© NDR/diwafilm GmbH
Impressionen aus "Gift"Impressionen aus "Gift"
Welt­weit ent­spricht laut Welt­gesund­heits­organisation WHO bei zehn Prozent der Medikamente der Inhalt nicht dem Packungs­aufdruck.
Medikamentensicherheit
Von Fälschungen und Superkeimen
Am Dienstabend dreht sich bei 3sat alles um das Thema Medikamentensicherheit. Den Auftakt macht der Wirtschaftsthriller "Gift" um 20.15 Uhr, gefolgt von der Dokumentation "Gefälschte Medikamente" um 21.45 Uhr.
Über Zwischenhändler kann gepanschte Ware auch nach Deutschland in den legalen Handel kommen. Apotheken müssen nämlich einen Anteil von fünf Prozent an Medikamenten von Importeuren beziehen. Die können oft günstiger liefern als inländische Händler. Die Importquote soll helfen, die Arzneimittelausgaben für die Krankenkassen zu begrenzen.


Importquote: Einfallstor für Fälschungen

Das Problem bei diesen Reimporten: Die Arzneimittel werden dabei über zahlreiche Zwischenhändler kreuz und quer durch die EU weiterverkauft. Und je mehr Hände im Spiel sind, desto wahrscheinlicher wird es, dass eine davon einem Kriminellen gehört, der gestohlene und verfälschte Medikamente in den legalen Handel schleust.

Für Kriminelle ist die Gefahr erwischt zu werden gering. Eine Ermittlungseinheit oder wenigstens systematische Kontrollen gibt es nicht.


Die Arzneimittelkommission der Apotheker ist unabhängiger Teil der Risikoabwehr und des Patientenschutzes in Deutschland. © ard Die Arzneimittelkommission der Apotheker ist unabhängiger Teil der Risikoabwehr und des Patientenschutzes in Deutschland.
Rund 12 Millionen gefälschte Tabletten, Kapseln und Ampullen haben die Zollbehörden im Juni 2016 in einer weltweiten Aktion sichergestellt -  ein Bruchteil der gefälschten Arzneimittel. © ard Rund 12 Millionen gefälschte Tabletten, Kapseln und Ampullen haben die Zollbehörden im Juni 2016 in einer weltweiten Aktion sichergestellt - ein Bruchteil der gefälschten Arzneimittel.

Verwirrende Zuständigkeiten

Dabei mangelt es nicht an zuständigen Behörden: Neben Zoll und Polizei sind als Kontrollbehörden in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zuständig. Dazu kommen die Landesgesundheitsbehörden und die Bezirksregierungen, bei denen die eigentliche Medikamentenaufsicht liegt.

Tödliches Risiko: Jedes 100. Medikament könnte gefälscht sein

Jedes hundertste Medikament könnte in Deutschland gefälscht sein, so vermuten Experten. Wie weit unterhalb von einem Prozent die Zahl der Fälschungen liegt, das lässt sich aber nicht zuverlässig sagen, solange es nicht mehr Kontrollen gibt. Weltweit, so schätzt man, sterben jedes Jahr eine Million Menschen durch die Einnahme gefälschter Medikamente.

Die Arzneimittelimporte senken die Ausgaben für Medikamente gerade einmal um ein Prozent, so der Verband der Arzneimittelimporteure. Ein Prozent mehr - etwa so viel müssten die Versicherten also investieren, um vor gefälschten Medikamenten im legalen Handel sicherer zu sein.


Unsere Filme und Dokus im Überblick:


Der Fernsehfilm: "Gift" (20.15 Uhr)

© ARD
Heiner Lauterbach spielt den Pharmagroßhändler, der reinen Tisch machen will und zum Whistleblower wird.
"Gift" erzählt die Geschichte eines skrupellosen Pharmahändlers, der weltweit Arzneimittel aus dubiosen Quellen verkauft, ungeachtet der Gefahren und Folgen für die kranken Patienten.

Bei einer Razzia im deutsch­tschechischen Grenzgebiet stößt die Interpol­-Agentin Juliette Pribeau (Julia Koschitz) auf eine Lieferung gefälschter Krebsmedikamente, die an den deutschen Pharmahändler "KompaPharm" in München adressiert sind.

Der Besitzer des florierenden Großhandels, Günther Kompalla (Heiner Lauterbach), gerät ins Visier der Ermittlerin. Was sie nicht weiß: Kompalla hat nach einer Krebsdiagnose nur noch wenige Monate zu leben. Er will seine Firma so schnell wie möglich verkaufen und sich mit seiner Tochter aussöhnen.


 

Gefährliche Medikamente (21.45 Uhr)

© NDR/diwafilm GmbH
Die Dokumentation verfolgt den Weg der Medikamente von der Herstellung zum Patienten.
Die Dokumentation verfolgt den Weg der Medikamente von der Herstellung bis zum Verkauf und fragt: Wo wird gepanscht, gestreckt und gefälscht?

Gestützt auf vertrauliche Dokumente, Aussagen von Whistleblowern, Ermittlern und Experten, entsteht das Bild einer Branche, in der einzelne Unternehmen Todesopfer in Kauf nehmen, um die Rendite zu steigern.

Die investigative Dokumentation "Gefährliche Medikamente – gepanscht, gestreckt, gefälscht" ergänzt den Fernsehfilm um Recherchen von realen Fällen und vertiefende Informationen zum Thema Medikamentensicherheit. Was im Fernsehfilm verdichtet ist, wird in der Dokumentation aufgefächert.


 

Der unsichtbare Feind (22.45 Uhr)

© NDR/Elena Kuch
Wasser und Sediment einer Probe aus einem Abwasserkanal.
Hunderttausende Menschen sterben jedes Jahr durch multiresistente Keime. Die Dokumentation deckt auf, wie Pharmakonzerne dazu beitragen, dass tödliche Supererreger entstehen.

Weltweit warnen Experten und Politiker vor der sich abzeichnenden Katastrophe: Multiresistente Erreger sind die derzeit größte Gefahr für die moderne Medizin.


 

Unsere Zukunft (23.30 Uhr)

© SRF_NZZ Format
Der FilmDer Film
Bereits in den frühen 70er Jahren warnten Wissenschafter und Ärzte vor möglichen Antibiotika-Resistenzen.
An multiresistenten Bakterien, gegen die kein Antibiotikum mehr wirkt, sterben schon jetzt jedes Jahr in Europa mindestens 25 000 Menschen. Die WHO spricht von der vielleicht grössten globalen Bedrohung dieses Jahrhunderts. Die Zeit der Antibiotika scheint abgelaufen, aber noch gibt es kaum valable Alternativen.

3sat-online stellt einige davon vor. Und sagt was jeder einzelne von uns tun kann.
weiter ...


Sendedaten
Dienstag, 22. Mai ab 20.15 Uhr

3sat-Themenabend: Medikamentensicherheit

Info
© ardDer Regisseur von "Gift", Daniel Harrich, hat sich im Genre des investigativen Spielfilms in Deutschland etabliert.

Mit seinem Film "Der blinde Fleck" hat er unter anderem die Wiederaufnahme der Ermittlungen zum Oktoberfestattentat von 1980 durch die Bundesanwaltschaft erreicht.

Nach seinen Enthüllungen illegaler Waffenexporte nach Mexiko und Kolumbien mit dem Spielfilm "Meister des Todes" und seinen Dokumentationen "Waffen für die Welt" und "Tödliche Exporte" gab es eine Untersuchung im Bundestag und einen Prozess gegen ehemalige Mitarbeiter des deutschen Waffenkonzerns Heckler & Koch.

Gift ist sein dritter investigativer Spielfilm nach wahren Begebenheiten.
(Im Bild: Heiner Lauterbach, Maria Furtwängler und Regisseur Daniel Harrich.)

Web-Special
© ardPharmacrime - Gefährliche Medikamente
In vier Kapiteln folgt diese Web-Dokumentation den Spuren gefälschter Medikamente und prüft, wo diese herkommen, was sie anrichten und auf welchen Wegen sie auch zu uns nach Deutschland gelangen.
Deutsche Rüstungsexporte
Deutsche Panzer in die Türkei, Fregatten nach Algerien oder Hubschrauber für Saudi-Arabien: Die Produkte der deutschen Rüstungsindustrie sind weltweit begehrt. Doch was passiert, wenn deutsche Waffen in Krisen- oder Kriegsgebieten eingesetzt werden?
Das Thema auf 3sat.de
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
Medikamente für alle!
Pharmafirmen konzentrieren sich heute mit ihrer Forschung auf Krankheiten, die vor allem Bürger der alternden Industrienationen treffen - und große Gewinne versprechen.
Weltweiter Antibiotikaverbrauch steigt immens
Um 65 Prozent ist der Antibiotikaverbrauch weltweit innerhalb von 15 Jahren gestiegen: Forscher sind alarmiert.