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Der Film in der Mediathek (ab Mittwoch, 28. Februar, 6 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Mittwoch, 28. Februar, 6 Uhr)
Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) bei seiner Arbeit.
Das Leben der Anderen
Mehr als sechs Jahre hat Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck gebraucht, um sein Erstlingswerk "Das Leben der Anderen" 2006 auf die Leinwand zu bringen. Die erste Auseinandersetzung mit der DDR nach dem Mauerfall als Stasi-Drama und nicht als Komödie, brachte Donnersmarck Ruhm und viel Ehre – 2007 sogar den begehrten Oscar. Doch Donnersmarck war nicht alleine für den riesigen Erfolg verantwortlich.
Von Alexia Späth

Der Inhalt des Films ist schnell erzählt: Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler, gespielt von Ulrich Mühe, observiert im Ost-Berlin der achtziger Jahre ein Künstlerpaar. Durch die Bespitzelung bekommt Wiesler, alleinstehend und einsam, Einblick in den offenen Geist der Kunstwelt. Auch die Liebe zwischen dem Schriftsteller Georg Dreyman (Sebastian Koch) und der Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) fasziniert ihn. Immer mehr zweifelt er an seinen Vorgesetzten und dem System. Schließlich wechselt er die Seiten und schützt die Bespitzelten.


Martina Gedeck spielt die Schauspielerin Christa-Maria Sieland, die für ihre Karriere ihre Liebe aufs Spiel setzt und daran zerbricht.  © BR/Wiedemann & Berg Martina Gedeck spielt die Schauspielerin Christa-Maria Sieland, die für ihre Karriere ihre Liebe aufs Spiel setzt und daran zerbricht.
Sebastian Koch gibt den erfolgreichen Dramatiker Georg Dreymann, der sich zum Systemkritiker entwickelt.  © BR/Wiedemann & Berg Sebastian Koch gibt den erfolgreichen Dramatiker Georg Dreymann, der sich zum Systemkritiker entwickelt.

"Ich habe mich erinnert" – Ulrich Mühe und Stasi

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Der Höhepunkt seiner Karriere: Am 26. Februar 2007 hält der Hauptdarsteller Ulrich Mühe die Oscar-Trophäe in der Hand. Für die Rolle des Stasi-Hauptmanns flossen viele eigenen Ideen in den Film ein.
"Das Leben der Anderen" war auch sein Film: Ulrich Mühe. Ihn verfolgte seine DDR-Vergangenheit bis zu seinem Tod am 22. Juli 2007.

Auf die Frage, wie er sich für seine Rolle vorbereitet habe, sagte der ehemalige DDR-Theaterstar lediglich: "Ich habe mich erinnert."Und Donnersmarck erzählte in einem anderen Interview, Mühe habe ihm damals geschrieben, "dieser Film tangiere vieles, was er in der ersten Hälfte seines Lebens erlebt oder erahnt habe."

Denn 2001 fand Mühe heraus, dass seine zweite Frau Jenny Gröllmann während ihrer Ehe (1983 bis 1990) zu DDR-Zeiten als inoffizielle Mitarbeiterin unter dem Decknamen "Jeanne" für das Ministerium für Staatssicherheit tätig war. Gröllman bestritt dies bis zu ihrem Tod im August 2006.

Das große Engagement von Ulrich Mühe öffnete Donnersmarck viele Türen. Denn mit einem Budget von nur knapp zwei Millionen Euro konnte der Film nur realisiert werden, wenn Darsteller und Team für einen Bruchteil der regulären Gagen mitmachten. Laut Sebastian Koch arbeitete jeder "für weniger als die Hälfte der üblichen Gage, aus der Überzeugung heraus, einen wichtigen Film zu machen".


Drei Filme in zwölf Jahren

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Und noch einen Preis: Der Film ist mit Auszeichnungen - wie hier den Bayerischen Filmpreis 2006 -überhäuft worden. Neben dem Oscar gab es über 20 Preise, darunter einen César und den BAFTA Award 2008.
"Davon wirst du dich nicht mehr erholen", soll Steven Spielberg am Abend nach der Oscarverleihung mehrmals zu Donnersmarck gesagt haben. Damals sagte der junge Regisseur noch in Interviews, Spielberg habe ihn zwar verwirrt, er brauche jedoch keine Auszeichnungen, um sich weiterhin zu motivieren.

Doch vielleicht ist eine Oscarauszeichnung mit dem ersten Spielfilm doch eher ein Fluch. Donnersmarcks zweiter Film "The Tourist" kam 2010 in die Kinos. Er bekam zwar drei Golden Globe Awards-Nominierungen, aber sonst war die Reaktion bei Kritikern und Zuschauern eher mau.

In diesem Jahr wird seiner dritter Film "Werk ohne Autor" erwartet – die Geschichte um einen jungen Künstler, der sein schwieriges Leben in seiner Kunst spiegelt. Der deutsche Kinostart sollte eigentlich im November 2017 sein.


Ulrich Tukur als opportunistischer Stasi-Karrierist. Monatelang hat Donnersmarck DDR-Fotobände durchgeschaut...  © BR/Wiedemann & Berg Ulrich Tukur als opportunistischer Stasi-Karrierist. Monatelang hat Donnersmarck DDR-Fotobände durchgeschaut...
... um in seinem Film eine authentische DDR-Ästhetik zu zeigen. © BR/Wiedemann & Berg ... um in seinem Film eine authentische DDR-Ästhetik zu zeigen.

Sendedaten
Mittwoch, 28. Februar 2018, 22.25 Uhr

Das Leben der Anderen

Buch und Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Hintergrund
© padpaDafür haben andere ein Leben lang gewartet: Mit 33 Jahren wird Florian Henckel von Donnersmarck 2007 mit dem Oscar für "Das Leben der Anderen" in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" ausgezeichnet.

Seine Filmkarriere beginnt er 1997 als Regie-Lehrling bei Richard Attenborough (Ghandi).

Nach der Aufnahme an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF München) dreht er mit Erfolg einige Kurzfilme. "Das Leben der Anderen" ist sein HFF-Abschlussfilm.

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Oscarprämierte BR-Koproduktion [BR]