Herz-OP
Ganze DokuGanze Doku
VIDEO: Die ganze Wissenschaftsdoku "Leben mit neuem Herzen" in der Mediathek.
Wissenschaftsdoku: Leben mit neuem Herzen
Für die Patienten ist die Belastung riesig
Die durchschnittliche Lebensdauer mit einem transplantierten Herzen beträgt heute 15 bis 20 Jahre - ein ungeheurer medizinischer Fortschritt.
Vor 50 Jahren überlebte der erste Patient nur 18 Tage. Am 3. Dezember 1967 setzte der Chirurg Christiaan Barnard zum ersten Mal einem Menschen ein fremdes Herz ein und schrieb damit Medizingeschichte. Der Patient, Louis Washkansky, 53 Jahre alt, verstarb kurze Zeit später an einer Lungenentzündung.

Das neue Herz bedeutet länger Leben, aber mit hoher Belastung
Um eine Abstoßung des neuen Herzens zu verhindern, hatten die Ärzte sein Immunsystem außer Gefecht gesetzt. Erst in den Folgejahren wurden für diesen Zweck bessere Medikamente entwickelt. Ein geschwächtes Abwehrsystem macht anfälliger für Krankheiten aller Art - von Infektionen bis hin zum Krebs. Für die Patienten ist die Belastung riesig: Sie müssen ihr Leben lang starke Medikamente schlucken. Manche kommen mit dem fremden Herzen in der Brust nur schwer klar.

Angeborene Herzfehler, eine verschleppte Grippe mit Herzmuskelentzündung - es gibt viele Gründe, warum eine Herztransplantation notwendig wird. Doch es fehlen Spenderherzen: Nur jeder vierte Patient überlebt die Wartezeit. Denn immer weniger Menschen sind bereit, einer Organspende zuzustimmen. Insgesamt gibt es nur noch rund 290 Herzverpflanzungen in Deutschland pro Jahr.

Könnte ein Kunstherz in Zukunft den Mangel ausgleichen?
Es gibt erste Versuche mit mechanischen Kunstherzen. Auch die Verpflanzung von Schweine- oder Pavianherzen wird diskutiert. Weit erfolgreicher ist der Einsatz von VADs (ventricular assist devices), also Herz-Unterstützungssystemen. In Deutschland werden diese künstlichen Pumpen bei rund 900 Patienten pro Jahr eingesetzt.

Christiaan Barnard - Leben und Wirken

Christiaan Barnard
Christiaan Barnard
13 Jahre nach der ersten erfolgreichen Nierentransplantation in Boston waren 1967 wichtige Voraussetzungen für eine Herztransplantation beim Menschen erfüllt: Die Herz-Lungen-Maschine konnte für die Dauer der Operation die Herzfunktion übernehmen. Und eine ausreichende Konservierung des Spenderherzens war möglich. Empfänger der ersten Transplantation war Louis Washkansky, der nach drei Herzinfarkten bereits seit Wochen auf Barnards Station lag. Herzspenderin war die 25-jährige Denise Darvall, die von einem betrunkenen Autofahrer getötet worden war. 18 Tage später starb Washkansky an einer Lungenentzündung.

Erfolg mit Beigeschmack
Es war eine der spektakulärsten Operationen des 20. Jahrhunderts als dem Südafrikaner Christiaan Barnard die erste Herzverpflanzung glückte. Eine Pioniertat, die mit der Mondlandung verglichen wurde. Er kam damit seinen Lehrern in den USA um wenige Wochen zuvor. Barnard, Sohn eines protestantischen Missionars, avancierte zum "Superstar" der Medizin. Doch sein Sieg im Wettlauf um Ruhm und Ehre hatte einen Beigeschmack. Er selbst sprach von einem "Sprung ins kalte Wasser". Viele hielten eine derart komplizierte Operation für verfrüht, hatte es bis dahin ähnliche Experimente doch nur an Hunden gegeben. Seine Operation warf auch ethische Fragen zum Tod des Menschen auf: Nicht der Herztod, sondern der Hirntod gilt seitdem als absolutes Ende des Lebens.

Doch Barnard machte weiter. Sein zweiter Patient, der Zahnarzt Philip Blaiberg, lebte mit dem fremden Organ immerhin noch 20 Monate. Insgesamt jedoch blieben die Erfolge dürftig. Trotzdem fühlten sich viele Mediziner durch den Erfolg von Barnard ermutigt. 1968 wurden insgesamt 102 Herztransplantationen durchgeführt; in Deutschland kam es 1969 in München zur Premiere. Der Durchbruch kam - wie auch schon bei der Nieren- oder Lebertransplantation - mit der Entdeckung von Ciclosporin. Das Medikament unterdrückt das Immunsystem, wird seit Anfang der 1980er Jahre eingesetzt und hat dazu beigetragen, die Lebenszeit deutlich zu erhöhen.

Ausgerechnet ein Herzinfarkt
Barnard, der zusammen mit seinem Bruder an insgesamt 46 Herztransplantationen mitwirkte und sich nebenher in Südafrika auch als Farmer, Gastronom und Schriftsteller verdingte, verdiente sich mit seinem Ruhm eine goldene Nase. Er inszenierte sich als Lebemann und als Playboy. Er besuchte US-Präsident Lyndon B. Johnson auf dessen Ranch und traf Papst Paul VI. in Privataudienz. Barsche Kritik erntete der Chirurg immer wieder für sein Plädoyer für eine aktive Sterbehilfe oder unverhohlene Mordaufrufe gegen "die Feinde Südafrikas". 2001 starb Barnard im Alter von 78 Jahren am Swimmingpool eines Grandhotels im griechischen Teil Zypern - er erlag einem Herzinfarkt.

Fortschritte in der Herzmedizin

Heute ist die Herztransplantation zu einem kalkulierbaren Risiko geworden. Patienten können 15 bis 20 Jahre mit einem zweiten Herzen leben. 2016 wurden in Deutschland nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation 297 Herztransplantationen durchgeführt. Größtes Problem ist der Mangel an Spenderorganen: Im selben Zeitraum wurden 450 Patienten neu zur Transplantation angemeldet.Immerhin liegt die Überlebensrate mittlerweile im ersten Jahr bei 80 Prozent, nach fünf Jahren leben noch 60 Prozent. Nicht wenige der Herzpatienten können sogar ins Berufsleben zurückkehren.

Es tut sich viel in der Herzmedizin
Um die Wartezeit auf ein Spenderorgan zu überbrücken, werden künstliche Herzpumpen eingesetzt. Wissenschaftler und Mediziner arbeiten an Kunstherzen oder versuchen, Schweineherzen genetisch zu verändern, damit sie von Patienten nicht abgestoßen werden. Andere Wissenschaftler experimentieren mit körpereigenen Zellen, um Transplantate zu gewinnen. Auch bei der medikamentösen Therapie von Herzerkrankungen gibt es große Fortschritte, so dass die Zahl der Transplantationen eher rückläufig ist.



Ein Film von Volker Wasmuth und Patrick Zeilhofer
Die Wissenschaftsdoku begleitet einen Patienten auf seinem Weg zu einem neuen Herzen, besucht den Schauplatz der ersten Herztransplantation in Kapstadt, begegnet Menschen, die seit vielen Jahren mit einem fremden Herzen leben, und trifft Wissenschaftler, die am perfekten Kunstherz arbeiten. Ein Film über die Königsdisziplin der Chirurgie, die Herztransplantation, über ihre Möglichkeiten und Grenzen.

Wie funktioniert die Herztransplantation heute im Vergleich zur ersten Verpflanzung vor 50 Jahren? Was passiert im OP während der Transplantation? Nach welchen Kriterien werden die Spenderherzen verteilt und warum gibt es nicht genügend Spenderorgane? Was sind die Schwierigkeiten bei der Entwicklung eines Kunstherzens?

Navigation / Sendung
Wissenschaftsdoku
Immer donnerstags um 20.15 Uhr
Wissenschaft am Donnerstag
© dpascobel: Baukasten Mensch
Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile
Service
Der Sprechertext der Doku als PDF.