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Themen am 24.05.2017Navigationselement
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Biennale
Die 57. Kunst-Biennale in Venedig öffnete am 13. Mai ihre Tore. Zum Auftakt wurden die Preise u.a. den besten Künstler und den besten nationalen Beitrag verliehen.
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© dpa-bildfunk Lupe
Unter Pseudonymen wie Kaspar Hauser, Peter Panter und Theobald Tiger veröffentlichte der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky seine Artikel.
Beißender Satiriker
Zum 125. Geburtstag von Kurt Tucholsky
Bis heute ist er als Pazifist und politischer Schriftsteller bekannt. Aber Kurt Tucholsky ist viel mehr: Lyriker, Romancier, Journalist und ein Meister der beißenden Satire. Vor allem aber eine schillernde und auch widersprüchliche Persönlichkeit mit menschlichen Schwächen.
Es sind zwei Liebesgeschichten, die Anfang und Ende von Kurt Tucholskys Laufbahn bilden: "Rheinsberg" und "Schloss Gripsholm". Seinen Wohnort wechselt er fast so oft wie seine Liebschaften. "Dass man nicht alle haben kann", seufzt er in einem Gedicht. Allein "Rheinsberg" ist drei seiner vielen Freundinnen gewidmet, darunter Else Weil, der ersten Ehefrau, die er aber schon ein paar Wochen nach der Hochzeit betrügt.

Der Womanizer
"Er war kein Sexversessener", sagt Roland Templin, Mitglied der Tucholsky-Gesellschaft in Minden. "Diese wechselnden Beziehungen hingen sicher auch damit zusammen, dass jede Frau einen spezifischen Charakter hatte, der nicht alles abdeckte, was er vielleicht ganz illusorisch von einer Frau erwartete." Vater Tucholsky stirbt früh an Syphilis. Er hinterlässt eine Frau, drei Kinder und ein stattliches Vermögen. So kann der älteste Sohn Kurt von Kindesbeinen an seiner Leidenschaft für schöne Kleider und geschliffene Formulierungen frönen. Zunächst studiert er Jura. Doch mit Vaters Erbe im Rücken widmet er sich bald ganz der Schriftstellerei: Publikationen aller Art vom linken Kampfblatt bis zur konservativen Illustrierten. "Man kann Tucholsky schwer in ein Schubfach tun", sagt der Theater- und Filmschauspieler Walter Plathe. "Er ist vieles: ein großer, wie ich meine, auch Politiker, Satiriker, Kabarettist, Lyriker, ein wunderbarer Geschichtenerzähler. Das alles zusammen macht die Person Tucholsky aus."

Während des Ersten Weltkrieges, Tucholsky ist gerade 24 Jahre alt und weit entfernt von der politischen Weitsicht seiner späten Jahre, verlässt er die jüdische Gemeinde und wird evangelisch, um im Militär Karriere zu machen. Im baltischen Alt-Autz veröffentlicht er eine Militärzeitschrift und lernt Mary Gerold kennen, seine ganz große Liebe. Noch 1918 wirbt er in einem Gedicht für deutsche Kriegsanleihen und trägt nach dem Krieg die Verantwortung für ein antipolnisches Hetzblatt. "Dieses Blatt, Tucholsky hatte die Chefredaktion, war an sich in seiner Ausrichtung recht übel", so Templin, "obwohl viele namentlich bedeutende Zeichner, Zille, Trier, Gulbrandson, daran mitwirkten. Er selbst hat später, als ihm das vorgeworfen wurde, selber bekannt: 'Auch ich hatte meine Hände in diesem Bottich.' Dieser Bottich war reich gefüllt. Die daran Beteiligten haben gut verdient."

Überzeugter Nazi-Gegner
Tucholsky bestückt die wilden 1920er Jahren mit witzigen Couplets und spöttischen Kabaretteinlagen. Je brauner die Weimarer Republik, desto beißender seine Satire, desto härter sein politisches Urteil. Über die deutschen Kriegstreiber schreibt er: "Die da sind kalt, eiskalt, ganz bewusst - echte Verbrechernaturen." Als überzeugter Nazi-Gegner lässt er sich nicht verbiegen. "In dem Fall, wo man seine Artikel entschärfen wollte", so Templin, "egal von welcher Seite, ob von der kommunistischen Seite oder von der eher rechtsliberalen, hat er gesagt: 'Dann druckt mich nicht. So - oder gar nicht'."

Doch gegen die Nazis ist Tucholskys spitze Feder eine allzu schwache Waffe. Mit Hitlers Machtübernahme landet er auf den Listen der "Volksverräter" und "entarteten Schriftsteller" - als Jude, Linker, Antimilitarist und durch seinen beißenden Spott gegen alles "Deutsch-Nationale". "Die Geschichte: 'Du gabst Dich mir im Unterholze, einmal hin und einmal her. Und fragtest mich mit deutschem Stolze, ob ich im Krieg gewesen wär.' Na hallo - ironischer geht’s nimmer", so Plathe.

1930 zieht Tucholsky nach Schweden. Ein Urlaub mit Lisa Matthias inspiriert sein letztes Buch "Schloss Gripsholm". Dann verstummt er zusehends: ausgebürgert, mittellos, gesundheitlich angeschlagen. Trotz zahlreicher Freundinnen trauert er seiner großen Liebe Mary Gerold nach. "Hatte einen Goldklumpen in der Hand gehabt und mich nach Rechenpfennigen gebückt", schreibt er ihr in einem Abschiedsbrief. Durch eine Mischung aus zu viel Whisky und Schlafmitteln geht Tucholskys Leben mit 45 Jahren zu Ende.

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© ZDFLupeWinkelmann liest Tucholsky
Kurt Tucholsky zum 125. Geburtstag