© dpa/Jens Kalaene
Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 7. Dezember, 6 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 7. Dezember, 6 Uhr)
Pflege - Hilft denn keiner?
Rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Ihre Zahl steigt, 2030 könnten es nach seriösen Schätzungen schon 3,5 Millionen Menschen sein. Der Film erzählt vom Kampf der pflegenden Angehörigen und von den Nöten professioneller Pfleger.
Kurt ist 69 und stark pflegebedürftig, seit er in Folge eines Herzinfarkts einen Hirnschaden erlitten hat. Seine Frau Roswitha pflegt ihn zu Hause, seit sieben Jahren, inzwischen rund um die Uhr. Mit viel Liebe und Fantasie kämpft sie täglich dafür, dass er trotz seiner Krankheit Freude am Leben hat. Sie selbst jedoch verzweifelt zunehmend an ihrer Aufgabe – weil sie für ihren Mann keinen passenden Platz in einer Tagespflege findet, der sie entlasten könnte, und sei es nur stundenweise. Weil Roswitha keine Zeit mehr hat, ihren Beruf auszuüben, ist es finanziell eng.

Armutsrisiko durch Pflege

Derzeit werden zwei Drittel der Pflegebedürftigen zuhause von ihren Angehörigen gepflegt – zumeist von ihren Frauen oder Töchtern. Doch immer weniger Angehörige sind dazu bereit oder in der Lage, nicht zuletzt wegen des Armutsrisikos, das damit einhergeht.

Zugleich fehlt es an Fachkräften in den Pflegeberufen: Die Arbeit in der Pflege ist anstrengend, belastend und in der Regel schlecht bezahlt. Ob in der ambulanten Pflege oder in den Heimen: Meist fehlt es den Pflegern an Zeit, sich um den einzelnen Menschen zu kümmern.


Roswitha pflegt Kurt seit sieben Jahren. © SWR Roswitha pflegt Kurt seit sieben Jahren.
Weil Roswitha keine Zeit mehr hat, ihren Beruf auszuüben, ist es finanziell eng. © SWR Weil Roswitha keine Zeit mehr hat, ihren Beruf auszuüben, ist es finanziell eng.

Deutschland ist eine alternde Gesellschaft. Eine wachsende Zahl kranker, gebrechlicher Menschen würdig zu versorgen, ist eine Herausforderung. Aber dieser Herausforderung wird die Politik nicht gerecht.

Ein Kernproblem: Pflege in Deutschland ist inzwischen ein Geschäft. Große Konzerne sind machtvolle Akteure auf dem Pflegemarkt. Kommerzielle Anbieter dünnen Personal aus, um die Rendite zu steigern – mit schlimmen Folgen für die Pflegebedürftigen. Der Staat verlässt sich darauf, dass die Familien durch Eigenarbeit oder Geld die Lücken schließen.


Tanznachmittag mit Pflegerin. © swr Tanznachmittag mit Pflegerin.
Mitarbeiter und Patienten der Seniorengenossenschaft Riedlingen. © swr Mitarbeiter und Patienten der Seniorengenossenschaft Riedlingen.

Sendedaten
Freitag, 7. Dezember 2018
2018

Pflege - Hilft denn keiner?

Dokumentation von Julian Gräfe, Jürgen Rose und Thomas Schneider

Hintergrund
© swrEine Pflegebedürftig­keit kann sich einschleichen oder ganz plötzlich auftreten, zum Beispiel nach einem Unfall oder infolge eines Sturzes, Herz­infarkts oder Schlag­anfalls. Angehörige müssen reagieren und sind meistens über­fordert.

Empfehlungen der Stiftung Warentest

  • Gespräch: Kann Ihr Angehöriger seinen Alltag immer weniger allein bewältigen, überlegen Sie im Familienkreis, ob eine Pflege zu Hause möglich ist und wer was erledigt.

  • Pflegegrad: Beantragen Sie für Ihren Angehörigen rasch einen Pflegegrad – er ist oft Voraussetzung für finanzielle Hilfe und Pflegezeiten im Job. Bei gesetzlich Versicherten erreichen Sie die zuständige Pflegeversicherung über die Krankenkasse. Privatversicherte wenden sich an ihre private Pflegeversicherung.

  • Unterstützung: Lassen Sie sich beraten, etwa in einem Pflegestützpunkt am Wohnort. Zuständig für Privatversicherte ist die Compass Pflegeberatung.

  • Freistellung: Als Arbeitnehmer können Sie sofort zehn Tage freinehmen, wenn ein naher Angehöriger plötzlich pflegebedürftig wird.
  • Dokumentation am Freitag
    Citizenfour
    Januar 2013: Die Filmemacherin Laura Poitras recherchiert gerade über den Missbrauch von Überwachungsdaten der US-Regierung im Namen des Terrorschutzes, als sie verschlüsselte E-Mails erhält. Der Rest ist Zeitgeschichte.
    Ungleichland
    Deutschland ist ein reiches und mächtiges Land – aber auch ein gespaltenes. "Bei der Vermögensverteilung gehört Deutschland zu den ungleichsten Ländern unter den Industrieländern", sagt Julia Friedrichs, eine der vier Filmautoren der Doku-Serie "Ungleichland". Ein Interview.