© ARD Degeto/Weinstein
Kate Winslet erhielt für ihre Darstellung der ehemaligen KZ-Aufseherin Hanna Schmitz 2009 den Oscar als "Beste Hauptdarstellerin".
Der Vorleser
Nach einem Roman von Bernhard Schlink
Die rätselhafte Straßenbahn-Schaffnerin Hanna beginnt eine Affäre mit dem 15-jährigen Schüler Michael Berg. Während er ihr eifrig aus der Weltliteratur vorliest, weiht sie ihn in die Kunst der Liebe ein. Ihre Beziehung dauert nur einen Sommer, dann verschwindet Hanna über Nacht. Nach zehn Jahren trifft er sie wieder: als angeklagte KZ-Aufseherin.
Bernhard Schlinks gleichnamiger Roman von 1995 sorgte für Aufsehen und wurde weltweit zum Bestseller. Das Buch wurde in 40 Sprachen übersetzt. Regisseur Stephen Daldry hält sich eng an das Buch. Für ihre Darstellung der Hanna erhielt Kate Winslet den Oscar in der Kategorie "Beste Hauptrolle".

Hanna arbeitet im Nachkriegsdeutschland der 50er Jahre als Straßenbahnschaffnerin. © ARD Degeto/Weinstein Hanna arbeitet im Nachkriegsdeutschland der 50er Jahre als Straßenbahnschaffnerin.
Hanna verbirgt vor ihrem Geliebten Michael (David Kross), dass sie Analphabetin ist. © ARD Degeto/Weinstein Hanna verbirgt vor ihrem Geliebten Michael (David Kross), dass sie Analphabetin ist.

Ein Sommerflirt

Im Nachkriegsdeutschland der späten 1950er-Jahre begegnet der 15-jährige Gymnasiast Michael der 36-jährigen Straßenbahn-Schaffnerin Hanna. Michael beginnt mit der wortkargen Frau eine Affäre, die um ein scheinbar albernes Spiel kreist. Hanna geht nur mit ihm ins Bett, wenn er ihr aus seinen Schulbüchern vorliest: Homer, Tschechow, D.H. Lawrence. Sie lauscht mit gespannter Aufmerksamkeit. Die Unbeschwertheit dauert einen Sommer, dann verschwindet Hanna spurlos.

Der Prozess

Ein knappes Jahrzehnt später nimmt Michael, inzwischen Jurastudent, als zufälliger Beobachter an einem Auschwitz-Prozess teil und erkennt zu seinem Entsetzen Hanna unter den Angeklagten. Seine einstige Geliebte hat als KZ-Aufseherin in einem Außenlager in Auschwitz gearbeitet.

Im Laufe der Vernehmungen errät Michael ihr Geheimnis, für das sich Hanna mehr schämt als für ihre Verbrechen: Sie ist Analphabetin. Mit dieser Information würde sich die Beweislage ändern. Soll Michael für sie aussagen? Stellt sich dadurch die Frage nach ihrer persönlichen Schuld neu?

Michael entscheidet sich gegen ein Eingreifen. Hanna wird zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.


Die Haftstrafe

Nachdem Hanna sieben Jahre in Haft verbracht hat, nimmt Michael Kontakt zu ihr auf. Er schickt ihr von ihm besprochene Kassetten ins Gefängnis. Mit deren Hilfe bringt sich Hanna im Gefängnis Lesen und Schreiben bei. Sie schickt ihm Briefe, die er jedoch nicht beantwortet.

Nach 20 Jahren Haft soll sie entlassen werden. Am Vorabend der Entlassung begeht sie Selbstmord.


Als Jurastudent nimmt Michael mit seinem Professor (Bruno Ganz) als Beobachter an einem Auschwitz-Prozess teil und erkennt seine ehemalige Geliebte. © ARD Degeto/Weinstein Als Jurastudent nimmt Michael mit seinem Professor (Bruno Ganz) als Beobachter an einem Auschwitz-Prozess teil und erkennt seine ehemalige Geliebte.
Erst viele  Jahre später setzt sich Michael (Ralph Fiennes)  mit seiner Vergangenheit auseinander. Er kontaktiert Hanna.  © ARD Degeto/Weinstein Erst viele Jahre später setzt sich Michael (Ralph Fiennes) mit seiner Vergangenheit auseinander. Er kontaktiert Hanna.

Sendedaten
Samstag, 17. März 2018, 20.15 Uhr

Der Vorleser

Regie: Stephen Daldry
USA/Deutschland 2008

Info
© padapBernhard Schlink gab immer an, die Romanfigur Hanna gründe nicht wissentlich auf eine real existierende Person. Trotzdem wird in der Literaturwelt vermutet, dass er die ehemalige KZ-Aufseherin Hermine Braunsteiner-Ryan (hier 1975 bei ihrem Prozess in Düsseldorf) als Inspiration oder Vorbild nahm.

Hermine Braunsteiner-Ryan wurde 1981 in Düsseldorf zu lebenslanger Haft wegen Beihilfe zum Mord in über 1.000 Fällen verurteilt. Als Aufseherin in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Majdanek war sie unter anderem an Selektionen für die Gaskammern beteiligt.

Ähnlich wie Hanna arbeitete sie auch zunächst in anderen Bereichen, bevor sie Aufseherin für die Nationalsozialisten wurde. Hermine Braunsteiner-Ryan galt allerdings als besonders brutal und skrupellos.

Vor Gericht zeigte sie keine Regung oder gar Reue. Laut Medienberichten soll sie sogar während der Verhandlung Kreuzworträtsel gelöst haben.

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