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Traktor auf Feld Video
Durch die Landwirtschaft wird der Boden verdichtet. (Beitrag vom 22. Juni 2016)
Der Mais und die Fluten
Landwirtschaft begünstigt Flutkatastrophen
Nach Ansicht von Umweltschützern spielte bei der Flutkatastrophe in Niederbayern auch die industrielle Landwirtschaft und der Verlust von Wiesen und Weiden eine Rolle.
Besonders der Mais, der einen Anbauschwerpunkt in der vom Hochwasser betroffenen Region hat, steht in der Kritik. Früheres Grün- und Weideland als Rückhaltefläche für Wasser sei immer mehr in Acker vor allem für den Maisanbau umgewandelt worden, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Komme der Regen, werde die fruchtbare Ackerkrume einfach weggeschwemmt. "Der Boden wird abgeschwemmt. Das sind die braun-gelben Fluten, die man dann in den Bächen und Flüssen sieht." Mit den Biogasanlagen steige der Druck auf die Fläche. Gerade Mais diene neben Futter als Energiepflanze. Zudem werde als Folge des Maisanbaus der Boden verdichtet. Der Boden könne dann weniger Niederschläge aufnehmen. "Wir müssen den Mais reduzieren und bodenverträglichere Pflanzen anbauen", sagte Weiger.

Zu viele Flächen sind versiegelt
Auch die Flächenversiegelung gilt als ein Hauptproblem bei Starkregenereignissen, weil Niederschlag sich dadurch in eng bebauten Gebieten besonders gut sammeln kann. Entsiegelung steht daher für Experten bei der Prävention ganz weit oben auf der Liste. Das geht oft nur gemeinsam mit den Immobilienbesitzern. So lassen sich Parkplätze, Hofflächen in Mehrfamilienhäusern und Grundstückszufahrten mit Sickerfugenpflaster oder Rasengitterfugen belegen, durch die das Wasser noch vor Ort versickern kann. Auch begrünte Dächer speichern Wasser und werden daher oft gefördert.

2002 hatte die deutsche Bundesregierung geplant, den Flächenverbrauch von 120 Hektar pro Tag auf 30 Hektar im Jahr 2020 zu begrenzen - also von knapp 170 Fußballfeldern täglich auf gut 40. Wie der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in einem im Mai 2016 vorgestellten Gutachten bemängelt, werden vier Jahre vor dem Zieldatum aber noch 69 Hektar Fläche am Tag versiegelt. Das entspricht einer Fläche von etwa 97 Fußballfeldern. "Man muss kein Prophet sein, um anzunehmen, dass dieses Ziel nicht erreicht wird", sagt Martin Faulstich, SRU-Vorsitzender und Professor an der Technischen Universität Clausthal.

Wohnungen werden größer, Haushalte kleiner
Dass die Deutschen trotz schrumpfender Bevölkerung so fleißig bauen, liegt laut Umweltexperten unter anderem am Wunsch nach großen Wohnungen sowie immer mehr Haushalten, in denen nur eine oder zwei Personen leben. In Gegenden, wo die Bevölkerung abnehme, werde wegen der niedrigen Bodenpreise oft trotzdem viel Fläche verbraucht. Auf dem Land kann man sich eben eher ein Einfamilienhaus leisten als im Ballungsraum.

Die Experten raten, dass ab 2030 netto - also inklusive Rückbau - gar keine Fläche mehr versiegelt werden sollte. Das hat der Bundesrat auch schon mal so formuliert, die EU will es bis 2050 schaffen. Dazu soll es der Pendlerpauschale an den Kragen gehen: "Wenn man die abschaffen würde, wäre natürlich der Drang, in Städten zu wohnen, deutlich größer", sagt Faulstich.

Weitere Vorschläge: Straßenausbau begrenzen und Senioren, die viel Platz für sich alleine haben, zum Wohnungstausch oder Zusammenleben mit Familien animieren. Kommunen sollen Baugebiete nur ausweisen dürfen, wenn sie mangelnde "Innenentwicklungspotenziale" nachweisen - also keine Brachen und Baulücken in Städten und Gemeinden haben, die bebaut werden könnten, schreibt der SRU weiter. Zudem solle es Obergrenzen für die Flächenausweisung geben.

Davon hält der Städte- und Gemeindebund allerdings gar nichts. "Obergrenzen einzuführen verbietet sich aus kommunaler Sicht, weil das ein unmittelbarer Eingriff in die kommunale Planungshoheit ist", sagt Bernd Düsterdiek, der dort für Städtebau zuständig ist. Sparsam beim Flächenverbrauch zu sein, sei schon jetzt vorgeschriebener und fester Bestandteil der Bauplanung.

Außerdem sei es im Interesse der Kommunen, Ortskerne zu entwickeln, erklärt Düsterdiek - etwa, um dort den Einzelhandel zu stützen. Deshalb unterstützt der Kommunalverband auch eine weitere Forderung der Umweltexperten: Unbebaute, aber bebaubare Grundstücke mit einer höheren Grundsteuer zu belegen als schon bebaute. Damit soll es attraktiver werden, Bauland in den Städten auch zu nutzen und nicht als Spekulationsobjekt brach liegen zu lassen.