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Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 27.Juli, 6 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 27.Juli, 6 Uhr)
Sie stoßen Unmengen von Abgasen aus und erschüttern den Untergrund: Der Streit über die Luxusliner tobt seit Jahren.
Venedig - Ausverkauf eines Juwels
Etwa 30 Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Venedig. Zum Teil fahren sie mit riesigen Kreuzfahrtschiffen in die italienische Stadt ein. Eigentlich sollte 2019 damit Schluss sein. Doch die Diskussionen gehen weiter - auf Kosten der UNESCO-Stadt.
Wenn man als Tourist am Markusplatz steht und die überdimensionalen Kreuzfahrtschiffe in Zeitlupentempo an einem vorbeiziehen, fühlt sich der Zuschauer als Winzling, die Stadt wird zur Miniatur.

Die Häuser der Lagunenstadt gehen nicht über vier Stockwerke hinaus, die Ozeanriesen überragen die Bausubstanz um ein Vielfaches. Für die Passagiere aus aller Welt ist es ein unvergessliches Erlebnis. Für Venedig - so fürchten nicht nur Umweltschützer - könnte es der Anfang vom Untergang sein.


Ein Hafen für Kreuzfahrtschiffe

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Eine Kreuzfahrtschiff mit 2.500 Passagieren befährt den Canale di S. Marco.
Im November 2017 entschieden die Verantwortlichen aus Venedig, der Region Venetien und der italienischen Regierung, dass besonders große Kreuzfahrtschiffe ab 2019 an einem neuen Hafen am Festland anlegen sollen.

Die riesigen Passagierschiffe würden dann nicht mehr über den Lido und den Giudecca-Kanal in die Stadt einfahren, sondern müssten eine Abkürzung in die Lagune nehmen und schließlich in Marghera anlegen, einem Vorort von Mestre.

Von dort ginge es für Tausende Passagiere dann per Schiff oder Bus in die Lagunenstadt.


Eine reine Absichtserklärung?

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Aussicht vom Kreuzfahrtschiff Costa NeoClassica bei der Einfahrt in die Lagune von Venedig.
Seitdem ist nicht viel passiert. Auf 70 Millionen Euro schätzen die Verantwortlichen die Kosten der Umbaumaßnahmen, Kanäle müssen angepasst, der Hafen ausgebaut werden. Kleinere Kreuzfahrtschiffe sollen auch zukünftig am Markusplatz vorbei nach Venedig schippern können.

Die Riesenschiffe, die sich im Kanal von Giudecca dicht an Sehenswürdigkeiten vorbeischieben, sind schon seit Jahren ein Reizthema. Umwelt- und Kulturschützer sehen das Unesco-Welterbe Venedigs sowie das ökologische Gleichgewicht in der Lagune bedroht.

Unternehmer und Tourismusveranstalter sehen dagegen ihr Geschäft in Gefahr.

Der Tourismus ist Segen und Kreuz Venedigs zugleich. Er bringt schnelles Geld, immer noch mehr Souvenirshops, Hotels und Restaurants machen auf. Die Stadt verdient an den teuren Landungsgebühren der Schiffe.


Druck auf die Stadtväter

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Täglicher Touristenandrang vor dem Markusdom.
Bestrebungen, den touristischen Druck auf die Stadt zu reduzieren, gibt es seit Langem. So werden seit Jahrzehnten Zugangsbeschränkungen für den Markusplatz diskutiert, aber bislang nicht eingeführt.

In Folge der Havarie der Costa Concordia vor der Insel Giglio im Jahr 2013 wurden die Einfahrten von Kreuzfahrtschiffen in die Lagune reduziert. 500.000 Schiffspassagiere weniger kamen seither in die Stadt. Eine dauerhafte Lösung lässt jedoch noch immer auf sich warten.

2016 hatte die UN-Organisation UNESCO Venedig mit dem Entzug des Titels als "Weltkulturerbe" gedroht, sollte die Stadt den Massentourismus und die Zahl der Kreuzfahrtschiffe nicht eindämmen.Stattdessen käme sie auf die schwarze Liste der "gefährdeten" Erbstücke der Menschheit.

Noch konnten die Stadtväter diese Image-Katastrophe mit ihrem Beschluss abwenden.

Ob das schnelle Tourismusgeschäft auch nachhaltigen Wohlstand bedeutet, ist mehr als fraglich.


Sendedaten
Freitag, 27. Juli, 20.15 Uhr

Venedig - Ausverkauf eines Juwels

Ein Film von Thomas Niemietz

Info
© swrVenedig zieht als eine der meistbesuchten Städte der Welt jährlich drei Mal mehr Touristen an als Italiens Hauptstadt Rom. Etwa 30 Millionen Menschen strömen jedes Jahr in die Lagunenstadt. Das sind mehr als 80.000 Besucher pro Tag!

Dagegen steht die stetig schrumpfende Bevölkerung im historischen Zentrum. Nur noch etwa 60.000 Menschen leben dauerhaft hier. Die meisten fliehen vor den Touristenmassen auf das nahe Festland, wo die Mieten günstiger sind und nicht alles auf die Bedürfnisse der Touristen ausgerichtet ist.

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