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Die Sendung in der Mediathek (ab Donnerstag, 9. August, 6 Uhr)Die Sendung in der Mediathek (ab Donnerstag, 9. August, 6 Uhr)
Sommer in Deutschland: Die anhaltende Hitzewelle mit Temperaturen bis 38 Grad und fehlendem Regen hat die Felder austrocknen lassen.
Wetter extrem
Das Geschäft mit dem Wetter
Der Themenabend widmet sich den Auswirkungen von extremen Wettereignissen auf unser Leben und zeigt, wie wir uns schützen können. Ein Aspekt: wie man am Wetter verdienen kann.

Von Matthias Sebening

Verschiedene Wirtschaftsbranchen nutzen inzwischen Wetterdaten. Auf Basis solcher Daten bestimmen etwa Energiehändler den Strompreis, planen Winterdienste und Landwirte ihre Einsätze und Versicherungen prüfen Schadensmeldungen. 80 Prozent der Wirtschaft ist in irgendeiner Weise vom Wetter beeinflusst.

Auch für viele Supermarktketten gehört die Wettervorhersage der kommenden Tage inzwischen zu den wichtigsten Kriterien in ihrer täglichen Planung. Sie ist wichtig für die Entscheidung, was wöchentlich auf die Millionen von Paletten kommt, mit denen die Filialen beliefert werden. Für die Erfassung der meteorologischen Messwerte direkt vor Ort und einer besseren Prognose steht immer öfter eine Wetterstation sogar auf dem Dach der Filiale.


Hundeleckerli und Sauerkirschen

© dpa/Monique Wüstenhagen
Es werden mehr Hundeleckerli gekauft, wenn die Temperatur steigt.
Damit immer die richtigen Produkte im Laden liegen, gleicht der Discounter seine Verkaufszahlen aus der Vergangenheit mit dem Wetter ab – bis zu fünf Jahre rückwirkend. Aus den Ergebnissen lässt sich schlussfolgern, was die Kunden das nächste Mal kaufen wollen, wenn es draußen regnet, schneit oder die Sonne scheint.

Während für Eis im Hochsommer oder Sekt zu Sylvester eine Prognose so leichter fällt, ist es bei anderen Produkten nicht immer so offensichtlich. Hundeleckerli zum Beispiel verkaufen sich dann besonders gut, wenn die Temperatur im Frühsommer an drei aufeinander folgenden Tagen vier Grad über dem jahreszeitlichen Durchschnitt liegt.

Dass die Kunden Grillgut, Ketchup, Bier und Kohle einkaufen, wenn’s draußen wärmer wird, ist klar. Aber auch der Absatz von Sauerkirschen steigt dann um 30 Prozent. Die Früchte kommen dann wohl in den Obstsalat, aufs Eis oder den Kuchen.

Die Supermärkte sparen, indem sie etwa den Lagerraum für Produkte nutzen, die tatsächlich nachgefragt werden. Und für die Kunden ist es praktisch, weil sie nicht vor leer gekauften Regalen stehen.


Wetterdaten im Luftverkehr

© dpa/Nicolas Economou
Der Treibstoffbedarf kann bei einer wetter-günstigen Alternativroute um bis zu fünf Prozent sinken.
Bei der Planung einer Flugstrecke werden viele Parameter berücksichtigt, auch aktuelle Wetterdaten. Lufthansa hat ein neues System für die Planung von Flugwegen entwickelt, das von 60 Airlines rund um den Globus eingesetzt wird. Diese Software berechnet die effizienteste Route aus vielen Kombinationsmöglichkeiten und berücksichtigt dabei alle aktuellen flugrelevanten Daten.

Der Treibstoffbedarf kann bei einer wetter-günstigen Alternativroute um bis zu fünf Prozent sinken. Mit jeder eingesparten Tonne Kerosin reduziert sich auch der Ausstoß von CO2.


Sommerpause in der Schokoladenproduktion

© dpa/Andreas Gora
Durch Wärme ensteht ein "Fettreif" bei Schokolade – nicht schön, aber unbedenklich.
Bei Temperaturen über 25 Grad über einen längeren Zeitraum warnt der Deutsche Wetterdienst den Schokoladenghersteller Ferrero. Bei diesen Temperaturen kann sich ein grauer Film auf der Oberfläche der Schokolade bilden. Bei gefüllten Schokoladenprodukten wandert das enthaltene Fett langsam nach außen und es entsteht so genannte "Fettreif". Unbedenklich – aber nicht schön.

Anstatt weiter gefüllte Schokopralinen herzustellen, läuft bei entsprechender Wettervorhersage dann das schokoladenfreie Kokos-Konfekt vom Band. Allerdings ist das auch ein schöner Marketing-Trick, denn die Ankündigung der Sommerpause soll nochmal den Absatz von Schoko-Produkten des Herstellers in die Höhe treiben.


Weitere Themen der Sendung:

Faszination Wetter
  • Blitzforschung

    Sie sind Angst einflößend und zerstörerisch: Mehr als zwei Millionen Blitze entladen sich jährlich über Deutschland, rund eine halbe Million davon schlägt auch ein. Pro Jahr entstehen so Schäden zwischen 200 und 400 Millionen Euro.

  • Tipps: Verhalten bei Gewitter

    In Deutschland werden pro Jahr fünf bis sieben Menschen tödlich vom Blitz getroffen, deutlich mehr Menschen werden durch Blitze verletzt. Ein paar Grundregeln minimieren das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden.

  • Wolken – gefährliche Schönheiten

    Wolken muten leicht und luftig an. Doch die Wassermengen, die vor allem große Gewitterwolken mit sich führen, sind gigantisch. Wie können Wolken so enorme Wassermassen speichern?

  • Starkregen – Autofahrer in der Falle

    Starkregen lässt sich schwer vorhersagen, das macht ihn so gefährlich. Der Film zeigt, was bei Starkregen mit einem Auto und seinen Insassen passiert – und wann der richtige Zeitpunkt ist, das Fahrzeug zu verlassen.


Der Wert der richtigen Vorhersage
  • Sturmjäger

    Tornados haben eine gewaltige Zerstörungskraft: Sie können ganze Ortschaften niederreißen und viele Menschen töten. Wie können wir uns vor ihnen schützen?

  • Die Wetter-Industrie

    Weltweit füttern Satelliten, Wetterwarten und Flugzeuge hunderte von Supercomputern mit Wetterdaten. Dennoch liegen Vorhersagen auch immer mal wieder falsch. Wie kann das sein?


Extremwetter und seine Folgen
  • Barbuda – Die Karibik nach dem Sturm

    Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass Anzahl und Stärke der Hurrikans in der Karibik noch zunehmen werden. Eine Reportage aus dem bedrohten Paradies.

  • Extremwetter in Europa – wie gut sind wir vorbereitet?

    Extremwetterereignisse werden häufiger und stellen die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Wie ändert sich unser Leben, wenn Extremwetter zum Normalzustand wird – und wie gut sind wir darauf vorbereitet?


Dem Klimawandel auf der Spur
  • Klimaforschung im Südwesten Deutschlands

    Eine Studie aus Baden-Württemberg zeigt den Einfluss des Menschen auf die Erderwärmung. Das Team hat dafür 1.000 Jahre Klimageschichte untersucht.

  • Expedition ins Eismeer

    Wissenschaftler suchen im Nordpolarmeer nach jahrhundertealten Korallenalgen, aus deren Jahresringen sie den Klimawandel rekonstruieren wollen.


Sendedaten
Donnerstag, 9. August 2018, 20.15 Uhr

wissen aktuell: Wetter extrem

Hintergrund
© swrLupe Klimaforschung im Südwesten Deutschlands

Eine Studie aus Baden-Württemberg zeigt den Einfluss des Menschen auf die Erderwärmung. Das Team hat dafür 1.000 Jahre Klimageschichte untersucht.

Um 0,85 Grad Celcius hat sich die Atmosphäre durch Abgase und Co in den vergangenen 150 Jahren aufgeheizt – und die Temperatur im Südwesten ist sogar noch stärker angestiegen als der globale Durchschnitt.

Über die Sendereihe
Wissen aktuell
Mehr zum Thema auf 3sat.de
Wissenschaftsdoku: Die Wetter-Industrie
Weltweit füttern Satelliten, Wetterwarten und Flugzeuge ständig hunderte von Supercomputern mit Wetterdaten. Doch wie genau sind diese Vorhersagen?
Siebenschläfer
"Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag." Der Siebenschläfertag (27. Juni) ist nach alter Bauernregel entscheidend für den Verlauf des Sommers.
Trockenheit in Deutschland
In vielen Regionen Deutschlands leidet die Landwirtschaft unter Hitze und Trockenheit. Die Getreideernte droht schlecht auszufallen, auch Kühe geben weniger Milch.
Dokumentation
Extrem! - Licht und Schatten
Dieser Film ist eine Reise zu den dunkelsten und hellsten bewohnten Orten der Welt. Dorthin, wo kaum jemals eine Wolke am Himmel zu sehen ist oder monatelang kein einziger Sonnenstrahl zum Boden vordringt.
Extrem! Heißkalt - Die extremsten Orte der Welt
Mittlerweile besteht kein Zweifel mehr: Es wird heiß auf unserem Planeten. Die Temperatur der Erde hat sich in den vergangenen hundert Jahren um 0,8 Grad Celsius erhöht und ist weiter im Ansteigen begriffen. Aber wie gehen Menschen, die schon jetzt an Orten leben, wo Luft und Erde glühen, mit der Hitze um?