© dpa/Stephan Mentzner
Eine Detoxkur soll den Körper reinigen. Die bekannteste Detox-Kur ist die Fastenkur.
Körper entschlacken mit DETOX
Wie gesund ist das?
Der Verkauf von Detox-Mitteln, -Kuren und -Säften boomt mehr denn je. Doch was steckt hinter dem Trend: Hält die Detox-Industrie, was sie verspricht - oder schadet Detox letztlich sogar?
"Detox" bedeutet übersetzt Entgiften. Durch eine gesunde Ernährung mit viel Obst- und Gemüsesäften, Entspannungsübungen und Bädern sollen Schadstoffe und Gifte im Körper gebunden und ausgeschieden werden. Normalerweise reinigt sich der menschliche Körper selbst und scheidet unerwünschte Stoffe über die Ausscheidungsorgane Leber, Nieren, Darm und Haut wieder aus.

Detox-Anhänger sind der Meinung, dass heutzutage so viele Gifte und Schadstoffe aufgenommen werden, dass der Körper sie nicht mehr vollständig ausscheiden kann. Als Ursachen werden neben einer ungesunden Ernährung mit Zusatzstoffen, viel Fett und Zucker auch Nikotin, Alkohol, Umweltgifte und Stress vermutet. Regelmäßig durchgeführte Detoxkuren sollen Haut, Lymphsystem sowie Darm und innere Organe von Giftstoffen befreien und reinigen.


Wie funktioniert eine Detoxkur?

Die Detox-Alternative zu einer Saftkur ist eine Ernährung aus frischen und sogenannten basischen Lebensmitteln. Denn der Säure-Basen-Haushalt, der alle Stoffwechselabläufe im Körper reguliert, soll durch die hohe Aufnahme von "säurebildenden" Lebensmitteln gestört werden.

Auf Fleisch, Käse, Weißmehl, Süßigkeiten, Alkohol, Nikotin und Kaffee wird während einer Detox-Kur daher ganz verzichtet. Dagegen wird eine Ernährungsform empfohlen, die vor allem Gemüse, Obst, Salat, Kartoffeln und Vollkornprodukte enthält.

Übrigens: Ob Lebensmittel sauer oder basisch sind, hat mit ihrem Geschmack nichts zu tun. Vielmehr erfolgt die Einteilung nach dem PH-Wert (> 7 ist basisch, < 7 ist sauer). Eine Zitrone zählt beispielsweise zu den basischen Lebensmitteln. Auch Marmelade gilt trotz hohen Zuckergehalts als basisch.

Inzwischen gibt es eine breite Palette an Detox-Produkten: Nahrungsergänzungsmittel, Tee, Duschgel und Shampoo werden als Detox-Produkte gekennzeichnet und sollen dem Körper angeblich bei der Entgiftung helfen. Wissenschaftliche Nachweise dazu fehlen.


Zu Besuch bei Peter Jentschura in Münster: Der gelernte Drogist und Unternehmer ist überzeugt davon, dass Schlacken den Körper belasten. © SWR Zu Besuch bei Peter Jentschura in Münster: Der gelernte Drogist und Unternehmer ist überzeugt davon, dass Schlacken den Körper belasten.
"Es gibt keine wissenschaftliche Belege, dass Detox-Produkte irgendeinen gesundheitlichen Nutzen für den Körper haben." Carolin Traub von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. © SWR "Es gibt keine wissenschaftliche Belege, dass Detox-Produkte irgendeinen gesundheitlichen Nutzen für den Körper haben." Carolin Traub von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Um Antworten auf Sinn oder Unsinn von Detox-Kuren zu finden, begibt sich Reporterin Bärbel Merseburger-Sill auf eine Spurensuche quer durch die Detox-Szene. Sie will das Entschlacken und Entgiften am eigenen Körper testen.

Im Selbstversuch nimmt die Reporterin verschiedene Angebote unter die Lupe.
Ihr Fazit: Die Produkte halten selten, was sie versprechen - und manchmal sind sie sogar gesundheitsgefährdend!


Sendedaten
Freitag, 8. Februar 2019,
20.15 Uhr

Körper entschlacken mit DETOX

Ein Film von Bärbel Merseburger-Sill

Hintergrund
© ardBekannt ist das Konzept der Entschlackung in den traditionellen hinduistischen Behandlungsmethoden des Ayurveda bekannt, also seit Jahrhunderten in Indien verankert.

Die Entstehungsgeschichte der Entschlackung in der westlichen Welt reicht dagegen nur zum Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Damals erhielten die großen Industriestädte Abwassersysteme. Oft war verschmutztes Wasser aus überlaufenden Kanälen der Grund für Krankheiten.

Der Begriff Entschlackung als Analogie zur Reinigung von Hochöfen oder der Feuerbüchse von Dampflokomotiven wurde erstmals von Otto Buchinger verwendet. Buchinger arbeitete als Arzt anfangs des 20. Jahrhunderts und erfand die Fastenmethode.

Dokumentation am Freitag
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