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Moderation
PORTRÄT
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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Der Bariton Peter Schöne musste 1400 Euro an die "SZ" und die "FAZ" zahlen - wegen Urheberrechtsverletzung.
Abgemahnt und abgezockt
Internetabmahnungen bei Künstlern
Internetabmahnungen aller Arten machen schon seit einiger Zeit die Runde. Oft trifft es ahnungslose User, die plötzlich horrende Rechnungen über illegale Downloads erhalten, die sie nie getätigt haben. Juristen gehen davon aus, dass allein 2010 rund eine halbe Million Abmahnungen an deutsche Internetnutzer verschickt wurden. Diese sollen urheberrechtlich geschützte Musik oder Filme im Internet heruntergeladen und weiter verbreitet haben. Nun zieht das Thema auch weitere Kreise - bis hin zu betroffenen Künstlern. Es geht um das sogenannte Zitatrecht.
Peter Schöne ist Sänger. Der Bariton ist ziemlich erfolgreich, singt an verschiedenen Opernhäusern quer durch die Republik und gibt Liederabende. Vor Kurzem bekam er ungewöhnliche Post. "Das Einschreiben war das Erste, was ich von der 'Süddeutschen Zeitung' bekam", erinnert er sich, "und ich dachte: 'Süddeutsche Zeitung', die hatte ich mal abboniert, die wollen mir bestimmt Werbung schicken." Doch der Verlag wollte Geld. Denn der Sänger hatte, ohne zu fragen, Kritiken über sich aus dem Blatt auf seine Homepage gestellt. Und damit hat er das Urheberrecht verletzt.

Sechs Kritiken - 1800 Euro
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Jan Bernd Nordemann ist Rechtsanwalt für Urheberrecht.
350 Euro für drei Jahre Nutzung von drei Artikeln auf seiner Homepage habe man gefordert. "Ist in Ordnung", dachte Schöne. "Ich bekam dann von der 'FAZ' ein ähnliches Schreiben. Man muss auch dazu sagen, dass bei der 'FAZ' wesentlich härter gegen mich vorgegangen wurde." Für sechs Kritiken aus den Jahren 2006 bis 2011 wollte die "FAZ" rückwirkend 1800 Euro kassieren. "Ich habe die Texte verwendet, die Quellen angegeben, und bin davon ausgegangen, dass es sich bei dieser Art und Weise um ein Zitat handelt. Bei der Gelegenheit musste ich lernen, was zitieren wirklich bedeutet."

Das Internet ist eine große Falle und in die tappen alle, die glauben, im Netz sei alles möglich. "Man darf aus Zeitungsartikeln durchaus zitieren", Jan Bernd Nordemann, Rechtsanwalt für Urheber- und Medienrecht. "Man muss allerdings ein solches Zitat verwenden, um seine eigene Auffassung zu belegen." Peter Schöne hatte die Kritiken kommentarlos auf seine Seite gestellt. Jetzt musste er einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen. "Er hat mir gesagt, er würde mit ihnen sprechen und versuchen, ob man da am Preis noch etwas machen kann", so Schöne. "Daraufhin bekam ich von der 'FAZ' einen Brief: Im Übrigen hätte man jetzt im Internet in Webarchiven nachgeforscht und festgestellt, dass die Artikel schon viel länger auf meiner Homepage wären. Und jetzt wollte man plötzlich 2400 Euro von mir haben."

Mit fremden Federn schmücken
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Roland Gerschermann ist der Geschäftsführer der "FAZ".
"Es muss dem Verlag nicht schlecht gehen, aber wir sind daran interessiert, dass wir die geistige Leistung, die hier erarbeitet wird, auch entsprechend vergütet bekommen", sagt Roland Gerschermann, Geschäftsführer der "FAZ". "Und wir wollen sie nicht im Internet kostenlos verwertet wissen." Das betrifft inzwischen immer mehr Nutzer, die sich mit "fremden Federn" schmücken, auch die Oper in Frankfurt am Main. "Das Opernhaus kann sie nutzen", so Gerschermann, "beispielsweise in Schaukästen in den Opern. Darüber freuen wir uns. Das, was wir nicht wollen, ist, wenn man 'FAZ' aufruft und in unterschiedlichsten Bereichen ungeordnet unsere Artikel im Internet wiederfindet. Da sind eher die Grenzen, die wir zu steuern suchen."

Mittlerweile gibt es aber sogenannte Copyright-Trolls. Das sind Rechtsanwälte, die Urheberrechtsverletzungen im Netz verfolgen und daraus ein Geschäftsmodell gemacht haben. Die Oper Frankfurt soll 7500 Euro berappen. Äußern will man sich dort dazu noch nicht. "Normalerweise sind das Fälle, die nicht ganz große wirtschaftliche Dimensionen haben", sagt Nordemann. "Da einigt man sich. Man ist aufeinander angewiesen. Die Journalisten, die die Zeitungsartikel verfassen, möchten auch ins Theater eingeladen werden, möchten die Freikarten bekommen, so dass das auch ein bisschen ein Geben und Nehmen ist."

Was sagen die Journalisten?
Die Zeitungsverlage wollen offensichtlich lieber nehmen als geben. Die Machtverhältnisse scheinen klar zu sein. Doch wie sehen das die Journalisten selbst? Sie sind schließlich die eigentlichen Urheber. "Ich habe mit einem Journalisten von der 'FAZ' gesprochen", sagt Peter Schöne. "Er war bestürzt darüber, hat aber auch gesagt, dass er mit dem Verlag selbst nichts zu tun hat. Ich habe auch mit anderen Journalisten gesprochen, die alle bestürzt über diese Praxis waren, die doch letzten Endes das Vertrauensverhältnis zwischen Zeitung, Kritiker und Künstler beschädigt."

Seit Jahrzehnten kämen Kritiker in die Konzerte und die Künstler verwendeten die Kritiken, um sich zu präsentieren und im Markt zu etablieren, so Schöne. "Dafür sind die Kritiken für uns wichtig. Und dass das jetzt nicht mehr so ist, hat sicher etwas damit zu tun, wie heute mit Rechten im Internet umgegangen wird, und auch wie wir Künstler mit dem Internet umgehen", so der Sänger. Peter Schöne musste am Ende insgesamt 1400 Euro an die "Süddeutsche" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zahlen. Jetzt widmet er sich lieber wieder seiner Kunst.

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