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Mittwoch, 24. Juni
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Martin Walser auf Reisen
Zum 85. Geburtstag von Martin Walser
Heute vor 85 Jahren, am 24. März 1927, wurde Martin Walser, einer der berühmtesten deutschen Schriftsteller, in Wasserburg am Bodensee geboren. Während die meisten Menschen mit 85 schon längst in Rente sind, ist Walser immer noch umtriebig und veröffentlicht fast mehr als in seinen jungen Jahren.
Heimatverbunden und
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Walser auf Reisen
Martin Walsers Auftritte in der Öffentlichkeit provozieren Widerspruch und spalten seine Leser in verschiedene Lager. Doch das ist eigentlich nicht Walsers Absicht. Für ihn bedeutet Schreiben zunächst die Auseinandersetzung mit sich selbst. Und dieses Selbst ist geprägt von Landschaft und Menschen der Bodenseeregion. Geboren in Wasserburg, wo die Eltern eine Gastwirtschaft besaßen, war er zunächst einmal einfacher Leute Kind, dessen Vater sich heimlich im Schreiben versucht. Als Schüler wurde er zum Flakhelfer-Einsatz abkommandiert, sein Literatur-Studium beendete er mit einer Dissertation über Franz Kafka. Von 1949 bis 1957 war er Mitarbeiter beim Süddeutschen Rundfunk, zunächst in der Unterhaltungs-Abteilung, dann bei Politik und Zeitgeschehen, schließlich schrieb er Hörspiele, führte auch Regie und entwickelte sich ziemlich schnell zu einem der bedeutendsten Schriftsteller der Bundesrepublik.

"Orgien des Kleinmuts" oder "Kranzabwurfstelle"
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Während die meisten Menschen im Alter milde werden, marschiert Martin Walser immer noch mit gezückter Feder durchs Leben: Ein Denkmal wird so zur "Kranzabwurfstelle" oder die Forderung nach Wiedereinführung der D-Mark als "Orgien des Kleinmuts" entlarvt. Walser lässt sich nicht vereinnahmen und seine Äußerungen lassen sich nicht vorausberechnen. Er war und ist ein unabhängiger Kopf. Walser sucht und äußert seinen persönlichen Standpunkt und erntet, oft genug, heftige Erregung. Seine Reden und Stellungnahmen sind häufig Kristallisationspunkt öffentlicher Debatten und Kontroversen. Walser hat immer wieder Themen gesetzt, bevor sie aktuell waren. So wurde er Mitte der achtziger Jahre für sein öffentlich geäußertes Bedürfnis nach einem Ende der deutschen Teilung von den Linken verhöhnt. Walser nahm schon fast jedes Feindbild ein, das die Öffentlichkeit bereit hält, von linksradikal bis nationalistisch.

Dabei wird übersehen, dass es in den politischen Äußerungen Walsers eine erstaunliche Kontinuität gibt. Das gilt gerade für die Friedenspreisrede. Sie ist voller Selbstzitate, die weit zurück reichen. Schon in den siebziger Jahren hat Walser davor gewarnt, Auschwitz zu instrumentalisieren, er hat darüber nachgedacht, was Hin- und Wegschauen für die Erinnerung bedeuten, er hat - 1977 - gefordert, die deutsche Frage offen zu halten. Damals ging das unter. Als er die Forderung 1984 wiederholte, wurde er als gefährlicher Utopist bezeichnet.

Sendedaten
Samstag, 24. März 2012
Fernsehfilm
Ein fliehendes Pferd
Samstag, 24. März 2012, 20.15 Uhr
Dokumentarfilm
Martin Walser - ein Leben für Alle und Keinen
Samstag, 24. März 2012, 21.45 Uhr
Literatursendung
WALSER & DORN - ein literarisches Gipfeltreffen
Samstag, 24. März 2012, 3.45 Uhr
Die Highlights aus sieben Jahren "Literatur im Foyer" - Film von Manfred Heinfeldner.
Literatursendung
Literatur im Foyer - extra
Sonntag, 25. März 2012, 10.15 Uhr Felicitas von Lovenberg im Gespräch mit Thea Dorn, Denis Scheck und Ijoma Mangold über Martin Walsers Werk und Leben.
Peter Voß fragt...
Peter Voß fragt Martin Walser
"Die Walsers haben das Zeug zur Telenovela" ... (März 2009)