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Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten lassen sich bislang nur schwer therapieren.
Nahrung als Feind?
Lebensmittelunverträglichkeiten auf dem Vormarsch
Gluten, Laktose, Erdnüsse - sind die Lebensmittelunverträglichkeiten wirklich auf dem Vormarsch, oder werden sie nur häufiger festgestellt? Die meisten Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten können noch nicht geheilt werden. Aber es gibt andere, hilfreiche Strategien.
Vier, fünf Fachärzte sucht ein Betroffener mitunter auf, bevor er endlich zum Allerlologen geschickt wird, nicht zuletzt wegen der unklaren Symptome: Die Diagnose einer Lebensmittel-Intoleranz gleicht einer komplizierten Spurensuche. Dabei sind inzwischen über zehn Prozent der Bevölkerung von Lebensmittel-Unverträglichkeiten betroffen, glauben Experten wie Professor Reinhart Jarisch, der bis 2010 Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums in Wien war: "Ich bin überrascht, wie viele Menschen es gibt, die wirklich schwere Probleme haben."

Ursache: moderne Lebensweise?

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Viele Menschen fürchten, natürliche Bestandteile wie Lactose in der Milch, Gluten im Brot oder Fructose im Obst könnten krank machen. Justus Kliss auf dem Milchhof Mendler im Süden von Berlin.
Die Zahl der Betroffenen ist in den letzten Jahrzehnten signifikant gestiegen. Mit ein Grund dürfte sein, dass heutige Lebensmittel sehr viel mehr Zusatz- oder Austauschstoffe enthalten als noch zu Großmutters Zeiten.

Internist Michael Weidenhiller aus Regensburg: "Diabetikern etwa möchte man was Süßes bieten und nimmt Ersatzzucker. Den kriegen dann auch andere Patienten, und die können davon Probleme bekommen."

Denn Diätgebäck und Light-Produkte enthalten statt Saccharose Fruktose. Viel zu viel Fruktose für manchen. Mit Sorbit oder E 420 gesüßte Lebensmittel stellen ein weiteres Problem dar. Denn Sorbit vermindert die Fähigkeit des Dünndarmes, Fruktose aufzunehmen.


Lebensmittel weiterverarbeiten oder vermeiden?

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Justus Kliss mit der Ernährungsmedizinerin Dr. Diana Rubin auf dem Milchhof.
Bestimmte Allergene in Nahrungsmitteln werden durch Kochen, Zerkleinern oder Säuern zerstört, das trifft vor allem auf Obst- und Gemüsesorten zu. Wer beispielsweise keine frischen Karotten verträgt, für den könnte ein Eintopf oder Möhrenkuchen eine bekömmliche Alternative sein. Ausschlaggebend ist, dass eine Weiterverarbeitung stattfindet.

Bei anderen Lebensmitteln wie Nüssen oder tierischen Produkten verändern sich beim Kochen die Allergene hingegen nicht oder nur unwesentlich. Hier hilft nur der komplette Verzicht. Betroffene müssen besonders darauf achten, ob sich das Lebensmittel in verarbeiteten Nahrungsmitteln "versteckt". Oft ist das bei Nüssen, Eiern, Getreide, Milch, Soja und Sellerie der Fall.


Die 14 kennzeichnungspflichtigen Hauptallergene

  • Weizen und daraus hergestellte Erzeugnisse
  • Krebstiere und Krebstiererzeugnisse
  • Eier und Eierzeugnisse
  • Fisch und Fischerzeugnisse
  • Erdnüsse und Erdnusserzeugnisse
  • Soja und Sojaerzeugnisse
  • Milch und Milcherzeugnisse
  • Sellerie und Sellerieerzeugnisse
  • Senf und Senferzeugnisse
  • Sesamsamen und Sesamsamenerzeugnisse
  • Lupinen und Lupinenerzeugnisse
  • Weichtiere und daraus hergestellte Erzeugnisse
  • Schwefeldioxide und Sulfite
  • Nüsse und daraus hergestellte Erzeugnisse

Sendedaten
Freitag,11. Mai 2018, 20.15 Uhr

Nahrung als Feind?

Ein Film von Erika Brettschneider

Info
© dpaAllergie & Unverträglichkeit: Unterschiede

Generell kann folgende Faustregel als ungefähre Richtlinie angewandt werden: Proteine lösen allergische Reaktionen aus, Zucker wie Fruchtzucker oder Milchzucker hingegen Unverträglichkeiten. Milch kann theoretisch beides verursachen, nämlich eine Allergie gegen Milcheiweiß oder eine Unverträglichkeit gegen Milchzucker.

Unverträglichkeiten, wie sie etwa bei Obst oder Getreideprodukten auftreten, sind keine Allergien im klassischen Sinn. Der wesentliche Unterschied: Die Beschwerden können noch Stunden nach dem Essen auftreten, während bei einer Allergie immer eine unmittelbare Reaktion des Körpers ausgelöst wird.

Bei der Allergie werden gezielt Antikörper gegen das jeweilige Allergen gebildet, bei einer Unverträglichkeit nicht. Eine allergische Reaktion fällt unterschiedlich, aber deutlich aus: Zum Beispiel juckt kurz nach dem Essen der Rachen, die Lippen oder die Mundschleimhaut schwellen an, oder die Haut bekommt rote Flecken. Bei Unverträglichkeiten gibt es keine so deutlichen Symptome: Die entstehenden Verdauungsbeschwerden lassen sich oft nicht eindeutig zuordnen.

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