© pa/dpa/Bildagentur-online/Cervo
Ganze Sendung ansehen (ab Freitag, 31. August, 6 Uhr)Ganze Sendung ansehen (ab Freitag, 31. August, 6 Uhr)
Kann ich meinem Arzt vertrauen?
Fragwürdige Diagnosen und unnötige Operationen
Das Statistische Bundesamt zählte im Jahr 2005 noch 13 Millionen Operationen, elf Jahre später, 2016, waren es knapp 17 Millionen – ein Zuwachs um mehr als ein Viertel. Dabei ist die Einwohnerzahl konstant geblieben. Sind die Patienten gebrechlicher geworden? Die Kliniken besser? Oder wird einfach zu viel operiert?
Gerd Müller kann nur noch 200 Meter gehen, ohne eine Pause zu machen. Er hat seinem Arzt vertraut und sich operieren lassen. Doch die Operation war wahrscheinlich unnötig.

Jutta Schömel hat ihren Mann verloren, der sich wegen einer Rhythmusstörung am Herzen behandeln ließ. Volker Schömel starb an einem Eingriff, der bei sicherem Umgang mit den Komplikationen nicht zum Tode führen darf. Jutta Schömel fragt sich, warum ihr Mann dennoch gestorben ist.

Für Gerd Müller und Jutta Schömel gibt es keine Vertrauensbasis mehr zu ausgerechnet den Menschen, an die man sich eigentlich wendet, wenn man sich schlecht fühlt: Ärzten. Beide haben Gutachter beauftragt und sind vor Gericht gezogen.


Gerd Müller hat sich wegen Rückenschmerzen operieren lassen. Aber bei der Operation ging etwas schief. © SWR/Lothar Zimmermann Gerd Müller hat sich wegen Rückenschmerzen operieren lassen. Aber bei der Operation ging etwas schief.
Jutta Schömel kann es noch immer nicht fassen, dass sie ihren Mann durch einen ärztlichen Eingriff verloren hat. © SWR/Lothar Zimmermann Jutta Schömel kann es noch immer nicht fassen, dass sie ihren Mann durch einen ärztlichen Eingriff verloren hat.

Vom Arzt zum Verkäufer

Viele Patienten fragen sich täglich, ob sie ihrem Arzt noch trauen können und welche Interessen er verfolgt. Das Gesundheitssystem fördert eher die schnelle Operation als die langsame Heilung.

Seitdem "IGeL" (individuelle Gesundheitsleistungen) in den Praxen angeboten werden, ist für den Patienten kaum mehr zu durchblicken, was seiner Gesundheit dient und welche Behandlung eher dem Einkommen des Arztes nutzt.

Dr. Bernhard Winter ist niedergelassener Internist. Das Vertrauen des Patienten werde zerstört, wenn der Arzt zum Verkäufer wird, warnt er.

Dr. Winter begibt sich auf ein Verkaufsseminar für Ärzte. Hier sollen sie lernen, ihre Leistungen anzubieten und privat abzurechnen.


Prof. Dr. Martin Rohrbach sieht immer wieder Patienten, die operiert werden sollen...  © SWR/Lothar Zimmermann Prof. Dr. Martin Rohrbach sieht immer wieder Patienten, die operiert werden sollen...
...aber noch perfekt sehen. Er warnt vor unnötigen Operationen. © SWR/Lothar Zimmermann ...aber noch perfekt sehen. Er warnt vor unnötigen Operationen.

Prof. Dr. Hermann Eichstätt ist Gutachter. Er kritisiert, dass manchmal zu früh oder unnötig am Herzen operiert wird. © SWR Lothar Zimmermann Prof. Dr. Hermann Eichstätt ist Gutachter. Er kritisiert, dass manchmal zu früh oder unnötig am Herzen operiert wird.
Fritz Schanz und seine Frau Gerda sind entsetzt: Ein Augenarzt wollte ihn operieren, obwohl er noch 100 Prozent Sehschärfe hat. © SWR/Lothar Zimmermann Fritz Schanz und seine Frau Gerda sind entsetzt: Ein Augenarzt wollte ihn operieren, obwohl er noch 100 Prozent Sehschärfe hat.

Geld oder Gesundheit?

Der Film deckt auf, welche Strategien Ärzte anwenden, um Patienten über den Tisch zu ziehen. Außerdem geht der Autor der Frage nach, welche Chancen der Patient hat, bei einer Fehlbehandlung vor Gericht eine Entschädigung zugesprochen zu bekommen.

Und der Autor zeigt Tipps, wie Patienten unnötige von wichtigen Behandlungen unterscheiden können.


Sendedaten
Freitag, 31. August 2018, 20.15 Uhr

Kann ich meinem Arzt vertrauen?

Ein Film von Lothar Zimmermann

Weitere Links:
Das Thema auf 3sat.de
Operieren und kassieren
In Deutschland entscheidet häufig allein der Wohnort darüber, ob ein Patient operiert wird oder nicht. Das ist das Ergebnis einer aufwändigen Recherche im Auftrag des WDR.
Gefährliche Bluttransfusionen
Mit einer Veränderung des Transfusionsverhaltens an Krankenhäusern ließen sich möglicherweise 25.000 Todesfälle jedes Jahr verhindern. Dies ist das Fazit einer groß angelegten Studie von vier deutschen Universitätskliniken, über die die 3sat-Doku "Gefährliche Bluttransfusionen"berichtet. Zudem wäre nach den Erkenntnissen dieser Studie fast jede fünfte Bluttransfusion vermeidbar.
Dokumentation am Freitag
Sylt
Auf der Nordseeinsel Sylt werden die höchsten Preise für deutsche Ferienimmobilien gezahlt. Und die Mieten sollen weiter steigen. Wie kommen damit die Einheimischen klar? Wie helfen sich die Angestellten, wenn sie sich die Mieten nicht leisten können?
Venedig - Ausverkauf eines Juwels
Etwa 30 Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Venedig. Zum Teil fahren sie mit riesigen Kreuzfahrtschiffen in die italienische Stadt ein. Eigentlich sollte 2019 damit Schluss sein. Doch die Diskussionen gehen weiter - auf Kosten der UNESCO-Stadt.