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Mittwoch, 24. Juni
© WDR/Jürgen Wasim Frembgen Lupe
Rote Sufis tanzen Dhamal
Der rote Sufi
Rausch und Ekstase in Pakistan
Im Westen gilt Pakistan als eines der gefährlichsten Länder der Welt: Islamistische Anschläge und Terrorcamps, davon erzählen die Medien. Doch es gibt auch eine ganz andere Seite des Landes. Pakistan ist Kernland des Sufismus in der muslimischen Welt.
Islam mit Musik und Tanz
Die Sufis stehen für einen mystischen und friedlichen Islam, Gewalt lehnen sie ab. Sie wollen mit Musik, vor allem auch Tanz, Gott nahe kommen. Das ist in den vielen Ausprägungen des Islam eine Seltenheit. Viele Sufis glauben, dass in allen Religionen eine grundlegende Wahrheit zu finden sei. Das macht sie unempfindlich gegenüber dem Fundamentalismus. Manche Sufis gehen sogar so weit, dass sie die großen Weltreligionen wie z.B. Christentum und Hinduismus, als von ihrem Wesen mit dem Islam vergleichbar ansehen.


Derwische und Flagellanten in Ekstase
© WDR/Jürgen Wasim Frembgen Lupe
Jürgen Wasim Frembgen (li.) bei seiner ethnologischen Feldforschung
Ein religiöser Höhepunkt der Sufis ist das rauschhafte Fest zu Ehren des Sufi-Heiligen Lal Shahbaz Qalandar in dem Städtchen Sehwan Sharif im Süden Pakistans. Während des Festes verwandeln über eine halbe Million singende und tanzende Pilger die 40.000 Einwohner große Stadt Sehwan alljährlich in einen Ort der Ekstase. Beim karnevalesken Treiben tummeln sich Derwische und Flagellanten, Wanderprediger und Transvestiten. Das Fest wird zwei Wochen vor Beginn des Fastenmonats Ramadan gefeiert. Schiiten und Sunniten, Hindus und Christen, Arrivierte und Außenseiter, Frauen und Hidschras (Vertreter des dritten Geschlechts), Arme und Reiche vermischen sich an den fünf Tagen der "Mela" und bringen die ganze Stadt zum Tanzen.

Der mystische Islam setzt den Taliban und der Orthodoxie seine überschäumende Daseinsfreude entgegen. Der Ethnologe Jürgen Wasim Frembgen, Leiter der Abteilung Orient im Staatlichen Museum für Völkerkunde in München, ist bei diesem Fest nicht zum ersten Mal dabei. Er setzt sich seit Jahren intensiv mit den verschiedenen Erscheinungsformen des Sufismus auseinander und hat diesen "dionysischen Rave" schon mehrfach als Pilger begleitet. Sein Erfahrungsbericht dieser Reise "Am Schrein des roten Sufi" wurde als "das Großartigste, was die deutsche Völkerkunde seit Jahrzehnten hervorgebracht hat" gefeiert.

Der Dokumentarfilm "Der rote Sufi" von Martin Weinhart, den 3sat in Erstausstrahlung zeigt, begleitet den Ethnologen Jürgen Wasim Frembgen auf einer Reise zu diesem Fest. Er führt in eine Welt sinnlich-religiöser Verzückung und zeigt dabei eine unbekannte Seite Pakistans.


Literatur
Frembgen, J. W.: Reise zu Gott. Sufis und Derwische im Islam, 2000.

Schimmel, A.: Mystische Dimensionen des Islam. Die Geschichte des Sufismus, 1985.


Sendedaten
Sonntag, 14. August 2011, 21.45 Uhr
Dokumentation (Archiv)
Indus
Der Indus ist die Lebensader Pakistans. Er entsteht in Tibet aus dem Zusammenfluss von Gletscherbächen und fließt nach ca. 3.000 km in das arabische Meer. Der Indus gab nicht nur dem indischen Subkontinent seinen Namen, an seinen Ufern haben zahlreiche Kulturen ihre Spuren hinterlassen.
Dokumentation
Geheimnis am Indus
"Hügel der Toten" bedeutet Mohenjo Daro in der Sprache der Provinz Sindh. In Pakistan am Indus liegen die Ruinen dieser Stadt, die selbst nach heutigen Maßstäben als "fortschrittlich" gelten würde. Die Siedlung wurde im 3. Jahrtausend vor Chr. auf einem künstlichen Hügel gebaut, und alle Häuser verfügen über Toiletten und Abwasserkanal.
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