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Vater, Mutter, zwei Kinder: So sieht noch immer das Bild einer typischen "Kernfamilie" aus. Doch unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert, mittlerweile gibt es auch viele andere "Familienmodelle".
Familie unter Druck
Liebe, Vertrauen, Geborgenheit und Halt – das verbinden die meisten Menschen mit Familie. Viele wünschen sich eine klassische "Kernfamilie" - mit Mutter, Vater, Kind. Doch in Zeiten, in denen fast jede zweite Ehe geschieden wird, sind die Modelle fürs Familienglück buntergeworden: Die Zahl der Patchwork-Familien nimmt zu, ebenso die der Alleinerziehendenund gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit Kind.
Welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf das Wohlergehen der Kinder und auf die Gesellschaft? Und wie verändert die moderne Medizin die Möglichkeiten der Familienplanung?
Diesen Fragen geht die 3sat-Sendereihe „Wissen aktuell“ mit dem Thema "Familie unter Druck" nach.

Themenblock 1: "Quo vadis, Familie?"

Früher.Später.Jetzt - Familie

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Die Familie im Wandel: Es gibt immer mehr "Patchwork"-Familien und Alleinerziehende.
Ein Thema, drei Zeiten: Die Familie im Wandel der Jahrzehnte. Wie war das etwa mit der hoch gelobtenGroßfamilie früher? War der Zusammenhalt tatsächlich so groß, wie es heute immer heißt? Oder mit der klassischen Rollenaufteilung: Vater verdient das Geld und Mama macht den Haushalt?

Später tobte sich der Nachwuchs im antiautoritären Kinderladen aus, während ihre Eltern nebenan Politikdiskussionen führten. Und heute? Inzwischen wird mehr als jede dritte Ehe geschieden, "Patchwork" ist die neue Großfamilienform.

„Früher.Später.Jetzt.“ ist als Einstieg in das Thema als Zeitreise durch das Familienleben angelegt. In dem Beitrag wird deutlich, wie viel sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.


Regenbogenfamilien

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Es ist nicht entscheidend, welches Geschlecht die Eltern haben, sondern wieliebevoll der Umgang mit den Kindern ist.
"Vater, Vater, Kind" oder "Mutter, Mutter, Kind" - Kinder in Familien mit homosexuellen Eltern entwickelnsich laut Studien genauso gut wie Kinder in der klassischen Familie.

Kinder aus den sogenannten "Regenbogenfamilien" beschreiben den Umgang in der Familie sogar oft als offener und ihre Eltern als liebevoller im Vergleich zu Eltern anderer Kinder.

Einer der Gründe dafür könnte sein, dass es für Homosexuelle schwieriger ist,Kinder zu bekommen. Es gibt in diesen Familien deshalb vermutlich mehr Wunschkinder als inklassischen Familien. Außerdem sind diese Eltern selbst oft toleranter.


Oma, Opa - wunderbar

© SWR
Lernen vom Opa. Für viele Kinder und junge Erwachsene gehören die Großeltern zu den wichtigsten Bezugspersonen.
Fast 90 Prozent aller Großeltern schätzen ihre Rolle für die Enkel als wichtig bis sehr wichtig ein. In gut drei Vierteln der deutschen Familien sind beide Elternteile berufstätig: Voll- oder Teilzeit. Dazu kommt fast eine Million berufstätigeAlleinerziehende.

Oma und Opa sind da eine willkommene Hilfe. Sowohl organisatorisch als auchfinanziell. Großeltern sind geduldig, betätigen sich als Handwerker im Haushalt und vermitteln Wissen.Sie sind im Idealfall nicht nur eine Allzweckwaffe bei der Bewältigung alltäglicher und besondererProbleme, sie geben ihren Enkeln auch Sicherheit. Denn Oma und Opa sind einfach da.


WG 2.0 – Wohnen in Clustern

© SWR
Familie 2.0: Wohnen in der Gemeinschaft.
Drei Zimmer, Küche, Bad - gerne mit Balkon oder Garten und bezahlbar muss sie auch sein: das ist dieWunsch-Wohnung vieler Familien.

Hinzu kommen aber auch andere Aspekte: die Nähe zum Stadtzentrum, das Viertel und seine Angebote oder die Frage nach einer Hausgemeinschaft, dem Austausch untereinander und gemeinschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten.

Das Projekt Spreefeld in Berlin-Mitte versucht, diese Wünsche zu verwirklichen und nebenbei das Wohnen in der Gemeinschaft ganz neu zu gestalten.


Themenblock 2: "Lieb und teuer"

Was das wieder kostet

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Kinder kosten viel Geld: In Deutschland geben Eltern bis zur Volljährigkeit rund 126.000 Euro aus.
Warum gründen wir eine Familie? Natürlich aus Liebe, was sonst! Denn heiraten und Kinder kriegen isteine Herzensentscheidung. Finanzielle Motive passen da nicht ins Bild. Doch sie können bei derPartnerwahl, Heirat und Familiengründung durchaus eine wichtige Rolle spielen.

Kinder kosten eben Geld: laut Statistischem Bundesamt geben Eltern für ihr Kind bis zur Volljährigkeit rund 126.000 Euroaus.

Es ist also durchaus vernünftig, sich gut zu überlegen, wann die materielle Ausgangslage sichergenug für eine Familiengründung ist.


Wenn Familienförderung ins Leere läuft

© dpa/picture-alliance
Nicht alle Familien, die eine Familienbeihilfe benötigen, werden unterstützt. Oft stehen viele bürokratische Hürden im Weg.
Der Kinderzuschlag soll vor Hartz IV schützen, erreicht aber fast niemanden. Am Ende steht für vieleEltern nur der Frust.

Auch Daniela Kraemer hatte sich Hoffnung gemacht, den Zuschlag zusätzlich zuihrem kleinen Gehalt zu bekommen, um mit ihren Sohn etwas besser durchzukommen.

Dieser Zuschlag wurde sogar erhöht, wie Familienministerin Manuela Schwesig 2017 stolz verkündete. Doch dieFamilienkasse lehnt bei Daniela Kraemer ab: Erst teilte ihr das Amt mit, dass sie dafür zu wenig verdiene,später, dass sie zu viel verdienen würde.


Eiskalte Familienplanung

© dpa/Lex Van Lieshout
In manchen Ländern (wie beispielsweise hier in den Niederlanden) können Frauen vorsorglich unbefruchtete Eizellen einfrieren lassen.
"Social freezing", so ist bei Wikipedia nachzulesen, bezeichnet das vorsorgliche Einfrieren vonunbefruchteten Eizellen ohne medizinischen Grund. Zum Beispiel, wenn eine Frau den richtigen Partner nochnicht gefunden hat oder erst einmal beruflich Fuß fassen will.

In den USA gibt es zu diesem Thema bizarr anmutende Veranstaltungen: Kostenlose Cocktails, Häppchen, Fruchtbarkeits-Happy-Hour in einer Bar in New Hampshire. Hier plaudern die Gäste über das Eggfreezing. Eine Art Tupperparty, nur dass die Frauen sich hier über sehr Intimes austauschen. Eine Ärztin spricht über Hormonspritzen undFruchtbarkeitskurven - medizinische Ratschläge zwischen Weißwein und Hähnchenspießen.


Themenblock 3: "Was geht bei der Fortpflanzung?"

Sex war gestern

© SWR
Nicht alle Menschen sehnen sich nach der klassischen Kernfamilie. Fortpflanzung geht heute auch ohne Partner.
Kinder werden immer häufiger im Labor gemacht. Die Folgen: Elternschaft lässt sich von Partnerschafttrennen und Fortpflanzung geht auch ohne Sex.

Die moderne Medizin kann Spermien auf die Sprünge helfen und Kinder im Reagenzglas zeugen. Sie kann Eier einfrieren und so den Kinderwunsch vertagenauf eine Zeit, die dafür passt.

Mittlerweile gibt es auch viele Länder, in denen Leihmütter die Wunschkinder austragen - allerdings (noch?) nicht in Deutschland.


Freiwillig unfruchtbar

© dpa/picture-alliance
Verhütung ist auch Männersache: Manche entscheiden sich für eine endgültige Methode, die Vasektomie.
Manche Männer entscheiden sich für eine Vasektomie (Sterilisation des Mannes) als endgültige Verhütungsmethode.

Doch was ist, wenn sie Jahre später doch noch ein Kind möchten, vielleichtl mit einer neuen Partnerin? Und wasbedeutet es für eine Frau, wenn der Partner sterilisiert ist, sie sich aber Kinder wünscht?

Der Beitrag beleuchtet beide Aspekte und fragt, was eine Sterilisation sowohl für einen Mann als auch für dessen Partnerin bedeutet.


Blaue Augen auf Bestellung

© dpa/Andrew Matthews
Das Baby als Ware: 150.000 Dollar kostet eine "Bestellung" bei CT Fertility.
150.000 Dollar haben Noahs Eltern für ihn bezahlt und noch einmal so viel für seinen Bruder Tristan – die Brüder sind aufgeweckte, gesunde Kinder.

Zusammen mit ihren homosexuellen Eltern David und Georges bewohnen sie mitten in Manhattan ein schickes Townhouse. Die Mutter haben sich ihre Eltern im Katalog ausgesucht - bei CT Fertility.

8.000 Dollar bekommen die Spenderinnen für ihre Eier. Herkunft, Religion, Bildung, Krankheiten - die Frauen geben alles von sich preis. Der Kunde ist dabei König: "Wir wollten Kinder mit blauen Augen, so wie wir sie haben", sagt Georges Sylvestre, "und wir wollten eine Mutter, die klug ist, sie sollte großgewachsen und kerngesund sein."


Themenblock 4: "Familien(n) leben"

Wo ist meine Familie?

© dpa/Christoph Hardt
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entscheidet u.a. über Asylanträge.
Was für uns normal ist, wird für viele Flüchtlinge zum Trauma: Es fällt dem jungen Waled schwer, überseine Eltern zu sprechen - denn sie sind nicht da.

Gemeinsam mit seinen Geschwistern sitzt der 15-Jährige im Wohnzimmer seines Vormundes, Günter Gottwald, in Bordesholm. Waled nennt seinen Vormund liebevoll Papa. Seit knapp zwei Jahren betreut Günter Gottwald den Jungen und versucht, die Eltern des syrischen Flüchtlings nach Deutschland zu holen.

Anfangs dachte Gottwald noch, das bedeute etwas Papierkram. Doch es wurde fast zu einer Lebensaufgabe.


Ein ewiges Versuchslabor

© dpa/Andreas Arnold
Ein Gewinn für alle: Mehrgenerationen-Häuser.
Jeder von uns ist von seiner Familiengeschichte geprägt, mancher versucht, es als Vater oder Mutter„besser zu machen“ als die Eltern – die Familie ist ein ewiges Versuchslabor.

Der Beitrag wirft einen Blick in eine Wohnanlage, in der Familien und junge sowie alte Menschen beieinander wohnen - ein genossenschaftliches Wohnprojekt.

Es gibt mehr Gemeinschaft und geteilte Verantwortung als es in anonymen Blocks üblich ist. Vielleicht eine Rückbesinnung auf Zeiten, als die „Familie“ noch ein größerer Rahmen war.

Der Blick reicht über den Tellerrand der eigenen Sippschaft hinaus. Und der Versuch, „Familie“ etwas größer zu denken, hat für viele hier offenbar etwas Entlastendes und Befreiendes.


Sendedaten
Donnerstag, 15. März 2018, 20.15 Uhr

Wissen aktuell: Familie unter Druck

Hintergrund
© mevDie Familie bleibt ein ewiges Versuchslabor. Aber auch ein Erfolgsmodell – trotz, oder gerade wegenneuer Herausforderungen.
Längst gibt es neue Modelle, jenseits der klassischen Kernfamilie. Die Weltverändert sich und mit ihr die Familienformen. Eine Frau braucht heutzutage keinen Mann mehr für ihrenKinderwunsch und die familiäre Gemeinschaft ist offener.
Auch in der Zukunft wird sich das Verständnis von"Familie" weiter ändern - und mit ihr unsere Gesellschaft.
Über die Sendereihe
Wissen aktuell
3sat führt die erfolgreiche Reihe fort: Viermal im Jahr laden wir Sie unter dem Titel "Wissen aktuell" zu einem Wissensabend ein.
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