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Der Film in der Mediathek (ab Montag, 6. August, 6 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Montag, 6. August, 6 Uhr)
Wasserskifahren war in den 60er Jahren auf dem Bodensee groß in Mode.
Sommerfrische
Erinnerungen an unbeschwerte Urlaubstage
Wie war das, als ab den 1950er Jahren der Südwesten Deutschlands als Urlaubsregion entdeckt wurde? Als die Rheinland-Pfälzer und Baden-Württemberger Zeit und Geld hatten, um selbst ein paar Tage auszuspannen?
Der Südwesten ist eine Ferienregion mit langer Geschichte. Nach dem Krieg gibt es nur Zimmer mit Bad auf dem Flur, die Urlauber, die damals noch "Sommerfrischler" heißen, haben bei den Wirtsleuten Familienanschluss.

Der Bodensee zieht die Wassernixen an. Johannes Pfender von einem der heute größten Campingplätze Deutschlands bei Kressbronn erinnert sich gut an die Anfänge auf dem Zeltplatz, als es sehr viel weniger Komfort, aber dafür mehr Geselligkeit und Party gab.

Die Loreley ist damals für viele Holländer und Belgier eine Reise wert, wie auch für Henry Michiels, der seit 50 Jahren aus Belgien an den Rhein kommt. Wer es sich leisten kann, reist mit dem Schiff an. Die "Goethe", damals noch unter Dampf, fährt seit 100 Jahren auf der Strecke zwischen Koblenz und Rüdesheim.


Frische Luft im Schwarzwald, Geschwindigkeit auf dem Nürburgring

© SWR
Campingurlaub der Familie Kleinfeldt am Bodensee kurz vor Kriegsbeginn.
Der Pfälzer Wald und der Schwarzwald erleben einen Wanderboom. Die Nachbarn von Bäuerin Agnes Sester aus Gengenbach im mittleren Schwarzwald finden es zuerst eigenartig, dass sie an Fremde Zimmer vermietet. Die Mutter von Förster Walter Trefz aus Freudenstadt im Nordschwarzwald nennt Urlauber aus dem Ruhrgebiet nur die "Luftschnapper".

Auch die Jugendherbergen meldeten steigende Besucherzahlen, erzählt Elisabeth Dichter-Hallwach, drei Jahrzehnte lang Herbergsmutter in Neuerburg in der Eifel.

Es ist auch die Hochzeit des Nürburgrings. Ursula Schmitz, die seit 60 Jahren ein Hotel in Nürburg führt, erinnert sich gerne an die Zeit als Touristen und Berühmtheiten wie Niki Lauda bei ihr Tür an Tür wohnten.

Eine Zeitreise, gespickt mit Erzählungen vom kleinen Glück, das meist ganz in der Nähe lag. Schwarz-Weiß-Aufnahmen und Archivmaterial untermalen die Erinnerungen an Urlaubsziele vergangener Jahrzehnte.


Urlaubsparadies der ersten Stunde: der Bodensee. © dpa/Felix Kästle Urlaubsparadies der ersten Stunde: der Bodensee.
Schon in den 1930er-Jahren reisen die ersten "Sommerfrischler" an. © SWR Schon in den 1930er-Jahren reisen die ersten "Sommerfrischler" an.

Sendedaten
Montag, 6. August 2018, 20.15 Uhr

Sommerfrische

Ein Film von Christopher Paul und Elmar Babst

Info
© dpaUnter dem Begriff Sommerfrische versteht man die sommerliche Übersiedelung aus der Stadt auf das Land.

Die Brüder Grimm definierten in ihrem Wörterbuch im 19. Jahrhundert das Wort als "Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit" oder "Landlust der Städter im Sommer".

Das Übersiedeln von der Stadt auf den Landsitz ist schon beim Adel in der Antike üblich gewesen. Waren es anfangs auch nur wirtschaftliche Motive: der Adel hatte im Sommer den landwirtschaftlichen Betrieb zu betreuen. "Urlaubszeit" war dann im Winter, wenn die Landwirtschaft ruht.Daneben schätzte man aber auch, den bedenklichen hygienischen Bedingungen der Stadt im Sommer entkommen zu können.

Im Mittelalter wechselte der Adel aus politischer Notwendigkeit heraus die verschiedenen Ansitze.

Mit dem Aufblühen der Städte wurde zur Renaissance der Wechsel von Stadtpalais in die Sommerresidenz wieder üblich.

Ab der Industrialisierung baute sich das gehobene Bürgertum ihre Landhäuser.

Das Thema auf 3sat.de
Sommerfrische - Reisen wie zu Kaisers Zeiten
In der Habsburgermonarchie machte man nicht einfach Urlaub, man fuhr zur Sommerfrische. Diese oft wochenlange Erholung auf dem Land, am See oder am Meer war eine Spezialität des alten Österreich.
Sommerfrische in Kärnten: Der Millstätter See
Der Millstätter See liegt inmitten von Bergen und ist mit 141 Metern der tiefste und wahrscheinlich geheimnisvollste See Kärntens. Einst ein Ort klösterlicher Frömmigkeit, avancierte der See um 1900 zur Urlaubsdestination für Adel und Bürgertum.