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Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 8. März, ab 6.00 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 8. März, ab 6.00 Uhr)
Vegane Milchprodukte müssen aufwendig technologisch verarbeitet werden.
Gut, besser, vegan?
Kaum eine Debatte wird so dogmatisch geführt wie die um unser Essen. Dabei beanspruchen sowohl Veganer, Vegetarier als auch bekennende Fleischesser für sich, auf der richtigen Seite zu stehen. In "Gut, besser, vegan?" versuchen die Filmautoren genau diese Frage zu klären.
Auf den ersten Blick ist es einfach: Tierzucht, vor allem Rinderzucht verursacht mehr Klimagase als sämtliche Verkehrsmittel. Schließlich werden pro Jahr 800 Millionen Nutztiere geschlachtet, um unseren Fleischkonsum abzudecken. Warum dann nicht völlig auf Fleisch und tierisches Eiweiß verzichten?

Professor Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig erklärt, dass unser Stoffwechsel immer noch im Steinzeitmodus ist. Das heißt: Wir können Fett sehr gut für schlechte Zeiten speichern. Da wir unser Essen aber nicht mehr selbst jagen, sondern mehr Zeit im Büro oder auf der Couch sitzen, brauchen wir diese Fettreserven gar nicht und werden krank. Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Krebs sind die Folge.

Macht es da nicht wirklich mehr Sinn, dass wir auf tierische Produkte ganz verzichten? Nicht unbedingt. Denn vegane Ernährung kann einfach gesundheitliche Nachteile haben.


Die Natur hat eine vegane Ernährung nicht vorgesehen

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Rinderzucht verursacht mehr Klimagase als sämtliche Verkehrsmittel. Schmeckt da das Steak noch?
Professor Bernhard Watzl, Leiter des Max-Rubner-Instituts, erklärt: "Die Natur hat eine vegane Ernährung nicht vorgesehen." Entscheidend sei die Vielfalt. Die Natur sehe eine gemischte Ernährung für eine gesunde Lebensweise des Menschen vor. "Ich brauche den pflanzlichen Teil, ich brauche den tierischen Teil."

Wer keine tierischen Produkte zu sich nehmen wolle, müsse Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Veganer müssten insbesondere auf eine ausreichende Zufuhr des Vitamins B12 achten, das vor allem in Fleisch, Fisch, Eiern und Milch vorkommt.


Ist eine rein vegane Ernährung vielleicht sogar gefährlich?

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Das Fraunhoferinstitut forscht daran, Lupinenprotein nutzbar zu machen.
Besonders problematisch wird es, wenn Säuglinge und Kleinkinder nicht alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge über die Ernährung aufnehmen, so der Leiter des Max-Rubner-Instituts in Karlsruhe. Der Bedarf sei bei ihnen wegen ihres noch wachsenden Organismus besonders hoch.

Und als Erwachsener? "Ich kann mich ohne tierische Lebensmittel auch gesund ernähren", räumt Wissenschaftler Watzl ein, "aber da bin ich in der Situation, dass ich auf Supplemente angewiesen bin." Viele Milchersatzprodukte wie Soja- oder Hafermilch enthalten deswegen zum Beispiel künstlich hinzugefügtes Vitamin B12.


Kein Milchersatzprodukt kann Milch ersetzen

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Färbemittel für das Einfärben einer veganen Teewurst.
Watzl warnt allerdings, dass diese Produkte gegenüber der Kuhmilch gesundheitliche Nachteile hätten: Sie haben nicht die gleiche hohe Konzentration an wichtigen Nährstoffen und sind außerdem sehr stark technologisch verarbeitet.

Sendedaten
Freitag, 8. März 2019, 20.15 Uhr

Gut, besser, vegan?

Ein Film von John A. Kantara und Andrew Hood

Deutschland/Frankreich 2017

Hintergrund
© swrBereits vor ca. 2.000 Jahren gab es die Idee, bewusst auf tierische Produkte zu verzichten. Schon der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras soll sich auf diese Weise ernährt haben. Wirklich praktiziert wurde der Veganismus aber erst ab 1944, als Elsie Shrigley und Donald Watson die "Vegan Society" von der "Vegetarian Society" abspalteten.

Vegane Ernährung

Menschen, die sich vegan ernähren, essen nur pflanzliche Produkte, Nüsse und Samen. Fleisch wird beispielsweise durch Tofu, Sojagranulat und Seitan ersetzt, Käse durch Haferflocken oder Mus aus Cashewnüssen, Eier durch Bananen und Sojamehl sowie Sahne und Milch durch Pflanzenmilch aus Reis, Hafer, Sojabohnen, Kokosmilch oder Sojasahne.

Ausreichend versorgt?

Ernährungswissenschaftler streiten sich seit Jahrzehnten darüber, ob man dem Körper mit veganer Ernährung alle wichtigen Nährstoffe zuführen kann. Als gesichert gilt, dass sich Veganer ihren Speiseplan sehr sorgfältig zusammenstellen müssen, um ausreichend versorgt zu sein. Das gilt besonders für Allergiker, die von Haus aus schon auf bestimmte Lebensmittel verzichten müssen.

Grundsätzlich sollten sich nur gesunde Erwachsene, mit gutem Ernährungswissen und ausgewogener Ernährungsweise vegan ernähren, sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie empfiehlt zudem, dass sich Kinder, Schwangere und Stillende nicht vegan ernähren.

Ältere Menschen, die vegan leben wollen, sollten gesund sein und auf ihren erhöhten Nährstoffbedarf achten. Mangelerscheinungen zeigen sich meist nicht sofort. Manchmal stellen sie sich erst nach Jahren ein. Im Gegensatz zum Veganismus ist eine vegetarische Ernährung mit Milchprodukten laut DGE als Dauerkost geeignet.

Klicktipp
wissen aktuell: Gesund ernähren
Der Themenabend widmet sich der heilsamen Kraft unserer Nahrungsmittel und hinterfragt Ernährungstrends.
Beispiel:Kann eine bestimmte Ernährung vor Krebs schützen? Eine bestimmte Anti-Krebs-Diät gibt es nicht. Aber es gibt günstige und ungünstige Lebensmittel, wenn es um die Entstehung von Krebs geht.