Blogger und Podcaster (2)
Die Medienrevolution im Netz
Längst ist eine Bloggerszene entstanden, die die bisherigen Medienstrukturen auf den Kopf stellt. Blogger gelten als authentisch. Sie setzen sich kritisch mit Medien und Gesellschaft auseinander. Ihre Seiten haben sich längst zu einer Kultur prägenden Avantgarde entwickelt.

Johnny Häussler, Spreeblick-Verlag:
“UnserBlog gliedert sich in ganz verschiedene Themen, genauso wie das Leben selber. Und das ist auch Stimmungsabhängig. Wenn ich nachts um ein Uhr etwas veröffentliche und schon drei Bier getrunken habe ist das was komplett anderes, als wenn ich es morgens um neun Uhr schreibe. Und das ist auch der Spaß für die Leser, dass man zu Spreeblick geht und nicht so richtig weiß, was einen erwartet. Wenn es gleichzeitig noch Themen sind, die spannend sind, ist das wunderbar. Ich hoffe auch, dass wir Themen ins Blickfeld rücken, an die man im Moment gar nicht gedacht hat. Dann kommt man morgens zu Spreeblick und denkt, mal was ganz anderes.“

Spreeblick-Leser diskutieren gerne. Kommentare in zweistelliger Anzahl sind keine Seltenheit bei Spreeblick-Einträgen. Weblogs wie Spreeblick ermöglichen den unmittelbaren Schlagabtausch. Sie sind der neue Ort für Meinungsbildung und Diskussion.

Johnny Häussler, Spreeblick-Verlag
“Ich glaub das liegt immer in der Natur der Leute. Bei manchen Leuten hilft das und sie sagen, so hab ich das noch nie betrachtet. Und bei anderen Leuten verhärtet es nur ihre Position. Deswegen glaube ich nicht, dass ein Medium etwas verändern kann. Das müssen schon die Menschen selber tun.“

Manfred Heinze, Journalist und Blogger:
„Wir transportieren nicht Journalismus auf eine Art, die in den Print-Bereich gehört. Wir machen ganz klar ein Weblog. Das heißt, wie sagen eine Meinung, wir haben eine Meinung. Wir lassen die Leser zu Wort kommen. Wir veröffentlichen Dinge, die Leser gemacht haben, geschrieben haben oder produziert haben. Vor zwei Tagen haben wir ein Video zusammen mit einem Leser gemacht. Da gibt’s ne gewisse Augenhöhe.“

Angefangen hat alles vor fünf Jahren mit Industrial Technology and Witchcraft, eines der ersten Weblogs in Deutschland überhaupt – gespickt mit Persönlichen Dingen, Kuriositäten oder Neuigkeiten aus der Medienwelt.


Manfred Heinze, Journalist und Blogger:
„Grundsätzlich sind Weblogs ja eine Methode der persönlichen Kommunikation, die es bis jetzt einfach noch nicht gegeben hat. Wir machen hier ein Ding was ein paar hunderttausend Leser hat, ohne einen Verlag. Das war vor fünf Jahren völlig undenkbar. Man brauchte einen Verlag, der einem so was finanziert, und man brauchte einen Apparat darum, um es einfach zu veröffentlichen um es ins Publikum zu bringen. All das ist jetzt da. Das heißt jeder hat eine Stimme.“

Seinen größten Coup landete Manfred Heinze 2005 mit dem Lost Video: Die Präsentation des ersten Macintosh-Computers durch den jungen Apple Gründer Steve Jobs 1984. Manfred Heinze fand das Video bei einem Sammler in Amerika und stellte es ins Internet. Die Netz-Welt war begeistert. Innerhalb weniger Stunden brach der Server zusammen.

Manfred Heinze, Journalist und Blogger:
“Als ich es zum ersten Mal gesehen hab, das war schon extrem schön. Ich hatte Gänsehaut, ohne Ende. Nachdem alle möglichen Nachrichtendienste in Europa, in USA und in Japan, und natürlich jede einzelne Mac-Seite auf der ganzen Welt, darüber geschrieben hatte, hat sich das verbreitet, und aus dem Kontext ist dann die Idee entstanden, aus IT&W eine eigene Macintosh Seite rauszukoppeln, und die dann auch kommerziell zu machen.“

Mac Essentials gehörte zu den ersten Weblogs überhaupt, die auch ein wenig Geld abwerfen sollten. Denn Blogger müssen ohne Verlag überleben. Dabei helfen Werbepartner wie Amazon, iTunes oder Cyberport. Manfred Heinze wird bei Kauf über seine Seite mit einem kleinen Prozentsatz beteiligt.

Karl Bihlmeier, Grafiker und Blogger:
“Die Blogger sind äußerst misstrauisch, wenn irgendwo kommerzielle Sachen auftauchen, in Weblogs. Als Mac Essentials plötzlich online war und hatte kommerzielle Inhalte in Form von Werbebannern usw. ging erst einmal eine ganz intensive und kontroverse Diskussion los, verträgt sich das überhaupt, der freien Geist des wilden Bloggers mit kommerziellen Inhalten. Und das funktioniert nur dann, wenn denn Leuten von vorne bis hinten klar ist, die Macher von den Weblogs lassen sich nicht bestechen.“


Links
www.industrial-technology-and-witchcraft.de www.mac-essentials.de www.bildblog.de
03.11.2006 / neues.online.mf | Film u. Text: F. Hottenbacher