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© Gabriele Prein Video
Mohammad Baharloo ist einer der bekanntesten Autoren des Iran.
"Die Literatur ist mein Leben"
Mohammad Baharloo ist Gastautor in Frankfurt
Er geht jeden Tag an den Main. Der Fluss erinnert ihn an seine Heimat Iran. Mohammad Baharloo ist einer der bekanntesten Autoren des Iran. Am Ort der Geburtsstätte der deutschen Demokratie in Frankfurt am Main hat er als Gastautor des Programms "Städte der Zuflucht" ein neues Zuhause gefunden. Erst vor wenigen Wochen ist er aus dem Iran ausgereist. Wir haben ihn in Frankfurt am Main getroffen.
Wieso hat er den Iran verlassen, ist er ein verfolgter Schriftsteller? Baharloo äußert sich vorsichtig kritisch. "Ich bin kein politischer Schriftsteller", sagt er. "Ich bin ein Mensch der Kultur. Man sollte die Kultur nicht mit der Politik vermischen, dann nehmen beide Schaden. Außerdem ist das im Iran zu riskant. Ein großes Problem unserer Gesellschaft ist, dass alle kulturellen Aktivitäten politisch verknüpft werden. Das ist gefährlich. Das dürfen wir nicht tun."

Nie eine Universität besucht
Aufgewachsen ist Mohammad Baharloo in der iranischen Hafenstadt Abadan an der Grenze zum Irak. Als Junge arbeitete er in der größten Erdölraffinerie der Welt. Baharloo ist ein "Homme de lettre", aber er hat nie eine Universität besucht. 1980, ein Jahr nach der islamischen Revolution, veröffentlichte er seinen ersten Band mit Erzählungen. Daraufhin wurde er verhaftet. Im Iran-Irak-Krieg musste er vor den Bomben Saddams fliehen. Das war eine prägende Erfahrung, auch für seine Literatur. "Ich sah einen Mensch, der etwas in der Hand hielt und auf uns zulief", berichtet Baharloo. "Plötzlich fiel er um und wir sahen, er hielt seine abgeschossene Hand hoch und schrie. (…) einem Soldaten steckte eine Panzerfaust in der Schulter und war noch nicht explodiert. So etwas habe ich bisher weder in einem Film gesehen noch in einem Roman gelesen. Später habe ich diese schreckliche Erfahrung in meinem Roman verarbeitet, der allerdings noch nicht erschienen ist."

Seit 1993 ist Mohammad Baharloo Mitglied der iranischen Schriftstellervereinigung. 1994 unterzeichnete er gemeinsam mit 134 iranischen Intellektuellen einen Appell für mehr Meinungsfreiheit im Iran. Das Regime reagierte mit Todeslisten. Die Übersetzer Mohammad Mokhtari und Djavar Pujandeh werden ermordet aufgefunden. Bis zum Verbot im Jahre 1999 arbeitete Baharloo als Redakteur einer Literaturzeitschrift, in seinen Büchern schreibt er über die Einsamkeit und Entfremdung der Menschen. Die Frankfurter Buchmesse will mit der Einladung des Schriftstellers auch ein politisches Zeichen setzen. Viele Künstler und Schriftsteller sind im Iran derzeit in Haft. "Natürlich bin ich dafür, dass beispielsweise der Arrest gegen den Filmemacher Jafar Panahi aufgehoben wird", sagt Baharloo. "Ich selbst bin als Schriftsteller von Zensur betroffen. Und es gibt Repressionen in allen Bereichen, der Literatur, der Musik, im Theater und Verlagswesen. Und es gibt viele Arten der Unterdrückung. Man weiß nie, wann und wo und vor allem wie sie zuschlagen."

"Das Schreiben ist wie eine Reise"
Der 57-Jährige geht jetzt regelmäßig in die Volkshochschule, um Englisch zu lernen. Die Zeit in Frankfurt will er nutzen, die Arbeit an seinem Wörterbuch der persischen Umgangssprache zu beenden - ein einzigartiges Werk der iranischen Gegenwartsliteratur. Und er will sich als Schriftsteller eine Tür öffnen, eine Tür zu einer anderen Welt. "Für mich ist das Schreiben wie eine Reise", sagt er. "Ich denke dabei nicht an das Ziel. Ob ich mit dem Schreiben einen Preis gewinne, ob meine Bücher übersetzt werden oder ob ich gefeiert werde, das ist mir nicht wichtig. Ich schreibe um des Schreibens willen - die Literatur - das ist mein Leben."

Mohammad Baharloo will eines Tages wieder in seine Heimat Iran zurückkehren. Dort lebt ein großer Teil seiner Familie. Doch seine Reise hat erst begonnen.

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Kulturzeit kompakt
09.07. bis 10.08.2012
täglich ab 19.20 Uhr
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