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Am 30 November 2017 (letzter erfasster Stichtag) befanden sich in Deutschland 64.351 Gefangene und Verwahrte in Justizvollzugsanstalten.
Wegsperren für immer?
Vom Umgang mit Schwerverbrechern
Was machen mit Schwerverbrechern, die ihre Haftstraße abgesessen haben? Haben sie nach einer jahrzehntelangen Haft nicht auch das Recht auf eine zweite Chance? Doch was ist mit dem Anspruch der Gesellschaft, vor möglichen Wiederholungstaten geschützt zu werden?

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Bürgerprotest gegen Sexualstraftäter
Der kleine Eifelort Randerath machte im Jahr 2009 bundesweit Schlagzeilen:
Aufgebrachte Bürger gingen hier monatelang auf die Straße. Sie wehrten sich dagegen, dass ein ehemaliger Vergewaltiger in ihre Nachbarschaft gezogen war. Der Protest lief aus dem Ruder, Rechtsextremisten nutzen den Fall für ihre Zwecke; und die Boulevardmedien trugen ihren Teil dazu bei, die Stimmung aufzuheizen.

Tiefe Wunden sind in der Gemeinde zurückgeblieben. Der Bruder des entlassenen Häftlings lebt inzwischen an einem geheimen Ort, der Haftentlassene selbst war zeitweise freiwillig zurück in eine JVA gegangen.Es sei eine „konstruierte“ Panik gewesen, sagt der Anwalt der Brüder im Rückblick und der Organisator der Proteste bekennt: „Es ging uns nicht um den Täter oder seinen Bruder - es ging uns darum, die Medien wachzurütteln.“


Recht auf eine zweite Chance?

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Thomas S. ermordete vor 10 Jahren seine Frau: „In Haft bin ich ein ganz anderer Mensch geworden".
Fälle wie diese werfen vor allem zwei Fragen auf:

Haben Menschen selbst nach schwersten Straftaten nicht das Recht auf eine zweite Chance? Und wie schützt man dann gleichzeitig die Umgebung vor Wiederholungstaten?

Mit diesen Fragen ging der Autor Wolfgang Luck in die JVA Ludwigshafen. Er traf dort einen Mann, der seine Frau ermordet hat und der mit Hilfe umfangreicher Therapieangebote auf das Leben in Freiheit vorbereitet wird.

Der Sozialarbeiter der Anstalt äußert sich dazu ganzpragmatisch: „Vielleicht sind unsere Häftlinge tickende Zeitbomben. Aber wir sind dafür da, sie zu entschärfen.“ Die Anstaltsleiterin ergänzt: „Der schwierigste Tag im Leben eines Häftlings ist der Tag der Freilassung. Der löst Lebenskrisen aus.“


Wie zuverlässig sind Therapien?

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Klaus Michael Böhm, Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe: „Therapie für Täter ist auch Opferschutz".
Doch was ist mit dem Anspruch der Allgemeinheit, vor möglichen gefährlichen Wiederholungstaten geschützt zu werden? Und wie zuverlässig sind solche Therapien? Machen sie tatsächlich aus Schwerverbrechern integrationswillige Normalbürger?

Der Karlsruher Richter Klaus Michael Böhm spricht von „präventivem Opferschutz“, wenn er mit seinem Verein BIOS pädophilen Kriminellen und Vergewaltigern zu Therapien verhilft. Wegsperren allein sei keine Lösung, sagt er. Das Justizsystem müsse sich dringend umstellen.

Bislang würden Therapien oft erst genehmigt, wenn ein Täter zum zweiten oder dritten Mal verurteilt werde. „Aber eine Gesellschaft darf es sich nicht leisten, auf Rückfälle zu warten.“


Sendedaten
Freitag, 25. Mai 2018, 20.15 Uhr

Wegsperren für immer? Vom Umgang mit Schwerverbrechern

Ein Film von Wolfgang Luck

"Wegsperren"?
© rbbJuristisch betrachtet ist mit "Wegsperren" die Sicherungsverwahrung gemeint, das vorsorgliche Wegschließen von Tätern, die ihre in einem Prozess verhängte Haftstrafe verbüßt haben.
Für das deutsche Rechtssystem auf der einen und das allgemeine Sicherheits- und Gerechtigkeitsempfinden auf der anderen Seite ist dies ein äußert komplexes und umstrittenes Thema.

Rechtssprechung:
2011 urteilte das BVerG, dass Straftäter, die ihre Haftstrafe abgesessen haben, aber weiterhin als gefährlich gelten, besser untergebracht werden müssten als Strafgefangene.

Hintergrund
© dpa Uli DeckDas sagt das Bundesverfassungsgericht

Urteil des BVerfG zur Verfassungswidrigkeit der Sicherungsverwahrung

Pro & Contra
© SWRSollen Schwerstkriminelle für immer weggesperrt werden?

Welche Positionen vertreten Anwälte und Sachverständiger zu diesem Thema?

Infografik
© statistaLupeAnzahl der Gefangenen und Verwahrten*

In den Justizvollzugsanstalten in Deutschland nach Bundesländern am 30. November 2017.

Quelle: Statistisches Bundesamt.