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Der Film in der Mediathek (ab Montag, 9. Juli, 6 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Montag, 9. Juli, 6 Uhr)
Familienfoto im indischen Fotostudio.
Amma und Appa
Eine bayerisch-indische Liebe
6.000 Kilometer Entfernung und zwei sehr unterschiedliche Kulturen. Kann das gut gehen? Ja, denn es ist die große Liebe. Doch es dauert lang, bis sich die Münchnerin Franziska und der Inder Jay das Ja-Wort geben können.
Den Eltern erzählt Jay nichts von seiner Liebe zu einer Deutschen. Er weiß, das würde Probleme geben. Doch als sie eine Ehefrau für ihn aussuchen, muss er mit der Sprache herausrücken. Franziska besucht mit ihm die Eltern. Sie sind geschockt über seine Wahl. Denn in Indien ist die arrangierte Ehe immer noch weit verbreitet, Liebesheirat eher ein Fremdwort.

Reise nach Indien

Während Franziskas Eltern sich aus freien Stücken füreinander entschieden haben, wurde die Ehe der Eltern von Jay im südindischen Cuddalore innerhalb ihrer Kaste arrangiert, wie es dort seit jeher der Brauch ist. Das Vorhaben ihres Sohnes, nicht nur eine Ausländerin, sondern auch noch aus Liebe zu heiraten, stellt die gesamte Tradition und Lebensweise seiner Eltern infrage.

In der Hoffnung, die kulturellen Hindernisse zu überwinden, reist das bayerische Elternpaar schließlich zu den Eltern des künftigen Schwiegersohns nach Indien.


Amma und Appa warten aufgeregt auf das erste Treffen mit Mama & Papa. © BR Amma und Appa warten aufgeregt auf das erste Treffen mit Mama & Papa.
Amma und Appa bei einem nachdenklichen Spaziergang am Strand. © BR Amma und Appa bei einem nachdenklichen Spaziergang am Strand.

Drei Jahre später

Es dauert drei Jahre, viele Konflikte sind zu lösen, bis die Eltern einverstanden sind und Jay beschließt, sein Land für Franziska zu verlassen – um mit ihr zu leben.

Doch auch das gestaltet sich schwierig. Für seine Aufenthaltserlaubnis muss Jay studieren - und bekommt einen Studienplatz in Weimar, weit von München entfernt. Es ist das erste Mal, dass er nach Deutschland kommt. Zwei Jahre lang führen Franziska und Jay wieder eine Fernbeziehung, diesmal zwischen München und Weimar.


Hinduistische Hochzeit im Garten der Eltern

Sechs Jahre haben die beiden insgesamt aufeinander gewartet, Fernbeziehungen geführt, lange Zeiten ohne einander überstanden, bis sie endlich zusammenkommen: Jay zieht nach München. Nach einer kurzen Überbrückungszeit bei Franziskas Eltern ziehen die beiden zusammen und heiraten 2014. Im Garten der Eltern findet eine hinduistische Hochzeit statt.

Das Zusammenleben bedeutet auch: Beide müssen sich an die kulturellen Eigenheiten des anderen gewöhnen. Franziska ist anfangs nicht davon begeistert, immer scharf gewürzte Reisgerichte zu essen und dass Jay es mit Pünktlichkeit nicht so genau nimmt. Jay findet es seltsam, dass Deutsche abends oft nur kalt essen und sich ihre Freiheit mit ständiger Planung einengen. Doch beide bereichert auch die Sichtweise des anderen.


Franziska und  Jay im indischen Fotostudio. © BR Franziska und Jay im indischen Fotostudio.
Franziska und Jay bei der Hochzeit von Franziskas Schwester in Berchtesgaden. © BR Franziska und Jay bei der Hochzeit von Franziskas Schwester in Berchtesgaden.

Franziska und Jay 2018

Heute sind Franziska und Jay vier Jahre verheiratet. Sie leben in Deutschland und in Indien, so erzählt Franziska, damit "wir das Beste von beiden Kulturen für uns mitnehmen können". Jays Vater Appa ist inzwischen an Krebs verstorben. Die schweren Zeiten habe sie einen Teil der Familie werden lassen. Amma sei inzwischen wie eine Mutter für Franziska.

Für die Zukunft gibt es viele Pläne: Nach "Amma und Appa" haben Franziska und Jay ihren zweiten Kinodokumentarfilm fertiggestellt: Es geht um einen Verwandten von Jay, der als Bauarbeiter nach Dubai ging und dort unter mysteriösen Umständen verstorben ist.

Außerdem laufen die ersten Vorbereitungen für einen Spielfilm – eine Geschichte aus Ammas Kindheit.


Sendedaten
Montag, 9. Juli 2018, 22.25 Uhr

Amma und Appa
Ein Film von Franziska Schönenbergerund Jayakrishnan Subramanian

Info
© brArrangierte Ehen in Indien

In Indien wird die Ehe traditionell von Verwandten oder Eltern arrangiert. Es geht dabei meist nicht um große Gefühle, sondern um Status und Macht. Zwei Familien gehen eine Allianz ein. Liebe, sagen viele Inder, sei kein glücklicher Zufall; sie sei das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit.

Viele hatten vorausgesagt, dass mit der Globalisierung die arrangierte Ehe an ihr Ende kommen werde. Doch bis heute fädeln die Verwandten mehr als 80 Prozent aller Ehen im Land ein. Die Zahl der Liebesheiraten stagniert bei vier Prozent.

Doch das Internet verändert Indiens Heiratsmarkt. Es ist aber nicht das westliche Modell, das sich durchsetzt, sondern die "arrangierte Liebe".
Ein Viertel der neu geschlossenen Ehen gilt heute als semiarrangiert. Das heißt, dass Eltern und Kinder mehr oder weniger gemeinsam einen Partner suchen. Braut und Bräutigam erhalten ein paar Monate Zeit, einander kennenzulernen.

Buchtipp
© brTausche Dirndl gegen Sari
Der Film als Buch: Schon als Kind ist Franziska von Indien fasziniert. Im Internet lernt sie den Kunststudenten Jay kennen und besucht ihn schließlich in Mumbai. Der Beginn einer Liebe fürs Leben?

"Tausche Dirndl gegen Sari" ist die einzigartige Geschichte einer interkulturellen Familienzusammenführung.
Verlag: Atlantik 2016
ISBN-13: 9783455180145

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