien weisen zum Beispiel darauf hin, dass Milchkonsum das Risiko erhöht, an Prostata- oder Eierstockkrebs zu erkranken.

Doch es gibt noch immer keine ausreichenden Beweise dafür, ob ein mäßiger Milchverzehr diese Krebsarten hervorruft.

Fazit: Ob Milch wirklich gesund ist oder schadet, bleibt eine persönliche Glaubensfrage.


Sendedaten
Freitag, 13. März 2019, 20.15 Uhr

Milch - wie gesund ist sie wirklich?

Ein Film von Winfried Oelsner

Info
© swrDer Deutsche verzehrte laut Milchindustrieverband 2016 im Durchschnitt etwa 97 Kilogramm Frischmilcherzeugnisse im Jahr. Dazu gehören Milch, aber auch Käse, Joghurt und Butter.

Etwa 52 Kilogramm (oder Liter) davon entfielen auf Frischmilch - also das, was wir zum Frühstück trinken oder ins Müsli gießen. Außerdem aß jeder Deutsche 2016 im Schnitt knapp 24 Kilogramm Käse und sechs Kilogramm Butter. Um die Menge zu verstehen, kann man sie sich zum Beispiel in Butterpaketen vorstellen - bei sechs Kilogramm sind das 24 der handelsüblichen 250 Gramm-Packungen.

Der Verbrauch von Vollmilch war 2013 auf einen Tiefststand von 24,2 kg gesunken. Seitdem hat eine Trendwende eingesetzt und bis 2017 stieg er wieder auf 26,9 kg.

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