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Impressionen aus dem FilmImpressionen aus dem Film
"Der Untergang" schildert die letzten zwölf Tage von Adolf Hitler im "Führerbunker". Bruno Ganz erhielt für seine Darstellung als Adolf Hitler den Bayerischen Filmpreis.
Der Untergang
Hitlers letzte Tage
Von Alexia Späth

"Man hätte auch Dinge erfahren können", resümiert Traudl Junge, Hitlers letzte Privatsekretärin, im Interview mit dem Künstler André Heller für seinen Dokumentarfilm "Im toten Winkel". Ihre Erinnerungen an die letzten Kriegstage im Führerbunker und die Hitler-Biografie des Historikers Joachim Fest sind die Grundlagen für den Spielfilm "Der Untergang".

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1943: Hochzeit von Traudl Junge, geb. Humps, mit dem Kammerdiener Adolf Hitlers.
Die 81-Jährige Traudl Junge erzählt in Hellers Film, wie sie viele Jahre nach Kriegsende zum ersten Mal die Gedenktafel an dem Münchner Haus, in dem die Widerstandsaktivistin Sophie Scholl gelebt hat, wahrgenommen hat.

Sie bemerkte, dass sie und die junge Sophie Scholl derselbe Jahrgang (1920) waren. Und dass die Nazis die Symbolfigur der Weißen Rose im selben Jahr umgebracht hatten, in dem sie, damals noch als Traudl Humps, in Hitlers Dienste getreten war. "In dem Moment habe ich gespürt, dass es keine Entschuldigung ist, wenn man jung ist."


"Ein kindisches, junges Ding"

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"Im toten Winkel": Als 81-Jährige spricht Traudl Junge (1920-2002) in einem Dokumentarfilm von André Heller über ihr Leben und Tätigkeit als Hitlers Privatsekretärin.
Schon 1947 hat Traudl Junge alles aufgeschrieben, als die Erinnerung noch frisch und das Gewissen noch nicht kritisch war. Über 50 Jahre hatte sie die Aufzeichnungen weggeschlossen. Als Traudl Junge dann den Text nach Jahren wieder zur Hand nahm, war sie erschüttert von seiner Kritiklosigkeit, Ahnungslosigkeit, Naivität.

Sie nimmt Kontakt zur Wiener Publizistin Melissa Müller auf. Müller hat davor ein Buch über Anne Frank geschrieben (Das Mädchen Anne Frank). Mit Hilfe von Müller veröffentlicht Junge ihre Aufzeichnungen (Bis zur letzten Stunde. Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben). Müller ist es auch, die den Kontakt zu André Heller herstellt.

In Hellers Film erzählt Traudl Junge aus dem Reich des Bösen, aus dem Vorzimmer des Massenmörders, des "gemütlichen, älteren Herrn mit leiser Stimme", der ihr, der jungen Frau, eine "Art von väterlicher Zuwendung" gab.


Der Tabubruch

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Bernd Eichinger (1949-2011) war einer der erfolgreichsten Filmemacher und mächtigsten Produzenten Deutschlands.
Die Erinnerungen der Hitler-Sekretärin und Joachim Fests Buch "Der Untergang – Hitler und das Ende des Dritten Reiches" flossen in Bernd Eichingers Drehbuch für "Der Untergang" ein. Eichinger produzierte 2004 auch den Film, Oliver Hirschbiegel übernahm die Regie.
Eichinger wollte die menschliche Seite von Hitler zeigen. Das war knapp 60 Jahre nach Kriegsende noch immer ein Tabubruch.
Denn Hitler nicht als Monster, sondern im Angesicht der Katastrophe als einen weinenden, verzweifelten, skrupellosen Führer darzustellen, das hat vor Eichinger kein Filmemacher gewagt.

Kontroverser Film mit kontroversen Kritiken

Dementsprechend kontroverse Diskussionen löste der Film aus. Einige NS-Historiker lobten seine Authentizität. Der Film enthalte viele historische verbürgte Zitate. Andere kritisierten wiederum die flache Erzählweise mit vielen sachlichen Fehlern.

Der deutsche Filmemacher Wim Wenders warf dem Produzenten Bernd Eichinger und seinem Regisseur Oliver Hirschbiegel sogar "Verharmlosung" vor. "Der Untergang" beziehe keine Stellung und sei "ein Film ohne Haltung", schrieb Wenders in der Wochenzeitung "Die Zeit".


Auszeichnungen

Trotz aller Diskussionen wurde der Film mit vielen Preisen ausgezeichnet. 2004 erhielt er unter anderem den Bayerischen Filmpreis für Bruno Ganz als besten Darsteller und einen Bambi als "Bester Film national". 2005 erhielt er eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film".

Sendedaten
Donnerstag, 15. März 2018, 22.25 Uhr

Der Untergang

Regie: Oliver Hierschbiegel

Hintergrund – Oliver Hirschbiegel
© ndrconstantinfilmDer Hamburger Regisseur Oliver Hirschbiegel (1957) dreht seit 1986 Filme. Zu seinen Auszeichnungen zählen unter anderem drei Grimme-Preise, ein Bayerischer Filmpreis, zwei Bambis und eine Oscar-Nominierung.

Zu seinen Vorbildern gehören der US-Regisseur Howard Hawks, Alfred Hitchcock und Rainer Werner Fassbinder. Auch japanische Filmemacher wie Akira Kurosawa und Takeshi Kitano haben ihn beeinflusst.

Oliver Hirschbiegl lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Wien.

Buch-Tipps
© ullsteinverlagBis zur letzten Stunde:
Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben
Von Traudl Junge
Verlag: List 2003
ISBN-13: 9783548603544

Der Untergang
Hitler und das Ende des Dritten Reiches
Von Joachim Fest
Rowohlt Taschenbuch Verlag 2003
ISBN-13: 978-3499615375

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