Handy-Blocker
Das Handy ist ein praktischer Begleiter durch viele Lebenslagen - nur eben nicht durch alle. Längst hat sich das ewige Klingeln und Telefonieren zu einem sozialen Ärgernis entwickelt, nämlich da, wo es grundsätzlich nicht hingehört.
Wiesn ohne Mobilfunk?
Im vergangenen Jahr war es auf dem Oktoberfest vor den Zelt-Toiletten zu großen Warte-Schlangen gekommen. Das Problem: einige Gäste telefonierten in den Kabinen und nahmen das "stille Örtchen" lange in Beschlag. Besonders die weiblichen Gäste nutzen die WCs als Telefonzelle, sodass schließlich die Polizei den Verkehr vor den Damentoiletten regeln musste. Einige Zeltwirte dachten deshalb darüber nach, für 2005 einen Störsender auf den Toiletten anzubringen oder wenigstens den Handyempfang durch Kupfernetze zu erschweren. Aber weil diese Lösung zu kompliziert und teuer geworden wäre, entschied man sich für Hinweisschilder, um so die Zahl der Handyuser einzudämmen.
Oktoberfest

Störsender, Handyblocker oder GSM-Jammer
Egal, wie man die Geräte nennt, sie arbeiten immer nach dem gleichen Prinzip: sie senden ein eigenes Funksignal aus, welches das von regulären Mobilfunkanlagen überlagert. Das Ergebnis ist ein künstlich erzeugtes Funkloch. Allerdings haben Störsender zwei gravierende Nachteile: 1.) Sie können nur schlecht räumlich begrenzt werden und beeinflussen deshalb meist auch die räumliche Umgebung. 2.) Im Wirkungsbereich eines Störsenders ist auch das Absetzen eines Notrufs nicht möglich. Außerdem gilt natürlich: da die Geräte nicht legal zugelassen sind, entsprechen sie häufig nicht den gesundheitlichen Richtlinien und sind sehr Strahlungsintensiv. In den meisten Ländern sind deshalb Störsender verboten.
Bundesnetzagentur

Aber es gibt Ausnahmen: in vier Pfarreien im mexikanischen Monterrey werden Mobiltelefone mit einem Störsender blockiert. Der Einsatz von Störsendern ist zwar auch in Mexico verboten, aber in diesem Fall werden sie von der Telefonbehörde toleriert. Die Firma Netline hat die Störsender entwickelt, die dafür sorgen, dass in einem Umkreis von 5-80 Meteren das Signal der umliegenden Funkmasten durch ein eigenes Signal stark überlagert wird. Die Handys der Kirchenbesucher zeigen nach der Aktivierung der Störsender zu Beginn der Messe: "Kein Netz" (No servicio). Die am Eingang und am Altar angebracheten Geräte, die selbst kaum größer als ein Handy sind, senden pro Modul mit einer Stärke von 5-500 mW (4dBi). Dabei unterstützen die Sender sowohl analoge (AMPS, N-AMPS, NMT, TACS) als auch digitale Netze (GSM, CDMA, TDMA, iDEN, UMTS) in einem Frequenzbereich von 894 - 2170 MHz. In Frankreich sind neuerdings Störsender bei kulturellen Veranstaltungen, also für Kino- und Theaterbesitzer erlaubt. Voraussetzung aber ist: das Netz darf außerhalb der Veranstaltungsräume nicht beeinträchtigt werden und Notrufe müssen möglich sein. Das allerdings ist bisher technisch noch nicht möglich, so dass die praktische Umsetzung noch einige Zeit dauern dürfte. In den USA und Asien steht man Störsendern generell offener gegenüber. Hier gilt aber auch nicht die Notruf-Vorgabe.
Erlaubte Alternativen zu Störsendern
Auch in Deutschland ist die Unterbindung des Mobilfunks legal möglich, also ohne den Einsatz von Störsendern. Die Lösungen stammen aus dem Bereich der Sicherheitstechnik. Einmal kann man einen Raum sicher abschotten, so dass keine Mobilfunkstrahlen rein oder raus kommen. Dies wird oft bei größeren Unternehmen gemacht, um die Spionagegefahr, die von Handys ausgeht, einzudämmen. Handys können als Wanzen verwendet werden, mit Fotohandys können wichtige Dokumente abfotographiert und verbreitet werden. Zur Abschirmung verwendet man in solchen Abhörsicheren Räumen ein Vlies aus beispielsweise feinen Kupferdrähten, das in Tapeten und Fensterglas eingearbeitet wird. Auch die Türen mitsamt dem Schlüsselloch sind abgeschirmt. Von außen sind die Maßnahmen meist nicht zu erkennen.
Die zweite Alternative zu Störsendern sind so genannte Handy-Detektoren. Sie unterbinden keine Gespräche, aber sie spüren Mobiltelefone auf, sobald sie Daten mit einer Basisstation austauschen. Das heißt, es reicht schon aus, wenn das Handy eine Verbindung aufbaut oder eine SMS verschickt wird. Handydetektoren werden vor allem in Gefängnissen eingesetzt. Dort ist zwar meist ohnehin das Mobiltelefon verboten, aber häufig werden die kleinen Geräte eingeschmuggelt. Dann besteht natürlich die Gefahr, dass kriminelle Geschäfte aus der Zelle heraus weiter betrieben werden. Ganz neue Entwicklungen versuchen mit Hilfe von Bluetooth den Klingelton in Ruhezonen automatisch auf Vibrationsalarm um zu stellen. Beim Verlassen der Zone wird der Klingelton wieder automatisch zurückgestellt.
Social Mobiles zur Erziehung der Anwender
Die Designfirma IDEO geht mit einer Prototyp-Studie ganz andere Wege. Sie will mit so genannten Social Mobiles den User zu mehr sozialem Umgang mit dem Handy erziehen. Störendes Mobilfunkgebimmel und zu lautes Sprechen soll damit der Vergangenheit angehören. Die 5 Handys, die zur Studie gehören, versuchen dies durch ganz unterschiedliche Methoden zu erreichen.
SoMo1, Das Elektroschock-Handy: Das Telefon misst automatisch die eigene Sprechlautstärke. Ist sie zu laut, bekommt man über zwei Metallplatten am Handy einen leichten Elektroschock versetzt. Spricht man danach in der gleichen Lautstärke weiter, werden die Impulse allmählich intensiver, bis die Verbindung schließlich ganz gekappt wird.
SoMo2, Das Sprechende-Handy: Dieses Handy wird über ein Headset bedient. Wenn der Anwender gerade nicht laut telefonieren kann, beispielsweise weil er im Museum ist, kann er mit dem Handy bestimmte Sounds erzeugen, die vom Gegenüber erkannt werden. Er schreibt sozusagen eine akustische SMS.
SoMo3, Das Musikalische-Handy: Wer anrufen will, tippt keine Nummer ein, sondern spielt auf seinem Handy – das in diesem Fall einer Flöte gleicht - eine Melodie, die der Rufnummer zugeordnet ist. Das sieht ziemlich merkwürdig aus und hört sich auch so an. Der Anwender wird sich genau überlegen, ob er den Anruf wirklich machen muss…
SoMo4, Das Klopf-Handy: Dieses Handy meldet sich nicht durch Klingeltöne, sondern durch unauffällige Klopfgeräusche. Der Angerufene kann dann entscheiden, ob er ans Telefon gehen will oder es lieber sein lässt.
SoMo5, Das Katapult-Handy: Wer sich von einem lauten Telefonierer gestört fühlt, der produziert mit seinem eigenen Handy ein Störgeräusch, in dem eine Kugel gegen das Handygehäuse geschossen wird. Durch das Geräusch wird der Brüller irritiert und natürlich darauf aufmerksam gemacht, dass er die Umgebung stört.
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