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Dienstag, 20. April
© WDR Lupe
Journalistin und Mafia-Expertin Petra Reski im Gespräch mit Polizisten der italienischen Anti-Mafia-Spezialeinheit.
Vom Kamen nach Corleone
In den Morgenstunden des 15. August 2007 wurden in Duisburg sechs Menschen vor dem italienischen Restaurant "Da Bruno" erschossen. Was zunächst wie eine siebzehn Jahre dauernde Blutfehde zweier Familien aussah, war ein Mafiamord. Im Laufe der Ermittlungen kommt ans Licht, dass die kalabresische Mafia 'ndrangheta auch in Deutschland fest etabliert ist.
Mafia ist auch in Deutschland tief verwurzelt
Das Landeskriminalamt vermutet, dass die italienische organisierte Kriminalität in Nordrhein-Westfalen tief in der Gesellschaft verwurzelt sei und das nicht erst seit ein paar Jahren. Schon vor den Mordanschlägen auf Paolo Borsellino und Giovanni Falcone im Sommer 1992 ermittelten die beiden Mafiajäger in Richtung einer "pista tedesca", einer deutschen Spur: Die beiden Gesetzeshüter berichteten dem Bundeskriminalamt sehr detailliert, wie sich die Mafia in Deutschland ausbreitet.

Die italienische Mafia und die "pista tedesca"
Deutschland sei nicht mehr nur Ruhezone der Mafia, sonder auch Aktionsraum - so das Beamtendeutsch. Auffällig war, dass die letzten Morddrohungen gegen Falcone in Wuppertal abgestempelt wurden. Auch das letzte Telefonat, das Falcone vor seinem gewaltsamen Tod führte, war ein Gespräch mit dem deutschen BKA. Borsellino vernahm nur wenige Tage vor seiner Ermordung ein Mitglied der Mafia in einem Mannheimer Gefängnis. Deutschland spielt in der Taktik der Mafia eine zentrale Rolle, das ging auch aus den Ermittlungsakten der italienischen Staatsanwälte nach den Mafiamorden von Duisburg hervor. Der lebenslang verurteilte Schütze Giovanni S. soll nach Informationen der kalabresischen Staatsanwälte auch Anführer einer örtlichen Unterorganisation des Mafiaclans, der sogenannten Nirta-Strangio, sein. Diese Mafiagruppe hatte zwischen Mönchengladbach und Düsseldorf ihren Stützpunkt, so die Staatsanwälte.

Die Mafia von heute trägt weiße Kragen
Dabei sind die Aktivitäten der Mafia in Deutschland nur selten im Fokus der Öffentlichkeit, so wie bei dem Sechsfachmord in Duisburg. Dieser sei eher ein Betriebsunfall, erklären die Mafiaexperten der deutschen Polizei, denn das eigentliche Anliegen ist nicht Mord, Erpressung und Totschlag, sondern die Geldwäsche. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) schätzt, dass pro Jahr 43 bis 57 Milliarden Euro schmutziges Geld in Deutschland "gewaschen" werden. Nur ein halbes Prozent davon würden die Behörden entdecken: 170 Millionen Euro waren es 2010. Alleine in Italien wurden im gleichen Zeitraum 1,3 Mrd. Euro sichergestellt. Das US-Innenministerium hat Deutschland inzwischen als "bedeutendes Geldwäscheland" eingestuft. Woran liegt es also, das Deutschland im internationalen Vergleich auf eine geringe Aufklärungsquote bei dem Delikt "Geldwäsche" verweisen kann?

Zeugen sind "morto che parla" - Tote, die reden
Lupe
Die Journalistin Petra Reski ist eine der bekanntesten Mafia-Experten.
Viele deutsche Ermittler beklagen, dass der Gesetzgeber nicht entschieden genug gegen Geldwäsche vorgeht. In kaum einem Land ist es so leicht, Geld aus kriminellen Geschäften mit dem Kauf einer Immobilie, mit dem Kauf von Schmuck oder mit dem Betrieb einer Spielhalle zu waschen. "Das Problem ist seit Jahren bekannt", sagt zum Beispiel Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Ein Missstand, der die deutsche Gesellschaft noch teuer zu stehen kommen könnte. Längst sollen auch im Osten Deutschlands ganze Spielhallen und Einkaufspassagen in Mafiabesitz sein. Viele Aussteiger aus der Mafia und Kronzeugen, im italienischen werden sie auch "die Toten, die Reden" (un morto che parla) genannt, bestätigen diese Beobachtungen.

Reskis persönlicher Kampf gegen die Mafia
Eine italienisch-deutsche Expertin in Sachen Mafia ist Petra Reski. Sie wurde im Ruhrgebiet in Kamen geboren und beschäftigt sich seit 30 Jahren mit der kriminellen Struktur der Mafia. Petra Reski in Italien und muss nun, da die Mafia dort endlich konsequent verfolgt wird, erleben, wie diese sich Stück für Stück von Italien nach Deutschland ausbreitet und ausgerechnet in Reskis alter Heimat, dem Ruhrgebiet, neue kriminelle Strukturen aufbaut. Doch in Deutschland, so merkt Petra Reski, nimmt die Mafia niemand richtig ernst - so wie einst in Italien. Die Autorin und Journalistin recherchierte den Weg der Mafia und fuhr noch einmal die Strecke von damals: Von Kamen nach Corleone.

Der Film "Vom Kamen nach Corleone" von Mathias Werth und Julia Krittian, den Sie am Freitag, 27. Juli 2012, 20.15 Uhr sehen können, begleitet Petra Reski und schildert ihren ganz persönlichen Kampf gegen die Ausbreitung der Mafia in ihrer alten Heimat.


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Freitag, 27. Juli 2012, 20.15 Uhr
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