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Arzt und Schwestern Video
Kritiker raten dazu, den Vertrag zur Kostenrückerstattung kritisch zu prüfen
Krebsmedikament mit Geld-zurück-Garantie
Wenn Avastin nicht wirkt, zahlt Roche Geld zurück
Der Pharmakonzern Roche vertreibt sein Krebsmedikament Avastin mit Geld-Zurück-Garantie. Dies sei eine unseriöse Marketingstrategie.
Dies sagt Prof. Wolf-Dieter Ludwig von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: "Man versucht natürlich durch solche Angebote Ärzte zu motivieren, den Wirkstoff sehr frühzeitig zu verordnen, trotz noch fehlender Erkenntnisse zum Nutzen." Zeigt Avastin nach drei bis fünf Monaten - je nach Krebsart - keine Wirkung, erstattet der Konzern die Kosten.

Roche erstattet das Geld an die Krankenhäuser zurück, die das Mittel den Patienten verordnen, ursprünglich gezahlt haben es aber die Krankenkassen. "Hier ist eine Schieflage entstanden", erklärt Wolfgang Becker-Brüser, Herausgeber der Zeitschrift Arznei-Telegramm. "Die Situation ist so, dass der Patient Schaden nimmt, weil die Therapie nicht anschlägt. Die Krankenkasse hat das Ganze bezahlt und die Klinik bekommt das Geld zurück. Das ist nicht nur unlogisch", sondern die Klinik werde für eine Situation belohnt, in der der Patient einen Schaden erleidet.

Roche weist die Kritik an der Vorgehensweise zurück
Das Unternehmen distanziert sich von diesen Aussagen. "Wir haben auch nicht festgelegt was letztlich mit dem Geld passiert, das zurückgezahlt wurde", sagt Dr. Wolfgang Dietrich von der Roche AG. "Das ist Obliegenheit der Krankenhäuser und der Krankenkassen. Möglicherweise kann man daraus Forschungsprojekte finanzieren, was auch immer. (...) Es ist nicht so, absolut nicht so. Das geht auch gar nicht, das wäre auch ungesetzlich, dass wir die Krankenhäuser animieren wollen, an den Krankenkassen vorbei Geld zu verdienen. Das geht gar nicht." Doch Roche legt seinem Vertragsangebot ein juristisches Gutachten bei, in dem es unter anderem heißt: "Die (...) rückerstatteten Kosten (...) müssen nicht an die Krankenkassen durchgereicht werden. (...)"

Der Nutzen des Mittels ist außerdem umstritten
"Ganz wichtig ist sich klarzumachen, dass Avastin für eine Vielzahl von Patienten zu einer deutlichen Verbesserung Ihrer Lebens- und Überlebenssituation führt", sagt Dr. Niko Andre von der Roche AG. "Insofern sollte sich die Therapieentscheidung des behandelnden Krebsmediziners immer an der Datenlage orientieren und die Datenlage für Avastin ist wirklich exzellent." Doch unabhängige Experten weisen auf negative Studien zu Avastin hin.

"Avastin hat in den letzten Jahren eine insgesamt sehr schlechte Fachpresse, es gibt viele enttäuschende Studienergebnisse bei verschiedenen Indikationen wie Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs", so Prof. Wolf-Dieter Ludwig von Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. "Und vor diesem Hintergrund fürchtet natürlich der Hersteller, dass die sehr hohen Umsätze einbrechen und Avastin nicht mehr die Rolle als Blockbuster Nummer 1 weltweit unter den onkologischen Wirkstoffen wird spielen können."

"Ich hoffe sehr, dass die Vertragspartner von Roche, Krankenhäuser beispielsweise oder auch Krankenkassen, dieses Angebot sehr gründlich prüfen und es ablehnen, wie es mein Krankenhausträger bereits getan hat", sagt Prof. Wolf-Dieter Ludwig, von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. "Die Krankenkassen haben natürlich auch die Möglichkeit juristisch dagegen vorzugehen."

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