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Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 1. Juni, 6 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 1. Juni, 6 Uhr)
Sascha Gurov wurde unter Drogen gesetzt und nach Dagestan verschleppt.
Verschleppt und verkauft
Arbeitssklaven in Russland
Es geht um Arbeitssklaven wie Sascha. Auf der Suche nach Arbeit vertraute er sich einem Schlepper an. Der betäubte ihn mit KO-Tropfen. Sascha arbeitete wochenlang ohne Lohn, bis er von Freiwilligen der Hilfsorganisation "Alternativa" befreit wurde.
In der russischen Föderation arbeiten über eine Million Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen, so Schätzungen. Nach absoluten Zahlen steht Russland damit auf der jüngsten Liste der Menschenrechtsorganisation "Walk Free Foundation" auf Platz 7 ihres "Welt-Sklaven-Index", relativ nach Einwohnerzahl ist es immerhin noch Platz 16.

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Die Arbeit in den Ziegeleifabriken Dagestans ist sehr hart, die Bedingungen schwer, viele der Arbeiter sind nicht freiwillig dort.
Sascha kam aus der Nähe von Moskau in die Hauptstadt. Auf der Suche nach Arbeit, vertraute er sich einem Schlepper an. Der betäubte ihn mit KO-Tropfen. Sascha wachte in der etwa 2.000 Kilometer entfernten Kaukasusrepublik Dagestan auf, in einer Ziegelei. Dort arbeitete er wochenlang ohne Lohn, bis er befreit wurde. "Ich hatte Angst, dass man mich töten würde, wenn ich einfach abhaue", sagt er heute, zurück in Moskau.

"In Russland werden Menschen durch ihre eigenen Landsleute versklavt", sagt Alexey von der Hilfsorganisation. "Das gibt es sonst nirgendwo in Europa."


Der schwere Weg zurück

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Jahrelange Zwangsehe und Misshandlungen liegen hinter dieser jungen Frau.
Alexey Nikitin und Zakir Ismailov sind die Köpfe von "Alternativa". Der Filmautor begleitet sie, wie sie Verschwundenen nachspüren - in den Ziegelbrennereien und auf den Bauernhöfen der Republiken, aber auch in Moskau selbst.

Eine Anwältin für Arbeitsrecht und ein leitender Staatsanwalt erklären die rechtlichen Lücken, die von den Ausbeutern genutzt werden. Auch sie helfen, Antworten zu geben auf die Frage: Warum grassiert die moderne Sklaverei im Osten Europas?


Sendedaten
Freitag, 1. Juni 2018, 20.15 Uhr

Verschleppt und verkauft
Arbeitssklaven in Russland

Ein Film von Yousif Al-Chalabi

Info
© wdrDas Foto zeigt das Büro der Moskauer Anwältin Gulnara Bobodjanova. Dort suchen viele Menschen Hilfe, die als moderne Arbeitssklaven ausgebeutet werden. Die Anwaltskanzlei wird von den Vereinten Nationen als Projektmodell gegen Sklaverei unterstützt.

Weltweit sind rund 40 Millionen Menschen Opfer von Sklaverei. Zudem müssen 152 Millionen Mädchen und Jungen Kinderarbeit verrichten. Das geht aus aktuellen UN-Berichten von 2017 hervor.

Unter dem Begriff der modernen Sklaverei verstehen die Experten eine Situation, in der die betroffenen Menschen gegen ihren Willen ausgebeutet oder zu einer Ehe gezwungen werden. Zudem können sie aus dieser Situation wegen Drohungen, Gewalt, Zwang oder Täuschung nicht entkommen.

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Risiko Armut
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