Wieso waren ihre Schuhe aus Leder und Nägeln das ideale Marschwerkzeug und welchen Vorteil brachte das Schuhwerk gegenüber den Feinden? Um dies herauszufinden haben experimentelle Archäologen den Test aufs Exempel gemacht. "Experimentelle Archäologie", so nennt sich der inzwischen etablierte Forschungszweig, der Anhand von archäologischen Funden Hypothesen aufgestellt, die durch Experimente überprüft werden. Noch in den 1970er Jahren wurden die Experimentierer unter den Archäologen von Fachkollegen schräg angesehen und als Frühgeschichte-Fans ohne wissenschaftlichen Abschluss verspottet. Einer der bekanntesten und auch umstrittensten frühen Experimentierer war der Norweger Thor Heyerdahl, der mit einem Floß aus Balsaholz 1947 über den Pazifik segelte, um zu beweisen, dass die Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus möglich war (die Gentechnologie bewies inzwischen, dass es nicht so gewesen war).
Doch inzwischen wird der Studiengang Experimentelle Archäologie an der Universität in Exeter gelehrt und in Mayen, unweit von Koblenz, wird zur Zeit unter Schirmherrschaft des Römisch-Germanischen Zentralmuseums ein "Labor für Experimentelle Archäologie" errichtet.
Die noch junge Disziplin ist in den letzten Jahrzehnten unerlässlich geworden, wenn man die Überlegenheit der Römischen Armee en Detail untersuchen möchte. Glaubt man den Angaben der antiken Autoren, so konnten es die Römer in der Regel mit Gegnern aufnehmen, die zahlenmäßig überlegen waren. Die Gründe könnten in der Taktik, aber auch in der Ausrüstung liegen. Welchen Anteil Taktik und Ausrüstung an den Siegen hatten, lässt sich kaum am Schreibtisch klären - es bedarf einiger Versuche.