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Der Film in der Mediathek (ab Montag, 4. Februar, 6 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Montag, 4. Februar, 6 Uhr)
Alle Schüler haben ihre Geschichte, warum sie auf der SfE gelandet sind. Die meisten sind an den staatlichen Schulen gescheitert.
Berlin Rebel High School
Lehrer hatten ihm die Freude am Lernen genommen. Lehrer der Schule für Erwachsenenbildung in Kreuzberg haben sie ihm wiedergegeben. "Berlin Rebel High School" ist ein Film über diese besondere Schule. Gedreht hat ihn ein ehemaliger Schüler: Alexander Kleider.
In einem Interview mit der Berliner Zeitung bezeichnet sich Alexander Kleider als einen unglücklichen Schüler. An seiner Schule in Schwäbisch Hall, einer Kleinstadt in Baden-Württemberg, sei es nur um Leistung gegangen. Mitschüler hätten ihn gemobbt, er habe mit Protest reagiert. Er macht seinen Realschulabschluss und wird Erzieher

1998 zieht er nach Berlin in eine Wohngemeinschaft. Er möchte Abitur machen und hört von der SFE. "Ich war begeistert, wie vertrauensvoll Lehrer und Schüler miteinander umgingen. Da war ein völlig neues Grundgefühl, ein Gefühl von Freiheit."
Zwei Jahre später hat er sein Abitur in der Tasche. Heute ist er 43 und arbeitet als Filmemacher mit einer eigenen Filmfirma.


Unterricht nicht vor halb zehn

Die Schule für Erwachsenenbildung, kurz: SfE, liegt im Kreuzberger Mehringhof, einem linken Zentrum mit Kneipe und Theater. Die SfE hat keinen Direktor, es gibt keine Noten. Die Schule ist basisdemokratisch organisiert und selbstverwaltet. Um unabhängig zu bleiben, verzichtet sie auf staatliche Förderung. Das Schulgeld beträgt 160 Euro im Monat, der Stundenlohn der Lehrer liegt bei 12,50 Euro. Unterricht beginnt nicht vor halb zehn. Wer will, darf seinen Hund mitbringen.

Florian Geissler und Hanil Altunergil (r). Hanil ist wegen Kiffens von der Schule geflogen.  © ard Florian Geissler und Hanil Altunergil (r). Hanil ist wegen Kiffens von der Schule geflogen.
Lena kommt aus Eggesin in Mecklenburg-Vorpommern. Als Punkerin wurde sie in ihrer Schule gemobbt.  © ard Lena kommt aus Eggesin in Mecklenburg-Vorpommern. Als Punkerin wurde sie in ihrer Schule gemobbt.
Alex, 24, kommt aus Luckenwalde. Er gilt als schwer erziehbar, wächst im Jugendheim auf.  © ard Alex, 24, kommt aus Luckenwalde. Er gilt als schwer erziehbar, wächst im Jugendheim auf.

Nominiert für den Deutschen Filmpreis

Zwei Jahre lang dokumentiert Alexander Kleider das Leben einer Gruppe von Schülern, vom ersten Infotag bis zur Vergabe der Prüfungsnoten. Als ehemaliger Schüler hat er einen ganz eigenen Zugang. Er darf sie im Unterricht filmen, in ihren Wohnungen, er fährt mit in ihre Heimatorte. Er ist dabei, wenn es ihnen schlecht geht, wenn sie zweifeln, ihre Prüfungsangst.

2016 wurde die SFE mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. In der Laudatio steht, die SFE lebe ein selten in Schulen umgesetztes Credo: das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Sie sei "ein Vorbild für andere Schulen in Sachen Demokratie".

Der Film von Alexander Kleider wurde 2017 für den Deutschen Filmpreis nominiert. Damals hielt der US-Filmemacher Michael Moore die Laudatio.


Klaus ist Lehrer und Mitbegründer des alternativen Projektes. © ard Klaus ist Lehrer und Mitbegründer des alternativen Projektes.
Zwei Jahre lang konnte Filmemacher Alexander Kleider seine Protagonisten begleiten.  © ard Zwei Jahre lang konnte Filmemacher Alexander Kleider seine Protagonisten begleiten.

Sendedaten
Montag, 4. Februar 2019,
22.25 Uhr

Berlin Rebel High School

Ein Film von Alexander Kleider
Deutschland 2016

Hintergrund
© ardDie Schule für Erwachsenenbildung (SfE) ist eine selbstverwaltete Einrichtung des zweiten Bildungswegs im Mehringhof in Kreuzberg in Berlin. Sie bereitet Schüler und Schülerinnen auf den Mittleren Schulabschluss oder das Abitur vor. Die Prüfungen werden extern an staatlichen Schulen abgelegt.

Gegründet wurde die Schule 1973 nach einem antiautoritären Schulstreik an der privaten Gabbe-Lehranstalt. Sie finanziert sich über ein monatliches Schulgeld von 160 Euro. Aktuell lernen dort etwa 200 junge Erwachsene in neun Klassen.

Im Jahr 2016 wurde der SFE einer der zweiten Plätze des Deutschen Schulpreises verliehen.

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