© SWR
Ganze Sendung ansehen (ab Sonntag, 29. April, 6 Uhr)Ganze Sendung ansehen (ab Sonntag, 29. April, 6 Uhr)
Su Nuraxi ist die am besten erhaltene Groß-Nuraghe in Sardinien.
Sardinien
Die Geheimnisse der Nuraghen und des Cantu a tenore
Über siebentausend Rundtürme aus tonnenschweren Steinbrocken sind über ganz Sardinien verstreut. Oft sind nur noch die Stümpfe dieser megalithischen Bauten vorhanden, die Nuraghi genannt werden. Der Nuraghe Su Nuraxi ist der größte und am besten erhaltene Nuraghenkomplex von ganz Sardinien. Seit 1997 steht der Komplex unter dem Schutz der UNESCO als Weltkulturerbe - als einziges Bauwerk auf Sardinien.
In strategisch günstiger Lage wurde der Nuraghen-Komplex Su Nuraxi gebaut. © SWR In strategisch günstiger Lage wurde der Nuraghen-Komplex Su Nuraxi gebaut.
Oft wurden die Nuraghen in Sichtweite zueinander gebaut. © SWR Oft wurden die Nuraghen in Sichtweite zueinander gebaut.

Die Ersten wurden um 1400 v. Chr. erbaut. Zwischen die mächtigen Blöcke wurden kleine Steine gesteckt, eine Bauweise, die die Steintürme einsturzsicher machte. Allesamt sind sie Zeugen, die einer der größten frühgeschichtlichen Inselkulturen des Mittelmeerraumes ihren Namen gaben: der Nuraghenkultur.

Keine schriftlichen Zeugnisse

Die alten Sarden haben keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen. Ungeklärt ist, ob sie überhaupt eine Schrift benutzten. So bleibt vieles im Dunkeln. Auch was es mit den gewaltigen Turmbauten auf sich hat.

Die meisten der Nuraghi finden sich im Inselinnern. Dort besetzen sie in strategisch günstiger Lage die Spitzen von Hügeln. Oft sind mehrere in Sichtweite aufgereiht. So spricht vieles dafür, dass sie vor allem der Verteidigung dienten, Schutz boten vor Seeräubern und anderen Eindringlingen.


Inspiration für Künstler

© swr
Die Nuragher brachten ihren Göttern Bronzefiguren als Opfergaben dar.
Von der Religiosität der Nuragher erzählen Wasserheiligtümer wie das von Santa Cristina. Eine Treppe führt unter die Erde in einen perfekt gearbeiteten Brunnenraum. Beeindruckend ist auch die Deckenkonstruktion in Form einer umgekehrten Treppe. Hier wurden wohl Reinigungs- und Fruchtbarkeitsrituale veranstaltet.

Wie Grabungen der Archäologen nahelegen, auch Bronzefiguren als Votivgaben geopfert, um die Gunst der Götter zu gewinnen. Mit ihren Werken behandelten sie Themen des Alltagslebens und des Kultes.

Auch waren sie damals begehrte Handelsobjekte, wie Grabfunde in Ägypten und Etrurien zeigen.

Und Jahrtausende später haben die langgliedrigen Figuren Künstler der Moderne wie Alberto Giacometti inspiriert.


Der Cantu a tenore der Hirten

Wie die Nuraghi stellt auch der Cantu a tenore, Sardiniens immaterielles Kulturerbe der Menschheit, die Wissenschaftler vor Rätsel. Manche vermuten die Wurzeln des archaischen Gesangs in der Nuraghenkultur.

Sicher ist, dass der Cantu a tenore tief in der Welt der sardischen Hirten verwurzelt ist. In ihm spiegelt sich die Einsamkeit der Hirten in den Bergen, ihr enger Kontakt mit der Natur. Seit Menschengedenken wird auf Sardinien der Cantu a tenore von Generation zu Generation über Zuhören und Mitsingen weitergegeben.


Eine spiralförmige Treppe führte in den oberen Teil der prähistorischen Rundtürme. © SWR Eine spiralförmige Treppe führte in den oberen Teil der prähistorischen Rundtürme.
Umgeben von meterdicken Wänden: Eine runde Kammer in der Nuraghe Su Nuraxi. © SWR Umgeben von meterdicken Wänden: Eine runde Kammer in der Nuraghe Su Nuraxi.

Daten & Fakten
  • 15. Jh.v. Chr. - 2. Jh. n. Chr.: Bau der Nuraghen in verschiedenen Phasen
  • 1500-500 v. Chr.: Nuraghenkultur
  • 1460 (+/- 200) v. Chr.: Durch Radiokarbon-Untersuchung eines im Gewölbe von Su Nuraxi eingeklemmten Restes eines Wacholderstammes.
  • 1940: erste Probebohrungen
  • 1949-56: archäologische Untersuchen von Su Nuraxi
  • 1997: UNESCO-Ernennung

In Detailansicht öffnen Über den Innenhof erreicht man zwei Seitentürme der Nuraghe Su Nuraxi.Über den Innenhof erreicht man zwei Seitentürme der Nuraghe Su Nuraxi. © SWR In Detailansicht öffnen Über den Innenhof erreicht man zwei Seitentürme der Nuraghe Su Nuraxi.Über den Innenhof erreicht man zwei Seitentürme der Nuraghe Su Nuraxi.
Sonnenaufgang bei der geheimnisvollen Nuraghe Mannu. © SWR Sonnenaufgang bei der geheimnisvollen Nuraghe Mannu.

Sendedaten
Sonntag, 29. April 2018, 19.40 Uhr

Sardinien

Ein Film von Willy Meyer

Info
© dpaStrafanzeige gegen Rheinmetall

Sardinien ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel im Mittelmeer. Sie zählt über eineinhalb Millionen Einwohner. Vor Kurzem geriet die Insel wegen Waffenherstellung in die Schlagzeilen:

Der Rüstungskonzern Rheinmetall produziert auf der Insel Bomben, die nach Saudi-Arabien exportiert wurden. Ihre Tochter vor Ort heißt RWM Italia. Mitte April haben die italienischen Behörden Strafanzeige wegen illegaler Waffenlieferungen gestellt.

Die Anzeige wurde von Menschenrechtorganisationen wie das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) mit Sitz in Berlin, Mwatana sowie die italienischen Organisationen Rete Disarmo und Opal gemeinsam bei der Staatsanwaltschaft in Rom eingereicht. Der Vorwurf: Italienische Beamten hätten seit Jahren trotz des Kriegs in Jemen Exporte von Rheinmetall-Bomben nach Saudi-Arabien genehmigt.

Wildes Italien: Von den Alpen zum Mittelmeer
Die zweiteilige Dokumentation "Wildes Italien - Von den Alpen ans Mittelmeer" vermittelt ein ungewöhnliches Italien-Erlebnis. Sie zeigt, wie selbst in einer seit Jahrtausenden von Menschen besiedelten und kultivierten Landschaft einzigartige Lebensräume für Wildtiere erhalten bleiben und teilweise sogar neu entstehen.
Klicktipps auf 3sat.de
Schildkröten - der Charme des Alters
Es gibt sie seit 200 Millionen Jahren auf dem Planeten Erde. Schildkröten strahlen eine beneidenswerte Gelassenheit aus und werden sprichwörtlich alt. Doch darüber hinaus birgt ihr Leben viele dramatische und bisher noch nie gefilmte Geschichten.
Weitere Weltschätze...
China
Das berühmteste Welterbe in China sind inzwischen die tönernen Soldaten des 1. Kaisers, die seit 2.200 vor Christus sein Grab bei Xian bewachen. Mit einer Dokumentation über den unterirdischen Grabpalast beginnt 3sat seinen Themennachmittag zu China.
Afrika
Ende März haben 44 afrikanische Staaten eine Vereinbarung über eine Freihandelszone unterschrieben. Wenn alle Mitgliedsländer das Abkommen ratifizieren, würde der größte gemeinsame Markt der Welt entstehen. Ein wichtiger Schritt für mehr Wohlstand, den der Kontinent so nötig hat.