© Pa/Daniel Reinhardt
Ganze Sendung (ab Freitag, 30. März, 6 Uhr)Ganze Sendung (ab Freitag, 30. März, 6 Uhr)
Johannespassion
Von Johann Sebastian Bach
Die "Johannespassion" von Johann Sebastian Bach gilt als besonders dramatisches Werk des Oratorien-Repertoires und war zu seiner Entstehungszeit von ungekannter musikalischer Wucht und Größe. Am 7. April 1724 wurde das Werk in Leipzig uraufgeführt.
Von Alexia Späth

Viel spricht dafür, dass Johann Sebastian Bach die Johannespassion in der kantatenlosen Zeit vor Ostern komponiert hat. Denn als Thomaskantor und Musikdirektor in Leipzig war er für die Musik in vier Hauptkirchen der Stadt verantwortlich.
So musste er jeden Sonntag eine neue Kantate für den Gottesdienst abliefern. Insgesamt sollen in dieser Zeit etwa 300 Kantaten entstanden sein. In sechs Wochen komponierte er das Werk für den Karfreitag am 7. April 1724.

Neben der "Matthäuspassion" ist die "Johannespassion" als einzige authentische Passion von Johann Sebastian Bach vollständig erhalten.


Peter Dijkstra eröffnete als Künstlerischer Leiter mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks die Internationale Orgelwoche Nürnberg 2015 in St. Lorenz. © BR/Tim Boehmerle Peter Dijkstra eröffnete als Künstlerischer Leiter mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks die Internationale Orgelwoche Nürnberg 2015 in St. Lorenz.
Gemeinsam mit dem Originalklang-Orchester Concerto Köln präsentierte der Chor die Johannespassion von Johann Sebastian Bach. © BR/Tim Boehmerle Gemeinsam mit dem Originalklang-Orchester Concerto Köln präsentierte der Chor die Johannespassion von Johann Sebastian Bach.

Eine "oratorische Passion"

Insgesamt existieren vier verschiedene Fassungen der Passion, welche sich durch einzelne Textänderungen oder zusätzliche Instrumentalstimmen unterscheiden. Die Passion gilt als "oratorische Passion", die sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts herausgebildet hat. Meist liegt diese Form der Passion - wie bei der Johannespassion - zweigeteilt vor und zeichnet sich durch einen großen Anfangs- und Schlusschor aus.

Texte aus dem Johannes-Evangelium

© ©pa/PrismaArchivo/Leemage
Die Kreuzigung Jesu.
Das Werk lehnt sich an das Johannes-Evangelium Kapitel 18 und 19 an. Es wurden auch einige Verse des Matthäus-Evangeliums integriert. Der Dichter der Texte ist unbekannt.

In der Passion wird die Kreuzigung Jesu erzählt.Die Geschichte lebt nicht von großen Handlungen, sondern von den dauerhaft wechselnden Gesprächen zwischen dem Volk, Jesus, Pilatus und anderen Charakteren.


Interaktion zwischen Chor und Solisten

Die Johannespassion ist geprägt von der Interaktion zwischen Chor und Solisten. Neben 14 Turbachören und 11 Choralsätzen unterstützt der Chor zusätzlich zwei Arien. Die Turbachöre stellen das Volk dar, welches die Kreuzigung Jesu fordert. Die Choräle bieten eine allgemeine Betrachtung der Geschehnisse. Die Erzählungen des Evangelisten sollen das Empfinden der Zuschauer widerspiegeln.

Das Kreuzverhör: Kreimir Straanac als Pilatus (rechts) und Tareq Nazmi als Jesus (links). © BR/Tim Boehmerle Das Kreuzverhör: Kreimir Straanac als Pilatus (rechts) und Tareq Nazmi als Jesus (links).
Durch die Konzertaufstellung, Chor und Orchester in der Mitte der Kirche, sowie durch die Ausleuchtung wird die Bach-Passion auch optisch auf  fesselnde Weise erzählt.  © BR/Tim Boehmerle Durch die Konzertaufstellung, Chor und Orchester in der Mitte der Kirche, sowie durch die Ausleuchtung wird die Bach-Passion auch optisch auf fesselnde Weise erzählt.

Besetzung

Sopran Christina Landshamer
Alt Anke Vondung
Tenor Tilman Lichdi
Evangelist/Tenor Maximilian Schmitt
Jesus/Bass Tareq Nazmi
Chor Chor des Bayerischen Rundfunks
Orchester Concerto Köln
Musikalische Leitung Peter Dijkstra

Sendedaten
Freitag, 30. März 2018, 9.10 Uhr

Johannespassion

Leitung: Peter Dijkstra

Info
© BRJohann Sebastian Bach kam am 21. März 1685 als jüngstes von acht Kindern in Eisenach zur Welt. Als er zehn Jahre alt war, verstarben seine Eltern. Sein ältester Bruder nahm ihn auf und unterstützte sein musikalisches Interesse.

Er war Organist, Kapellmeister, Komponist und Chorleiter in Arnstadt, Mühlhausen, Weimar und Köthen, bevor er 1723 nach Leipzig kam. Dort trat er die Stelle als Thomaskantor an.
1929 übernahm Bach die Leitung des von Georg Philipp Telemann gegründeten "Collegium Musicum".

Bach starb am 28. Juli 1750 im Alter von 66 Jahren in Leipzig.

Info
© paSt. Nicolaikirche in Leipzig
Am 7. April, am Karfreitag des Jahres 1724, wurde die Johannespassion nicht in einem Konzertsaal uraufgeführt, sondern im Vespergottesdienst von St. Nicolai in Leipzig. Zwischen den beiden Teilen der Passion predigte Archidiakonus Friedrich Wilhelm Schütz eine Stunde lang über die Grablegung Jesu.
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