© ORF/EIKON FILMPRODUKTION und MIRAMONTE FILM/Jakob Stark
Video online ab 2.4.2019, 22.25 UhrVideo online ab 2.4.2019, 22.25 Uhr
Milliardenschwer - Das System Milch
Milch ist Big Business. Hinter dem unschuldig anmutenden Lebensmittel verbirgt sich ein milliardenschweres Industriegeflecht. Profit wird auf Kosten der Umwelt, der Tieren, der Menschen und unserer Gesundheit gemacht. Dabei ginge es auch anders... " Das System Milch" ist eine cineastische Reise über mehrere Kontinente, die mit Vorurteilen aufräumt und Lösungen aufzeigt.
Fast auf jeder Milchpackung sehen wir das Bild glücklicher Kühe, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Vom romantisch verklärten Bild der idyllischen Milchviehwirtschaft ist nicht mehr viel übrig, die Milchproduktion ist heute eine milliardenschwere Industrie mit hochgezüchteten Turbo-Kühen und automatisierten Arbeitsprozessen. Der mit einem Grimmepreis ausgezeichnete Südtiroler Filmemacher Andreas Pichler wirft einen Blick hinter die Kulissen der Milchproduktion. Er trifft Landwirte, Industrielle, Wissenschaftler und Lobbyisten und zeigt, welche weitreichenden Folgen das große Geschäft mit der Milch hat - auf die Tiere, auf die Umwelt und auf uns Menschen selbst.

Turbo-Milchkühe bei der Viehzüchtermesse im norditalienischen Cremona © ORF/EIKON FILMPRODUKTION und MIRAMONTE FILM/Martin Rattini Turbo-Milchkühe bei der Viehzüchtermesse im norditalienischen Cremona
Hochtechnisierte Kuhhaltung mit Melkkarussell in China (Hohhot, Innere Mongolei) © ORF/EIKON FILMPRODUKTION und MIRAMONTE FILM/Martin Rattini Hochtechnisierte Kuhhaltung mit Melkkarussell in China (Hohhot, Innere Mongolei)
Der Südtiroler Kleinbauer Alexander Agethle bringt seine Kühe auf die Weide (Mals, Vinschgau) © ORF/EIKON FILMPRODUKTION und MIRAMONTE FILM/Falco Seliger Der Südtiroler Kleinbauer Alexander Agethle bringt seine Kühe auf die Weide (Mals, Vinschgau)

Fakten zur industriellen Milchproduktion
  • Jährlich werden in Europa etwa 200 Millionen Tonnen Milch und Milchpulver produziert. In Europa geht es um einen Markt von 100 Milliarden Euro.
  • Der Konsum von Milcherzeugnissen in Deutschland liegt stabil bei etwa 90 kg pro Person und Jahr. 2016 verzehrte jeder durchschnittlich 52,3 kg Milch, 24,4 kg Käse, 16,7 kg Joghurt und 6 kg Butter.
  • Von 32,7 Mio. Tonnen Milch, die 2016 in Deutschland produziert wurden, war etwa die Hälfte für den Export bestimmt, mit zunehmender Tendenz.
  • Im Mai 2017 wurden in Deutschland etwa 32 Cent pro Liter Vollmilch gezahlt. Um kostendeckend zu arbeiten, brauchen Milchbauern im Schnitt mindestens 40 Cent je Liter.
  • Milchbauern und andere Landwirte in Schwierigkeiten werden von der Europäischen Union mit etwa 500 Millionen Euro subventioniert.
  • Zentrales und zugleich schwächstes Glied in der intensiven Milchproduktion ist die Kuh. Im Jahr 2016 lag der durchschnittliche Ertrag je Kuh pro Jahr bei 7.746 Kilogramm. Pro Liter Milch entstehen in der intensiven Landwirtschaft etwa drei Liter Gülle.
  • Die durchschnittliche Zahl der Milchkühe pro Betrieb ist seit dem Jahr 2000 von rund 33 auf 57 Tiere gewachsen. Die Tiere werden durchschnittlich im Alter von fünf Jahren geschlachtet, obwohl Kühe bis zu 25 Jahre alt werden können.
  • Damit eine Kuh hohe Milchleistungen erbringen kann, erhält sie Kraftfutter z.B. aus Soja, das vor allem aus Südamerika importiert wird. Für den Anbau werden dort Regenwälder und Savannen abgeholzt.
  • Quellen: milchindustrie.de, agrarheute.com, ble.de, ec.europa.eu/agriculture/milk_de, wwf.de, provieh.de

Ökologische Milchproduktion
Der Preis für ein Kilo Biovollmilch lag 2017 bei über 50 Cent, mittlerweile liegt er sowohl in Deutschland als auch in Österreich deutlich darunter bei 44 bis 47 Cent. Im Gegensatz zur konventionellen Tierhaltung gibt es im Rahmen der EU-Öko-Verordnung konkrete gesetzliche Mindeststandards, die streng überwacht werden. Vorgaben wie: Auslauf im Freien, keine Anbindung, Mindestplatz pro Tier, Ausgestaltung der Stall- und Liegeflächen. Der Verbraucher erkennt Produkte mit diesen Vorgaben am europäischen oder deutschen Biosiegel. Aber auch in Sachen Bio gibt es Abstufungen. Private Anbauverbände wie Naturland, Bioland oder Demeter haben zum Teil noch wesentlich strengere Richtlinien.

Regisseur Andreas Pichler
Der renommierte Südtiroler Dokumentarfilmregisseur Andreas Pichler wurde für seine Arbeiten bereits vielfach ausgezeichnet, u.a. 2004 für "Call Me Babylon" mit dem Grimme-Preis sowie mit einer Grimme-Preis Nominierung für "Der Pfad des Kriegers". 2015 erhielt er den Deutsch-Französischen Journalistenpreis für "Europe for Sale". Vielen in Erinnerung geblieben ist vermutlich der Film "Das Venedig-Prinzip", der sich mit den immer mehr überhand nehmenden Kreuzfahrttouristen in der Lagunenstadt auseinandersetzt.

Sendedaten
Dienstag, 2. April 2019
um 22.25 Uhr
Wiederholung:
2./3. April 2019, 0.55 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
© ORF/EIKON FILMPRODUKTION und MIRAMONTE FILMLupeEine Dokumentation von Andreas Pichler, Deutschland/Italien 2017
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