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Die Waldbühne in Berlin
Die Berliner Philharmoniker in der Waldbühne 2017
Rheinlegenden unter der musikalischen Leitung von Gustavo Dudamel
Sie ist eine der schönsten Freilichtbühnen Europas: die Berliner Waldbühne. In diesem Jahrspielen die Berliner Philharmoniker dort unter Leitung des venezolanischen TopdirigentenGustavo Dudamel Robert Schumanns schwungvolle "Rheinische Symphonie" und Auszügeaus Richard Wagners Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen".
Es ist bereits das dritte Waldbühnenkonzert der Berliner Philharmoniker, das Gustavo Dudamel dirigiert. Das erste, im Jahr 2008, war zugleich sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern. 2014 folgte das zweite Konzert in der Waldbühne.

Dieses Jahr präsentiert er Schumanns "Rheinische" und Orchesterstücke aus Wagners "Ring des Nibelungen", darunter "Siegfrieds Rheinfahrt" und "Waldweben". Wagner und Schumann, beide aus Sachsen, waren dennoch von höchst unterschiedlicher Wesensart: Zum einen der stille und zurückgezogene Schumann, zum anderen der vor Selbstbewusstsein strotzende und extrovertierte Wagner.


"Das ist ein unmöglicher Mensch"
© rbb/Bolk/Berliner Philharmoniker Die Waldbühne in Berlin liegt am westlichen Ende des Olympiaparks.
Die Waldbühne in Berlin liegt am westlichen Ende des Olympiaparks.
Wagner respektierte Schumann zwar als "hochbegabten Musiker", konnte aber persönlich nichts mit ihm anfangen: "Mit Schumann kann man nicht verkehren, das ist ein unmöglicher Mensch, mit dem kann man gar nicht reden, der Schumann sah mich immer unbeweglich an oder schaute in die Luft und sagte kein Wort."

Wagner war auch nicht der Einzige, dem Schumanns Schweigsamkeit den Umgang erschwerte. Schumann hingegen fand Wagner "ätzend": "Für mich ist Wagner unmöglich. Er ist gewiss ein geistreicher Mensch, aber er redet immerfort, man kann doch nicht immer reden!"


Überwältigender Blick auf die Schönheit der Natur
© dpa Gustavo Dudamel
Gustavo Dudamel
Immerhin las Schumann dem Kollegen Wagner - der im Gegensatz zu ihm äußerst opernerfahren war - das Textbuch zu "Genoveva", seiner einzigen Oper vor. Doch dieser wollte nicht auf ihn hören, wie Wagner sich erinnerte: "Schumann ließ sich durch keine Vorstellung meinerseits davon abbringen, den unglücklich albernen dritten Akt nach seiner Fassung beizubehalten: er wurde böse und war jedenfalls der Meinung, ich wollte ihm durch mein Abraten seine allergrößten Effekte verderben."

Für Dudamel gibt es aber dennoch Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Komponisten, es sei, so sagt er, "ein überwältigender Blick auf die Schönheit der Natur mit musikalischen Mitteln", den Schumann mit seiner "Rheinischen" und Wagner den Instrumentalstücken geschaffen haben.


Aus den Slums an die Weltspitze
© dpa  Gustavo Dudamel -  Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017
Gustavo Dudamel - Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017
Der 36-jährige Dirigent Dudamel ist nicht nur in Venezuela ein Superstar. Er hat es als einer der Wenigen geschafft, sich aus den Slums an die Weltspitze zu spielen.

Dudamel wurde in der venezolanischen Millionenstadt Barquisimeto als Sohn eines Posaunisten und einer Gesangslehrerin geboren. Zwölf Jahre lang ging Dudamel nach der Schule zum theoretischen Musikunterricht, abends zur Orchesterprobe - wie die meisten Absolventen des venezolanischen "Sistema Nacional de Orquestas Juveniles, Infantiles y Preescolares".

Dieses weltweit einzigartige Modell der musikalischen Ausbildung hatte Jahrzehnte zuvor der Musiker und Dirigent, Ökonom und einstige Staatsminister José Antonio Abreu gegründet mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen aus allen Bevölkerungsschichten mit dem Erlernen eines Instruments und der Erfahrung von Gemeinschaft eine Alternative zu einem Leben in Elend, Drogen und Gewalt zu bieten.


Ein Künstler von Weltrang
© rbb EuroArts Thomas Rosenthal Die Waldbühne in Berlin bietet Platz für 22.000 Zuschauer.
Die Waldbühne in Berlin bietet Platz für 22.000 Zuschauer.
Mit zehn Jahren fing Dudamel an, Geige zu studieren, später auch Komposition. Mit zwölf Jahren leitete er das Jugendorchester seiner Heimatstadt. Im Alter von 18 Jahren wurde er im Jahr 1999 zum Chefdirigenten des "Orquesta Sinfónica de la Juventud Venezolana Simón Bolívar" ernannt, des staatlichen venezolanischen Jugendorchesters.

Publikum und Fachpresse zeigten sich regelmäßig begeistert von den erfrischenden Auftritten des voller Elan und Energie auftretenden Orchesters mit ihrem als charismatisch gekennzeichneten Dirigenten, der bereits als "Galionsfigur der Bewegung" bezeichnet wurde. "Überall sucht er den Rausch, den Übermut, die Ekstase", schrieb "DIE ZEIT" einmal über Dudamels Stil.

2008 leitete Dudamel mit großem Erfolg erstmals die Berliner Philharmoniker bei ihrem alljährlichen Sommerkonzert auf der Berliner Waldbühne. Am 1. Januar 2017 dirigierte er das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Mit knapp 36 Jahren war Dudamel der bislang jüngste Dirigent des Neujahrskonzertes. Am 4. Mai 2017 äußerte sich der Stardirigent erstmals zur Situation in seinem Heimatland Venezuela und forderte den diktatorisch regierenden Staatspräsidenten Nicolás Maduro auf, den Willen des Volkes zu respektieren.


Das Programm:

- Robert Schumann, Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 "Rheinische"

- Richard Wagner, Auszüge aus "Der Ring des Nibelungen: Einzug der Götter in Walhall"

- "Siegfrieds Rheinfahrt", "Trauermarsch" und "Waldweben"

- "Walkürenritt"


Sendedaten
Live aus Berlin

Samstag, 1. Juli 2017, 20.15 Uhr

Sie können ein Video des Konzertes am Sonntag in der 3sat-Mediathek abrufen.

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