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Nelson Rolihlahla Mandela, geboren am 18. Juli 1918, war von 1994 – 1999 der erste "schwarze Präsident" Südafrikas.
Nelson Mandela
Sein Leben ist untrennbar mit dem Kampf der schwarzen Südafrikaner für Gleichberechtigung verbunden: Nelson Mandela. 1993 erhielt er zusammen mit dem damaligen Staatspräsident Frederik de Klerk den Friedensnobelpreis, ein Jahr später wurde er der erste schwarze Präsident seines Heimatlands – nach über 40 Jahren Apartheid.
Von Alexia Späth

Die Apartheid wurde 1948 in Südafrika gesetzlich verankert. Den Apartheidgesetzen gemäß wurde die Bevölkerung in vier Gruppen unterteilt: Schwarze, Weiße, Farbige und Asiaten. Jeder Bewohner Südafrikas musste sich klassifizieren lassen. Welche politischen oder sozialen Rechte jemand hatte und welche Ausbildungsmöglichkeiten ihm offen standen, war von der Gruppenzugehörigkeit abhängig.

Am stärksten benachteiligt waren die Schwarzen. Ihnen war der Aufenthalt in weißen Stadtgebieten verboten. Sie hatten nicht einmal ein Wohnrecht in ländlichen Gebieten.


Die Gefängnisinsel Robben Island. Hier war Nelson Mandela bis 1981 inhaftiert. © SWR Die Gefängnisinsel Robben Island. Hier war Nelson Mandela bis 1981 inhaftiert.
Nelson Mandela hält nach seiner Freilassung am 11. Februar 1990 seine erste Rede in Kapstadt. © dpa/afp Nelson Mandela hält nach seiner Freilassung am 11. Februar 1990 seine erste Rede in Kapstadt.

Mitbegründer des militanten ANC-Flügels

Gegen diese Diskriminierungen kämpfte der ANC zunächst mit den gleichen Mitteln, die Mahatma Gandhi in Indien angewandt hatte, wie Boykott, Streik und zivilem Ungehorsam. Doch später auch mit Gewalt.

1961 wurde Mandela Anführer des bewaffneten Flügels des ANC. Ende 1961 machte er erstmals durch Bombenanschläge auf sich aufmerksam. Im August 1962 wurde er verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis wegen illegaler Auslandsreisen und Streikaufrufs verurteilt. Im Juni 1964 wurde er erneut verurteilt, diesmal zu lebenslanger Haft wegen Planung eines bewaffneten Kampfes.


Schülerunruhen in Soweto

© dpa
Das Hector-Pieterson-Mahnmal in Soweto zur Erinnerung an die Unruhen. Pieterson war zwölf Jahre alt, als er von der Polizei erschossen wurde.
Während der folgenden zwei Jahrzehnte spitzten sich die Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und der Freiheitsbewegung immer mehr zu. Jede Opposition gegen das Apartheidregime galt als kriminelles Delikt und der südafrikanische Staat griff hart gegen jeglichen Widerstand durch.

Im Juni 1976 kam es zur Eskalation: Schwarze Schulkinder in Soweto, einem Township südwestlich von Johannesburg, protestierten friedlich gegen die Einführung von Afrikaans statt Englisch als Unterrichtssprache. Die Polizei feuerte auf die Kinder. Bei dem Massaker starben 600 Menschen, ein Viertel von ihnen waren Kinder.

Die Tragödie von Soweto erregte weltweit Empörung und in Südafrika eskalierte der Widerstand gegen die Apartheid zum offenen Bürgerkrieg. International wurde Südafrika durch UN-Sanktionen isoliert.


Wichtige Verbündete: Der damalige Staatspräsident William de Klerk setzte sich für Nelson Mandelas Freilassung ein und schaffte die Apartheid ab. 1993 wurden sie gemeinsam mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. © dpa Wichtige Verbündete: Der damalige Staatspräsident William de Klerk setzte sich für Nelson Mandelas Freilassung ein und schaffte die Apartheid ab. 1993 wurden sie gemeinsam mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Gemeinsam mit dem Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, setzte sich Mandela für die Aussöhnung der Gesellschaft ein. Ab 1995 war Tutu Vorsitzender der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission. © dpa Gemeinsam mit dem Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, setzte sich Mandela für die Aussöhnung der Gesellschaft ein. Ab 1995 war Tutu Vorsitzender der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission.

Freiheit für Nelson Mandela

Anfang der 80er Jahre begann eine weltweite Kampagne zur Freilassung von Nelson Mandela. Doch erst als Staatspräsident Pieter Willem Botha von seinem Amt zurücktrat und Frederik Willem de Klerk seine Nachfolge antrat, zeichnete sich eine Lösung ab. Die Apartheidgesetze wurden abgeschafft. Am 11. Februar 1990 verließ Nelson Mandela das Gefängnis – nach 27 Jahren!

Ihm gelang das Wunder, sich nach Jahrzehnten erlittener Ungerechtigkeit und Demütigungen mit den politischen Gegnern zu versöhnen – und dadurch seinem Land und dessen Bevölkerung den Weg für ein friedliches Zusammenleben zu ebnen.

Am 5. Dezember 2013 ist Nelson Mandela nach langer Krankheit gestorben.

Die Dokumentation bietet Einblicke in das Leben dieser großen Persönlichkeit. Sie zeichnet ein persönliches Porträt, besucht den Geburtsort Mandelas in der Transkei und spricht dort mit Verwandten und Freunden.


Nelson Mandela und seine Frau Winnie Mandela nach seiner Entlassung aus dem Victor Verster Gefängnis in Kapstadt am 11. Februar 1990.  © dpa/Greg English Nelson Mandela und seine Frau Winnie Mandela nach seiner Entlassung aus dem Victor Verster Gefängnis in Kapstadt am 11. Februar 1990.
Auch Winnie Mandela galt lange als Symbolfigur des Anti-Apartheid-Kampfes in Südafrika. Sie starb am 2. April mit 81 Jahren.  © dpa/Matt Dunham Auch Winnie Mandela galt lange als Symbolfigur des Anti-Apartheid-Kampfes in Südafrika. Sie starb am 2. April mit 81 Jahren.

Sendedaten
Mittwoch, 11. April 2018, 17.30 Uhr

Nelson Mandela

Ein Film von Uli Neuhoff

Info
© dpa18. Juli 1918 Geboren in Mvezo
1944 Beitritt zum African National Congress (ANC)
1952 Eröffnung des ersten von Schwarzen geführten Rechtsanwaltsbüros in Johannesburg
1960 Verbot des ANC
1964-1981 Haftstrafe auf der Felseninsel "Robben Island" wegen Unruhestiftung
1982-1988 Haftstrafe im Hochsicherheitsgefängnis von Pollsmoor
1989 Erstes Treffen mit Staatspräsident de Klerk
1990 Freilassung
1993 Friedensnobelpreis gemeinsam mit de Klerk
1994-1999 Staatspräsident
5. Dezember 2013 Tod in Johannesburg
Hintergrund
© dpaApartheid in Südafrika
Mit der Apartheid ist die Politik der konsequenten Rassentrennung gemeint, die bereits 1910 durch erste Gesetzgebungsmaßnahmen in der damals neu gegründeten Südafrikanischen Union begann. So wurden Schwarze 1911 verpflichtet, nur niedrige Arbeiten zu verrichten. 1913 wurden Siedlungsgebiete nur für Schwarze ausgewiesen.

Ab 1948 wurde das gesamte öffentliche Leben einer strikten Rassentrennung unterworfen, deren Einhaltung mit massiver Polizeigewalt durchgesetzt wurde. Ziel war es, die Rechte und Privilegien der weißen Minderheit zu schützen und zugleich billige schwarze Arbeitskräfte verfügbar zu haben.

Im Lauf der 1980er Jahre geriet die südafrikanische Regierung immer stärker unter innen- und außenpolitischen Druck. Der Führer der Schwarzen, Nelson Mandela, wurde nach 27 Jahren Haft freigelassen.

1992 setzte sich die weiße Minderheitsregierung unter Staatspräsident Frederik Willem de Klerk mit einem Reformprogramm durch.

Nach ersten freien Wahlen aller Südafrikaner wurde Nelson Mandela im Mai 1994 für fünf Jahre erster schwarzer Staatspräsident Südafrikas.

Offiziell endete das Apartheidregime 1994.

Themenwoche
Visionäre und Utopien
Utopien sind radikal - und Utopisten radikale Denker. Über Menschen, die für ihre Visionen von einer besseren Zukunft mit aller Kraft gekämpft haben - und solchen, die es heute noch tun. In über 20 Produktionen, darunter zahlreiche Erstausstrahlungen, widmet sich die Themenwoche visionären Denkern und revolutionären Ideen.
Gandhi
Der fesselnde und bewegende Lebensweg von Mahatma Gandhi, des 1948 ermordeten Führers der indischen Unabhängigkeitsbewegung, Vertreter der Gewaltlosigkeit und Vater eines freien Indien. - Der Monumentalfilm, an dessen Realisierung Richard Attenborough 20 Jahre lang arbeitete, wurde 1983 mit acht Oscars ausgezeichnet.
Dutschke
Er war das Gesicht der Generation 68 und wurde zur Ikone einer ganzen Bewegung: Am 11. April 2018 jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem Rudi Dutschke auf offener Straße niedergeschossen wurde. Das Attentat veränderte die Geschichte der Bundesrepublik.