© dpa/Jean-Christophe Bott
Proteste in der Schweiz gegen den Monsanto-Deal von Pharmakonzern Bayer.
Mit Glyphosat und Gen-Saat
Wie Bayer mit Monsanto die Landwirtschaft verändern will
Der Bayer-Konzern steht unmittelbar vor dem Kauf des Saatgutherstellers Monsanto. Mit Russland und China hat auch die EU-Kommission den fast knapp 63 Milliarden Euro teuren Deal genehmigt. Wenn die US-Behörden voraussichtlich Ende Mai noch zustimmen, steigt Bayer zum größten Agrochemiekonzern der Welt auf. Was hat das für Konsequenzen?
Bis 2050 müssen zehn Milliarden Menschen ernährt werden. Mit moderner Technologie wollen nun Monsanto und Bayer gemeinsam die industrielle Landwirtschaft weiterentwickeln. Gentechnisch verändertes Saatgut wird in dem Plan eine wichtige Rolle spielen.

Der Filmautor hat mit Befürwortern und Kritikern der Mega-Fusion gesprochen...  © WDR Der Filmautor hat mit Befürwortern und Kritikern der Mega-Fusion gesprochen...
... und drehte in den Forschungslaboren von Monsanto in den USA.  © WDR ... und drehte in den Forschungslaboren von Monsanto in den USA.

Das Saatgutmonopol

Als weltgrößter Saatguthersteller dominiert Monsanto das Geschäft wie kein anderer Konzern. Landwirte, die gentechnisch verändertes Saatgut von Monsanto kaufen, müssen sich verpflichten, kein Saatgut aus der Ernte für die kommende Aussaat aufzuheben und zu verwenden – anders als das über Jahrhunderte üblich war.

Kritiker werfen dem Konzern die rigorose Verteidigung seiner Patente mit Gerichtsverfahren vor. Monsanto weist die Vorwürfe zurück, man verteidige nur sein geistiges Eigentum. Das von Monsanto entwickelte Saatgut habe Eigenschaften, die in der Natur normalerweise nicht aufträten.

Doch nach Einschätzung von Umweltschutzorganisationen sind Landwirte von wenigen Saatgutfirmen abhängig. Viele würden durch die hohen Kosten in den Ruin getrieben.


Führungsposition in der Gentechnik

© WDR
In Südamerika und Indien traf der Autor Wissenschaftler und Bauern, die bereits eigene Erfahrungen mit Monokulturen, Monsanto-Saatgut und Monsanto-Pestiziden gemacht haben.
In den 1980er Jahren machte Monsanto die Biotechnologie zu einer wichtigen Säule im Unternehmen. Die Firma konzentrierte sich auf die Züchtung von Hochleistungssorten und entwickelte Saatgut, das selbst ein Insektengift produziert und deshalb resistent gegen Schädlinge ist.

Auch das Besprühen mit Unkrautvernichtern – die Monsanto selbst vertreibt – überstehen einige Sorten. Vorreiter ist das Unternehmen bei Genmais. Der Anbau ist in Deutschland und der EU umstritten.

Seit 2007 entwickeln Monsanto und BASF gemeinsam ertragreichere Nutzpflanzen, wie Mais und Sojabohnen, die zudem widerstandsfähiger etwa gegen Trockenheit sind.


Warum Bayer profitiert

Wegen der intensiven Forschung ist das Geschäft mit Pflanzenschutz und Saatgut teuer und deswegen von wenigen Konzernen dominiert. Bayer wollte auch im Geschäft dabei sein. Monsanto ist auf dem US-Markt und Nordamerika stark. Mit der Expertise bei chemischen Produkten für die Landwirtschaft kann Bayer Monsanto aus der Abhängigkeit vom Saatgut abhelfen.

Falls nun Ende Mai die Wettbewerbshüter der USA unter einigen Auflagen grünes Licht für den Deal geben, steht einer Vormachtstellung von Bayer für den Verkauf von Saatgut und Pestiziden nichts mehr im Weg.


Sendedaten
Freitag, 4. Mai 2018, 20.15 Uhr

Mit Glyphosat und Gen-Saat

Ein Film von Michael Heussen und Ingolf Gritschneider

Info
© dpaDer Megadeal

Mitte September 2016 haben sich der Vorstandsvorsitzende des deutschen Traditionsunternehmens Bayer Werner Baumann (links im Bild) und US-Monsanto-Chef Hugh Grant auf einen der größten Deals in der Agrochemiebranche geeinigt. Bayer würde für eine Rekordsumme von aktuell 62,5 Milliarden Euro den US-Saatgut- und Pestizidhersteller Monsanto übernehmen, falls die Kartellbehörden zustimmen.

Monsanto steht seit Jahren wegen seiner aggressiven und fragewürdigen Geschäftspraktiken weltweit in der Kritik. Das Unternehmen produziert gentechnisch verändertes Saatgut von Mais, Soja und Baumwolle, das gegen Schädlinge resistent ist. Gleichzeitig verkauft es Pestizide, die sich mit dem Saatgut vertragen.

Auch das Unkrautmittel "Roundup" mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat wird von Monsanto produziert. Dieses steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

In den USA klagen Tausende von Krebsopfer gegen Monsanto, weil sie Glyphosat als Ursache für ihre Erkrankung sehen. Der Konzern bestreitet einen Zusammenhang.

US-Landwirte fordern Entschädigungen für Ernteausfälle wegen Monsanto-Produkten. Monsanto gibt die Schuld den Bauern: Diese hätten sich nicht an die Gebrauchsanweisungen gehalten.

Mehr zum Thema auf 3sat.de
Übernahmepoker: Monsanto will mehr
Der Versuch des Bayer-Konzerns, auf dem Weg an die Spitze der globalen Agrochemie Monsanto zu übernehmen, geht in die nächste Runde.
Der Kampf um die Saaten
Zehn Milliarden Menschen müssen 2050 ernährt werden. Eine riesige Aufgabe und ein riesiges Geschäft.
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.