Therapeut mit Didgeridoo
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Alex Suarez' Instrumente aus Plexiglas sind etwas leiser als Holz-Didgeridoos
Therapie mit Didgeridoo
Zürcher Mediziner lindern Schlafstörungen
Regelmäßiges Didgeridoo spielen kann krankhaftes Schnarchen vermindern, haben Zürcher Mediziner gezeigt - und sind dafür mit dem "igNobel-Preis" gewürdigt worden.
Die Atmung des Didgeridoo-Lehrers Alex Suarez aus dem Zürcher Oberland funktionierte im Schlaf nicht einwandfrei und er schlief schlecht. Nach mehrmonatigem Spielen des Blasinstrumentes der Australischen Ureinwohner schnarchte er jedoch weniger und war tagsüber weniger müde. Untersuchungen im Schlaflabor der Zürcher Höhenklinik Wald bestätigten, dass Suarez ein früher diagnostiziertes "krankhaftes Schnarchen" dank Didgeridoo spielen erfolgreich selbst behandelt hatte.

Daraus hat er eine Therapie entwickelt: "Die Aborigines spielen traditionelles Didgeridoo und ich habe das medizinische Didgeridoo entwickelt", so Suarez. "Es ist technisch eine andere Spielweise, die der Kräftigung und Stabilisierung des Schlunds dient. Bei den Aborigines hingegen geht es um Ritualspiele oder um musikalische Aspekte."

Suarez hat für die Schlaftherapie spezielle Instrumente aus Plexiglas entworfen und anfertigen lassen. Seine Patienten sollen jeden Tag 20 Minuten darauf spielen. Wenn jemand unter Schlafapnoe leide, werde er mit dem medizinischen Didgeridoospiel bewirken, dass seine Schlund- und Rachenmuskulatur stärker wird, so Suarez. "Auch die Durchblutung des Bindegewebes wird verstärkt und in der Kombination wird eine Straffung erzeugt. Diese Straffung eliminiert die Apnoen und auch die Schnarchgeräusche."

Ein Forschungsteam um Milo Puhan vom Horten Zentrum der Universität Zürich und Otto Brändli von der Zürcher Höhenklinik Wald führte 2005 eine erste kontrollierte Studie dazu durch. Sie untersuchten, ob sich das Didgeridoo spielen auf Folgeerscheinungen des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms wie vermehrte Tagesmüdigkeit und Störung der Schlafpartner auswirke.

Die Forscher teilten 25 Patienten mit leichtem Schlafapnoe-Syndrom, die über störendes Schnarchen klagten, nach dem Zufallsprinzip entweder in eine Gruppe mit Didgeridoo spielen oder in eine Kontrollgruppe ein. Nach viermonatigem Spielen zeigten die Didgeridoo-Spieler eine signifikant geringere Tagesmüdigkeit als die Teilnehmer in der Kontrollgruppe. In den Schlafuntersuchungen zeigte sich auch objektiv eine verminderte Schlafapnoe. Zusätzlich fühlten sich die Partnerinnen und Partner der Studienteilnehmer deutlich weniger in ihrem Schlaf gestört.

Ig-Nobelpreise verliehen
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Glossar
Schlafapnoe
Heftiges Schnarchen mit Atemaussetzern ist nicht immer harmlos. Im Verdachtsfall wird in einem Schlaflabor untersucht, ob es sich um eine Schlafapnoe handelt.
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Ruhe in der Nacht
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